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Herr Schröder beim ComedyArts Festival 2026 in Moers
Beim 50. ComedyArts Festival 2026 in Moers machte am Freitagabend Herr Schröder den Anfang. Die ausverkaufte Festivalhalle wurde mit seiner pädagogisch wertvollen Show zu einem sehr unterhaltsamen Schulseminar für Schüler, Studierende, Lehrer oder Außenstehende. Was für ein klasse Auftaktabend.

Wenn man nach zwölf Jahren im Schuldienst merkt, dass dass noch nicht alles gewesen sein kann, dann wird man Comedian. In Kanada erlernte er das Bühnenhandwerk, was dem Unterrichten in Schulen ziemlich ähnlich ist. Man muss sich nur auf sein Publikum freuen und im Bereich Humor die Pointen klar und deutlich setzen. Das beherrscht er perfekt, wie auch die Interaktion mit seinem Publikum. Wer ist Lehrer und für welche Fächer? Schüler kommen ebenfalls zu Wort, wie auch Referendare, denen er gute Tipp mit auf den Weg gibt. Der Nachwuchs will gefördert werden.

Wie packe ich als Lehrer meine Schüler? Wie motiviere und bewege ich sie zu Leistung? Eigentlich kann Schule nur die Grundlagenkompetenz vermittel, aber darf auch gerne über den Tellerrand hinaus schauen. So schnell, wie sich die Welt momentan verändert, so schnell kommt die Schule allerdings nicht nach, so seine Meinung. Es lässt sich auch nicht alles digitalisieren, z.B. der Elternabend. Die perfekte Familie sieht es bereits am Fenster kommen, mit Lastenrad, zwei Kindern, einer Doppelhaushälfte, einem Trampolin im Garten und einer Mutter, die mit ihrem Tennislehrer heimlich eng verbandelt ist. Zum Glück hat man als Lehrer die Hoheit über den Elternabend und kann ihn beenden, wenn die Fragen zu bunt werden.

Besonders schön war seine Vorstellung der Möglichkeiten einer KI. Die Schule muss eine Antwort finden. Lehrer und Schüler nutzen sie. Der Lernerfolg lässt bei den Schülern zu wünschen übrig, wie auch die Nutzung von digitalem Lernmaterial. Jungen Leuten fehlt es leider an analoger Vergangenheit. In Schweden geht man wieder zu Schulbüchern über, da das Lesen eines Buches mehr Lernerfolg erzeugt, als das Lesen eines digitalen Textes. Da spricht er ganz offen wahre Dinge an. Auch Social Media ist für ihn eher negativ einzuordnen, die „Endstufe des menschlichen Daseins“. Trotzdem sollte man sich als Lehrer mit den Dingen beschäftigen, die die Schüler tagtäglich stundenlang nutzen, ohne selbst Content zu produzieren.

Seine ausgezeichnete Beobachtungsgabe legt den Finger nett und direkt in die Wunden der Pädagogik, ohne dabei zu verletzen. Ein paar Sportlehrer-Witze mussten dann aber doch sein. Der Blick ins Lehrerzimmer kam nicht zu kurz, inklusive seltsamer Kollegen. Auf Klassenfahrten, fern der Heimat, lässt sich jede Menge beobachten. Während das Lehrpersonal den Rahmen vorgibt, sollten die Schüler diesen kreativ ausschmücken. Was dann hängenbleibt sind dann die kleinen, völlig unplanmäßigen Momente, die man nicht vorhersehen kann. Sie sollen sich wie eine Kugel in einem Flipper bewegen und ihre Erfahrungen machen. Dabei darf auch ein Kuss „ein Zufall mit Zunge“ sein. Einige Jungen wollten in Barcelona mal Marihuana kaufen. Der clevere Dealer verkaufte ihnen 2 g Oregano für 180 Euro. Das sind mal Erfahrungen, die man nicht vergisst.

Grundsätzlich ist er dafür, dass jeder von uns auch Fehler machen darf. Er findet sie sogar sympathisch, wenn sie sehr kreativ ausfallen. Wo wurde Goethe geboren? Natürlich in Göteborg. Für den schiefen Turm fährt man sogar nach Pisa, für bautechnisch gerade Turmbauwerke eher weniger. Es gibt weder den perfekten Menschen, noch die ideale Schule.

Herr Schröder kann ausgezeichnet mit Sprache umgehen. Die Rhetorik passt, wie auch der Humor, egal ob fest im Programm oder bei der spontanen Interaktion mit den Gästen. Er besitzt eine sehr gute Schlagfertigkeit und Menschenkenntnis, die er mit Wortwitz geschickt einsetzt. Der Funke sprang über, zum Glück ohne zu Gendern. Mit Schülern und Lehrern waren automatisch auch Schülerinnen, Lehrerinnen und alles dazwischen gemeint. Die drei Stunden, inklusive einer Pause, waren höchst unterhaltsam.

Datum: 18. September 2026

comedyarts.de

Herr Schröder beim ComedyArts Festival 2026 in Moers, Foto: Jehle

Herr Schröder beim ComedyArts Festival 2026 in Moers

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