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Ballett 'Der Glöckner von Notre-Dame' im Aalto Theater in Essen
Das Aalto Theater präsentiert den vorzüglichen Ballettabend „Der Glöckner von Notre-Dame“ von Viktor Hugo. Tänzerisch und optisch ist dieser Abend ein echter Genuss. Für Armen Hakobyan, Co-Intendant des Aalto Balletts, ist es die erste eigene Choreographie am Haus.

Es spielt um 1482, das große Drama um Esmeralda (Yuki Kishimoto) und Quasimodo (Enrico Vanroose), eine tiefe Freundschaft. Frollos illegale Liebe wird von ihr nicht erwidert. Er ist Kirchenmann mit Haltung nach außen, mit sichtbarer Körperspannung. Sie liebt den Hauptmann Phoebus (Artem Sorochan), der von Frollo (Moisés León Noriega) erstochen wird. In der Auswahl ist aber auch noch Quasimodo, der sich rührend um sie kümmert. Drei Männer und eine Frau, das kann nicht gut gehen. Da kann es nur Verlierer geben und so kommt es auch.

Die Kathedrale Notre-Dame ist die Hauptfigur des Abends, Das kommt sehr deutlich rüber, ein wunderschönes und großes Bühnenbild im gotischen Stil. 8 x 6 m groß ist die hohe Wand. Man sieht schräge Bühnenelemente, die von der Decke hängen, ebenso wie das Geläut oder Kerzen. Es ist eine sehr variable Gestaltung der Bühne, die eher mittelalterlich dunkel gehalten ist. Das Rosettenfenster misst 5,7 m im Durchmesser, wiegt 330 kg. Das Licht strahlt durch das Fenster am Ende schön auf die Bühne hindurch. Die Dimensionen der Bühne ahnt man als Zuschauer nicht. Da hat man sich was optisch richtig Gutes ausgedacht Dazu zählen ebenso die aufwändigen Kostüme, die je nach Figur sehr gelungen erscheinen. Man erkennt den gesellschaftlichen Stand der Figur ausgezeichnet. Quasimodos Helfer wirken wie Wesen wie aus einer Disney-Serie, spielen märchenhaft auch freundliche Kuppler.

Der ganze Abend fließt entspannt dahin. Klassische und zeitgenössische Tanzelemente mischen sich sehr gelungen. Es wirkt spielerisch und leicht. Die Szenen geht wie von Zauberhand ineinander über, inklusive klarer Körpersprache der Figuren. Esmeralda bewegt sich sehr leichtfüßig, tänzelt in ihrer freien Welt. Die Gegensätze in den Figuren werden gut herausgearbeitet. Quasimodo spielt ohne eine erkennbare Behinderung. Hinzu kommen die schönen Gruppendarbietungen, elegant und modern-kreativ. Trauer, Wut und Verliebtheit, die großen Gefühle werden gut transportiert, obwohl Esmeralda japanisch besetzt ist. Japanern sagt man eher gewisse Zurückhaltung nach. Schüler des Fachbereichs Tanz am Gymnasium Essen-Werden zeigen in einigen Szenen ihr Können.

Szenisch passt es einfach. Es gibt ausdrucksstarke Pas des Deux. Frollo möchte, aber kann aus seiner Rolle nicht ausbrechen, entwickelt sich zur bösen Figur und bezahlt für seine Grausamkeiten. Die Opfer werden zu Helden. Esmeralda ist in ihrem roten Kleid nicht zu übersehen. Ihre Hinrichtung findet im Verborgenen statt, hinter gotischen Fassadenelementen. Eine einzelne Violine, ein Schlagwerk und ein Knall, so sieht der Abgang der Esmeralda aus. Auf dem Arm von Quasimodo wird sie liebevoll ins dunkle Reich überführt.

Die Musik hat man zwei Jahre lang ausgewählt, ein langer und sehr bewusster Prozess. Es sind viele eher unbekanntere Komponisten. Ein Stück wurde vom musikalischen Leiter der Essener Philharmoniker, Wolfgang-Maria Märtig, selbst komponiert. Zu den Komponisten zähen u.a. Dmitri Schostakowitsch, Sergej Rachmaninow, aber auch Erich Wolfgang Korngold, Max von Schilling, Karl Goldmark oder Franz Schreker.

Es ist ein Abend, den man als Ballett-Liebhaber nicht verpassen sollte. Die Karten werden allerdings schon sehr knapp.

Datum: 5. Dezember 2025

www.theater-essen.de

Ballett 'Der Glöckner von Notre-Dame' im Aalto Theater in Essen, Foto: Bettina Stöß

Ballett 'Der Glöckner von Notre-Dame' im Aalto Theater in Essen

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