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Mit der Eigenproduktion „Die Laborantin“ von Ella Road präsentiert das Schauspiel Duisburg ein Stück, das vielleicht gar nicht so weit entfernt von der Zukunft spielt. Es dreht sich um Gentests als Einordnung eines Individuums in einer Gesellschaft. Du bist ein Nichts, so heißt es sinngemäß im Dialog zwischen Bea (Smilla Marie Aleweiler) und ihrem Partner Aaron (Ferit Albayrak). Beide leben in einer Gesellschaft, in der Menschen genetisch geratet werden. Liegt der eigene Wert auf einer Skala bis 10 bei weit unter 5, so hat man so gut wie keine Chance auf ein gutes Leben. So ein Gentest kann brutal sein, wird von Arbeitgebern, Banken und auch von Einreiseländern verlangt. Er kann nicht nur die wahrscheinlichen Krankheiten erkennen, sonders weiß auch, wann sie etwa in Erscheinung treten. Mit dem Wissen eines schweren Gendefekts vergeht einem der Spaß am Leben. Bea sitzt an der Schnittstelle zwischen High- und Low-Ratern, in einem Labor. Als Laborantin entscheidet sie über Karriere oder Elend. Char (Lulu Feuser) ist so eine Low-Raterin, bei der schon bald die Krankheit ausbrechen wird. Kann sie ihr helfen? Bea ahnt, wie sie viel Geld verdienen kann. Erst sind es vertauschte Blutproben, später sogar Bluttransfusionen, heute bekannt durch Doping im Spitzensportbereich. So springt ein schickes Apartment mit Aaron dabei heraus. Man lebt gut vom Betrug, der vom gesellschaftlichen Wettbewerb lukrativ profitiert. Ist das Kind der Träume zukünftig kein Liebesglück, sondern das Ergebnis einer Genanalyse? Wie steht es eigentlich um Aaron, diesen charmanten, attraktiven, jungen Mann, der immer ein Sunnyboy zu sein scheint? Er kann doch nur ein High-Rater sein, doch wie auch Bea, hat er seine dunklen Geheimnisse, die sich im Verlauf dramaturgisch hervorragend aufbauen. Als spannendes Element hat man die Figur des David (Kai Bettermann) eingebaut. Er ist der alte Hausmeister, der alles weiß, aber nichts verrät. David agiert schlau. Immer wieder taucht er auf und fragt nach den Befindlichkeiten, hält den anderen den moralischen Spiegel vor, ohne zu belehren, bis die Welt vor ihm zusammenbricht und die Kluft zwischen Low und High immer brutaler wird. Das tolle Stück ist inhaltlich vielleicht ein Vorgriff auf die Zukunft der Menschheit. Erst wird die KI unser Leben bestimmen, dann die Genanalyse. Schauspielerisch ist es wirklich sehenswert. Bis auf Kai Bettermann stehen hier langjährige Mitglieder des „Spieltrieb“ auf der Bühne, dem jungen Ensemble am Haus. Sie haben hier von den Profis viel gelernt, überzeugen sehr. Datum: 17. Oktober 2026 www.theater-duisburg.de |
Schauspiel 'Die Laborantin' im Schauspiel Duisburg, Foto: Sascha Kreklau![]() nächstes Foto |
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