![]() |
![]() |
![]() |
||
![]() |
||||
![]() |
||||
![]() |
||||
![]() |
||||
![]() |
||||
![]() |
||||
![]() |
||||
|
Mit der Komödie „Eine perfekte Hochzeit“ von Matthew López begibt sich das Theater Oberhausen in das Jahr 2008, die große Finanzkrise in den USA, eine gesellschaftlich-politische Aufarbeitung dieser Zeit. Es ist eine gute und intelligente Inszenierung von Christian Brey, die Slapstick und Satire geschickt stilistisch miteinbezieht. Faule Kredite haben Bürger in den Ruin getrieben. Gut ausgebildete junge Leute versuchen sich mehr schlecht als recht in Hilfsjobs, sind frustriert und suchen Orientierung. Die Schulden durch Kreditkarten erdrücken und die Hoffnung nach Bush liegt beim kommenden Präsidenten Obama. Ein Paar feiert seine Hochzeit in Brooklyn, in einer billigen Bar. Glamourös sieht anders aus. 80er-Musik erschallt zur Einstimmung auf der Rundbühne, Alphaville, Europe und andere. Der stark übersteuerte DJ (Daniel Rothaug) macht auf coolen Unterhalter, zieht an der Capri Sonne und steht hinter einem Ghettoblaster als Mischpult. Tische und Tribünen befinden sich rundherum, das Publikum als Hochzeitsgäste, inklusive Essen und Trinken. Ein Hauch von Pink flackert durch die Location, gepaart mit Discokugeln. Warum feiert man in Brooklyn, nicht im schicken New York? Es ist eigentlich ein Tisch am Rande des Geschehens. Warum hat man die Protagonisten hier hin gesetzt? Missstimmung kommt auf. Eine zweite Bar scheint jedoch ausschließlich für sie da zu sein, also doch kein so schlechter Tisch. Aber, wo bleibt das Essen? Es bleibt ein Running Gag. Missy (Franziska Roth) versucht sich als verhuschte Hochzeitsplanerin, aber so ziemlich alles läuft nicht wie geplant, endet in einem gesunden Chaos. Zoey (Marie Scharf) ist als Braut wahrlich nicht zu beneiden, ist oft verzweifelt. Die große Traumhochzeit musste nach Brooklyn verlegt werden. Hochzeitsplanerin Missy macht diesen Job zum ersten Mal, aus ihrer finanziellen Not heraus. Eine herausstechende Rolle, die gefühlte Hauptrolle, ist die der Rachel (Regina Leenders), einer professionellen Hochzeitsplanerin, die sich hier, nur als Gast anwesend, völlig übergangen und zu wenig beachtet fühlt. Sie drängt sich nach vorne und wirft die passenden Themen hart in den Raum. Was ist eine Hochzeit? Für sie ist es der Urknall am Beginn der Ehe, eine einzige, große Geldverschwendung und niemand denkt danach an die eigentliche Ehe mit Putztag, Steuerklärung, Jobproblemen oder anderen lästigen Alltagsdingen. Ihre ehrliche Rede vor allen Gästen legt die Wunden frei. Es knirscht überall. Nicht abgesprochene Songs vom DJ, der sich als Künstler fühlt, sorgen dafür, dass er von Missy kurzerhand gefeuert wird. Er entwickelt sich allerdings zum guten Geschäftsmann in der Not. Ohne Mucke ist die Braut aber verzweifelt. Sie will tanzen. Religiöse Kontraste zwischen Südstaatlern und Juden stehen nicht im Vordergrund, sind aber unterschwellig in den Charakteren spürbar. Der Alkohol fließt. Er lockert die Gedanken und die Zungen. Sexuelle Themen sind wichtige Inhalte, homosexuell sowie heterosexuell. Wie oft hat man Sex oder wie langen schon keinen mehr? Charlie (Philipp Quest) und Sammy (Jens Schnarre) sind diesbezüglich sehr ehrlich und verschieden. Auch der homosexuelle Sammy ist eine ziemlich dominante und selbstbewusste Figur im Stück. Warum keine offene Beziehungen führen und Spaß haben? Ein Zickenkrieg tobt hinter den Kulissen, offener Frauentalk auf dem WC als Video-Sequenz. Es ist jede Menge los. Richtig spannend und offenbarend sind die Zweier-Tischgespräche zwischen Rachel und Charlie, Rachel und Zoey, Sammy und Charlie, Rachel und Charlie oder DJ und Missy. Die manchmal bittere Wahrheit kommt auf den Tisch. Man spürt die Suche nach Orientierung. Willst du mit mir kiffen? Die erweiterte Geisteswelt als zur eigenen Klärung führender Denkraum. Viele F-Sätze aus frustrierten Seelen fallen. Man vernimmt aber auch einen spürbaren Tiefgang in den Gesprächen. Als schließlich alles verloren scheint wird die Traumhochzeit für die Braut zum Hardcore-Event, die Schokolade in weißen Kleid, alles egal, alles an diesem Tag in Scherben! Es ist eine vergnügliche und sehr ehrliche Hochzeit unter Discokugeln, mit belegten Brötchen und Chinafood in Pappe, klarer Kante, offenen Worten, Sexthemen und vielen verschiedenen Typen von Figuren. Der oftmals als schönster Tag des Lebens bezeichnete Hochzeitstag gerät zu einem Desaster mit dem positiven Gedanken, sich selbst zu finden und es in der Ehe und im Leben besser zu machen. Am Ende sollte man darauf vertrauen, dass alles gut wird. Datum: 7. Dezember 2025 theater-oberhausen.de |
Schauspiel 'Eine perfekte Hochzeit' im Theater Oberhausen, Foto: Birgit Hupfeld![]() nächstes Foto |
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
||