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Schauspiel 'Wo sind denn alle?' im Schlosstheater Moers
Eine ausgezeichnete Premiere feierte die Inszenierung „Wo sind denn alle?“ von Leo Meier und Emil Borgeest im Schlosstheater Moers. Es geht um das wichtige Thema der Einsamkeit. Wie entsteht Einsamkeit und wie kann daraus Gemeinschaft werden?

Wenn die Verfasser des Stücks auch als Regisseure selbst Hand anlegen, dann darf man gespannt sein. Ihre Ideen und speziellen Schwerpunkte sollten genau herausgearbeitet werden. Die Erwartungen werden hier absolut nicht enttäuscht, zumal auch die Schauspieler des eh schon guten Ensembles alles geben, ohne dabei spielerisch-gestisch zu übertreiben. Das Thema Einsamkeit erfordert eine sehr sensible Darstellung, die hier und da auch eine gewisse Portion Humor verträgt.

Alles beginnt mit der Vorstellung eines imaginären Wasserflecks an der Wand. Der Mieter weiß nicht wie groß er ist, als ihn seine Nachbarin darauf anspricht. Klein, groß oder normal? Einsamkeit ist individuell und schwer messbar. Er erscheint nicht glücklich, eher etwas verwirrt von seiner spürbaren Unzufriedenheit. Als auch noch ein anderer Nachbar sich einschaltet, um dramatisch darauf hinzuweisen, dass ein Wasserschaden sogar zum Einsturz des Hauses führen kann, ist man selbst erst einmal verwirrt. Was hat ein Wasserschaden mit Einsamkeit zu tun, wenn er so bedeutsam hervorgehoben wird? Eine ganze Menge! Er verbindet alle Parteien dieses Hauses in ihrer gefühlten Situation. Ein schnelles Hallo im Flur erzeugt noch keine Gemeinschaft. Will man jedoch so viel Nähe, dass man seinen Nachbarn Privates erzählt? Bohrende Fragen können unangenehm sein, zu viel Nähe sogar Konflikte hervorrufen. Sorgen und Probleme sind für viele eh tabu. So einen Makel wie die Einsamkeit möchte man nicht offenlegen. Da sind sich scheinbar alle vier Nachbarn einig.

Wenn jedoch die Probleme durch einen brummenden Wohnraumlüfter akustisch werden, stellen die Nachbarn Fragen, kommt man zumindest mal ins Gespräch. Tatsächlich lässt man sie sogar in die eigene Wohnung, um seine skurrile Wohnzimmer-Oase aus einem großen Brunnen und Palmen zu bewundern. Träume spielen ebenso eine Rolle. Für große Träume von der großen, weiten Welt scheint das Geld bei allen nicht zu reichen. Auch Armut führt zu Einsamkeit, wenn man sich keine kulturellen oder sonstige Besuche in der Stadt leisten kann, nicht unter Menschen kommt. Ein Nachbar denkt sehnsüchtig an die Niagarafälle oder die Pyramiden, schafft es aber nur an den Rhein-Herne-Kanal oder auf den Tetraeder. Das ist auch schön, aber schmälert doch das Selbstwertgefühl.

Eine besondere Rolle im Stück spielt Olaf Meier, kein gelernter Schauspieler, sondern der Vater des Regisseurs. Er ist in Rente, leitete früher tatsächlich die Telefonseelsorge in Duisburg, Mülheim und Oberhausen und kennt sich mit dem Thema aus, hat seine Erfahrungen mit ins Stück eingebracht. Hier trägt er bewusst eine Ritterrüstung, weil man auch als Seelsorger nicht immer die Inhalte der Telefonate einfach so verdaut, auch mal einen wichtigen Puffer benötigt. Olaf Meier ist so eine Art gedanklich-personifizierter Strang durch das Stück, tritt immer mal wieder kurz auf. Er gibt dem Abend die wichtige Authentizität, ist das I-Tüpfelchen des Abends, das irgendwann verschwindet.

Am Ende wird es bitter und hoffnungsvoll zugleich. Die vierte Nachbarin tritt pitschnass in Erscheinung. Sie hat nicht nur einen Wasserfleck. Ihre Wohnung ist bereits eine Badelandschaft, die gefährlich suizidal erscheint, doch findet sie noch einen letzten Fluchtweg. Am Ende gibt es doch noch den Funken von Hoffnung einer Gemeinschaft, der von vier Ventilatoren zusammengehalten wird. „Nein wir fürchten nicht die Nacht“, ein Song von Stefanie Schrank, begleitet die letzte Szene.

Das Stück agiert hundertprozentig am Puls der Zeit, ganz fein oder emotional, wenn einer mal gar nicht mehr weiter weiß. Genau diese Emotionalität bringt die Beteiligten ins Gespräch, so dass sie feststellen müssen, dass sie mit ihrem Problem der Einsamkeit nicht alleine sind. Die Symbolik ist sehr gut und nachvollziehbar gewählt, ein klasse Abend!

Es spielen Linus Ebner, Catherine Elsen, Matthias Hesse, Clara Pinheiro Walla und Olaf Meier.

Man sollte sich übrigens das klasse Programmheft kaufen, das ein lesenswertes und vertiefendes Interview mit Olaf Meier enthält.

Datum: 26. Februar 2026

schlosstheater-moers.de

Schauspiel 'Wo sind denn alle?' im Schlosstheater Moers, Foto: Jakob Studnar

Schauspiel 'Wo sind denn alle?' im Schlosstheater Moers

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