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Ein bezaubernde Premiere der Welturaufführung der Familienoper „Die verzauberte Stadt“ erlebte das Aalto Theater in Essen. Die Inszenierung kommt von der Erfolgsregisseurin Louisa Proske. Louisa Proske ist manchen vielleicht bekannt von dem in Duisburg grandios laufenden Musical „On the Town“ (Deutsche Oper am Rhein), welches ebenfalls Begeisterungsstürme auslöst. Zur neuen Spielzeit inszeniert sie die Auftaktpremiere an der MET in New York. Ja, sie ist begehrt und viel beschäftigt. Mehr muss man zu ihrer Person kaum noch sagen, außer, dass ihre Werke voller Fantasie, großartiger Kulissen und wunderschönen Kostümen sind. Gerne arbeitet sie geschickt mit Filmsequenzen. Das ist in Essen nicht anders. Das Ergebnis ist die perfekte Familienoper, die Kinder, Eltern und Großeltern hundertprozentig begeistert. Der gleichnamige Stoff stammt von Edith Nesbit (1858-1924), die in England als Kinderbuchautorin sehr bekannt ist. Erstmals wurde „Die verzauberte Stadt“ nun als Oper adaptiert. Das Libretto stammt von der Kinderbuchautorin Susanne Lütje und Autorin Anne X. Weber, die Partitur vom australischen Komponisten Samuel Penderbayne. Alle drei waren bei der Premiere in Essen anwesend. Worum geht es? Die alleinerziehende Helen eröffnet ihrem Sohn Philip (Aljoscha Lennert), dass sie beide zu ihrem neuen Freund Peter ziehen. Der hat eine Tochter namens Lucy (Mercy Malieloa). Das Patchwork will so recht nicht klappen, denn Helen und Peter machten direkt mal auf in den Urlaub und lassen die Kids mit ihrem Au Pair alleine. Das Au Pair (Liliana de Sousa) fühlt sich nicht nur völlig überfordert und meist namenlos, sondern hat auch noch Geburtstag, den niemand erst nimmt. So baut sich Philip eine eigene Welt aus allem, was er in Jucys Zimmer so findet. Am nächsten Morgen weiß er nicht mehr wo er ist. Eine riesige Stadt aus Büchern, Bilderrahmen und sonstigen Dingen öffnet sich vor ihm. Die Bewohner sind ganz besondere Wesen. Der futuristische Nachtwächter Roshan (Valentin Stroh) begrüßt den Fremden. Später kommt auch Lucy mit dazu. Sind sie die Retter oder die Vernichter der Stadt? Dazu müssen sie Aufgaben lösen, also einen Drachen töten oder Piraten besänftigen, was sie gemeinsam alles bewältigen. Die Königin (Idil Kutay) ist zufrieden und ernennt sie zu Rettern. Ansonsten ist es ziemlich bunt in der Stadt. Diverse TV-, Film- und Comic-Figuren leben hier, z.B. ein One eyed Minion, Superman, Batman, Pippi Langstrumpf, die Pirates of the Caribean mit einem Johnny Depp-Double, der Zauberer von Oz, die Hexe aus „Wicked“, Harry Potter, Prinzessin Lillifee, der Kuh-Man oder ein Tipp-Kicker, ein wahres Staraufgebot an bekannten Fantasiefiguren. Pippi bekommt sogar noch ein ganz kleines, musikalisches Solo. Diese moderne und in keinster Weise kitschige Inszenierung ist großartig, ganz liebevoll und einfühlsam. Besser geht es kaum. Die Szenen sind klar und unmissverständlich dargestellt und die Gesangsparts gut verständlich. Es ist eine Mischung aus junger Oper und Musical, gesprochene Partien inklusive. Schon die erste Szene, im heimischen Bett, welches zu einer Insel wird, ist groß, mit einem wabernden Tuch auf dem Boden und einer Filmfrequenz des Meeres im Hintergrund. Etwas später fliegen die Eltern in einem klasse projizierten Flugzeug in den Urlaub. Die Video-Sequenzen von Judith Selenko sind großartig. Auch das Riesen-Mikado ist sehr gut gelöst, wie auch später die große Insel. Natürlich sind auch die Kostüme (Bühne und Kostüme Momme Hinrichs) wunderschön. Es sind oft die kleinen Momente, die überraschen. Piraten können auch traurig und verzweifelt sein, nicht immer nur brutal. Als Au Pair möchte man erst genommen werden, nicht nur das Au Pair sein. Tja, auch Patchwork ist nicht immer einfach. Einige Kinder im Saal kennen diese Situation sicher. Selbst der Kampf mit dem Drachen wird spielerisch gelöst, ganz ohne Blutvergießen und mit einem gut projizierten Drachen hinten einem Tor. Kein Kind muss hier Angst haben. Musikalisch können die Essener Philharmoniker unter der Leitung von Michael Zlabinger glänzen. Die Partitur nimmt geschickt die Handlung und die Stimmungen auf der Bühne auf. Handlung und Musik harmonieren ausgezeichnet. Auf der Bühne stehen junge SängerInnen von dem Projekt „Junge Opern Rhein-Ruhr“. Ihre Stimmen können sich schon hören lassen, schließlich wurden sie aus hunderten Bewerbungen Aus aller Welt auserwählt, um hier Bühnenerfahrungen zu sammeln. Das machen sie sehr lustvoll und gut. Die Oper hat ein paar Besonderheiten zu bieten. Das Publikum wird mitgenommen, insbesondere die Kinder. Zwischendurch darf man auch mal aufstehen, sich bewegen oder mitsingen, zu „Piratenschiff ahoi!“, nach der Melodie vom „Wellerman“. Ja, die Piraten um Piraten-Ken (Tobias Greenhalgh) spielen eine wichtige Rolle. Schön auch, dass nach der Verbeugung der SängerInnen auch mal alle Beteiligten von Bühne, Licht, Ton, Kostüme oder Maske auf die Bühne dürfen, auch eine wichtige Wertschätzung, die man sonst von der Oper nicht so kennt. Eine schöne Idee. Nach der Premiere gab es noch eine Autogrammstunde und Fotos mit den Stars im Foyer. So nimmt man einer nachfolgenden Generation die Scheu vor der Oper, die Stars auf der Bühne zum Anfassen. Diese Oper wird im Rahmen von „Junge Opern Rhein-Ruhr“ in naher Zukunft auch in Duisburg, Düsseldorf (beide Deutsche Oper am Rhein), Dortmund und in Bonn zu sehen sein. Die offizielle Empfehlung gilt ab 8 Jahren. Es waren aber auch jüngere Kinder im Saal zu sehen. Datum: 31. Mai 2026 www.theater-essen.de |
Oper 'Die verzauberte Stadt' im Aalto Theater in Essen, Foto: Matthias Jung![]() nächstes Foto |
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