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Das Schlosstheater Moers präsentiert das sehr gut inszenierte Stück „Ruf des Lebens“ von Arthur Schnitzler. Es geht um das Thema Tod in verschiedenen Sichtweisen, als Lösung im Alter oder im brutal im Krieg. Regie führte Co-Intendant Jakob Arnold. Der Tod ist ein elementares Thema unseres Lebens. Das Leben schreibt viele Geschichten. Auch Arthur Schnitzler konnte davon ein Lied singen. So ist dieser Stoff in manchen Teilen sehr biografisch angehaucht. Es beginnt mit dem Vater (Matthias Heße) und der Tochter Marie (Clara Pinheiro Walla). Er ist 70, sitzt krank im Rollstuhl und wartet auf den Tod, der noch Jahre hin sein kann. Sie ist 26 Jahre jung und pflegt ihn. Ihr Leben geht dabei vor die Hunde. Feiern ist einmal im Jahr möglich. Andererseits fühlt sie sich verpflichtet für ihren Vater da zu sein, Familienblut. Außerdem gibt es noch einen Arzt (Linus Ebner) und einen Oberförster (Florian Kager), der ein Auge auf sie geworfen hat. Die Last der Pflege ist schon enorm. Sie weiß nicht so recht, wie sie handeln soll, die eigene Freiheit suchen oder pflichtbewusst agieren. Der Arzt hat da einen guten Tipp, ein Schlafmittel für hundert Tage. Sie macht es, verabreicht es ihrem Vater und wird zur Mörderin. Glücklich wird sie damit jedoch nicht. Sie zieht zu ihrer Tante (Catherine Elsen) und versucht den Sinn ihres Lebens zu finden, ein offenes Ende. Die zweite Ebene im Stück, das Anfang des 20. Jahrhunderts seinen Anfang nahm und mehrmals bis 1931 umgearbeitet wurde, ist der Kriegsdienst. Ein ganzes Bataillon hat vor 30 Jahren den Rückzug angetreten, um das eigene Leben zu retten, damals eine Schmach, die nachwirkt. Dabei überlebte nur Maries Vater, den sie pflegte und mordete. Nun steht wieder ein Krieg vor der Tür. Die Nachfolger dieses Bataillons wollen die Ehre der Fahne retten, obwohl sie genau wissen, dass niemand von ihnen lebendig heimkehren wird. Es kommt wie es kommt, niemand überlebt die Schlacht. Hier findet man aktuelle Anknüpfpunkte. Die Bundeswehr wirbt mit heldenhafter Werbung für den Dienst an der Waffe. Hatte je ein Krieg wirklich einen Sinn? Kann ein ehren- und heldenhafter Tod eine vermeintliche Schuld des Desertierens wiedergutmachen? Hier kommt der Titel Stücks, der „Ruf des Lebens“, sehr gut ins Spiel. Das Stück ist ein Plädoyer für die Vernunft, für das Leben. Ob glücklich oder unglücklich, für Marie geht zumindest noch jeden Tag die Sonne auf. Das Schlosstheater Moers hat ein kleines, aber gutes Ensemble. Die Akteure bringen dieses schwierige Thema mal wieder hervorragend auf die Bühne. Die Dialoge, das Tempo, die kleinen, mimischen Momente, alles passt wunderbar. Egal, ob das Thema Pflege oder Krieg, unsere aktuellen Probleme waren bereits vor hundert Jahren auf der Agenda. Datum: 27. Mai 2026 schlosstheater-moers.de |
Schauspiel 'Ruf des Lebens' im Schlosstheater Moers, Foto: Jakob Studnar![]() nächstes Foto |
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