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Schauspiel 'Mutter' im Theater Oberhausen
Mit dem Stück „Mutter“ von Wajdi Mouawad thematisiert das Theater Oberhausen sehenswert die Problematik geflüchteter Mütter und ihrer Kinder. Regie führte die Ukrainerin Tamara Trunova.

Schauplatz ist Paris, eigentlich eine Stadt der großen Träume. Jacqueline Mouwad (Anke Fonferek) aus dem Libanon ist hier gestrandet. Mit dabei hat sie ihre Tochter (Mariann Yar) und ihren Sohn (Khalil Fahed Aassy). Er, der Autor, berichtet über die Zeit in Paris aus seiner kindlichen, als auch erwachsenen Perspektive. Es ist eine schwere Zeit. Die Mutter möchte nicht akzeptieren hier heimisch zu werden. Der libanesische Bürgerkrieg muss doch ein Ende haben und dann gehen sie wieder zurück. Ein Kriegsende ist allerdings kaum planbar. Langsam beginnen die Kinder sich zu akklimatisieren. Sie passen sich ihrer neuen Heimat an, während die Mutter sie nach alten Traditionen aus der Heimat behüten möchte. Mutter und Kinder entfernen sich. Darf die Tochter einen jungen Franzosen treffen? Für die Mutter ist das ein Kulturschock. Während die junge Generation sich dem neuen Leben fügt, verharrt die Mutter immer gedanklich im Libanon, ein Land ohne Frieden, bis heute. Ihre einzige Brücke dort hin ist die TV-Nachrichtensprecherin (Franziska Roth), die jeden Abend um 20 Uhr auch aus dem Libanon berichtet. Sie sieht im Fernsehen die Zerstörungen in ihrer ehemaligen Straße, mach sich Sorgen um ihre Mann. Was im wahren Leben nicht funktioniert, hier kann sie mit der elegant-westlich gekleideten Dame im TV Kontakt aufnehmen, Fragen stellen, doch die ist meist mit den Antworten überfordert.

Regisseurin Tamara Trunova ist nicht aus Kiew geflüchtet, arbeitet dort an einem Theater. Sie hat eine Zeitreise inszeniert, von der Vergangenheit, über die Gegenwart, bis hinein in die Zukunft. Jacquelines Sohn geht nach Kanada, ihr Mann stirbt und die Tochter wird erwachsen. Schließlich erkrankt auch die Mutter. Sie stirbt. Am Ende verbleiben ein Paar Hauspuschen von ihr, darauf zwei Smilies, ein wirklich versöhnlicher Abschluss eines nicht einfachen Lebens.

Kulturen prallen an diesem Abend aufeinander, auch bei den schönen Kostümen von Franziska Isensee. Die passende Bühne stammt ebenso von ihr, ein Warteraum zum Glück. Es ist eine Geschichte voller Traditionen, Veränderungen, Ängste, Konflikte, Hoffnungen und Anpassung. Zeitsprünge sorgen für Spannung, wie auch die Musik von Marc-Rainer Kamp und die Videos von Andreas Klein.

40 Minuten vor Vorstellungsbeginn wird zusätzlich die Vorführung des filmischen Essays „Mütter. Jeden Tag“ von Ayse Kalmaz in der Container-Bar oder im Studio-Foyer angeboten. In dem 30minütigen Kurzfilm schildern alleinerziehende Mütter aus Oberhausen und Bottrop ihre Fluchtgeschichte und ihr Ankommen in Deutschland. Sie stammen aus der Türkei, aus Bosnien, aus der Ukraine oder aus Bangladesch. Sollte man sich vorher durchaus mal ansehen.

Datum: 30. April 2026

theater-oberhausen.de

Schauspiel 'Mutter' im Theater Oberhausen, Foto: Lukas Driller

Schauspiel 'Mutter' im Theater Oberhausen

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