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Schauspiel 'Arendt – Denken in finsteren Zeiten' als Gastspiel des Thalia Theater im Schauspiel Duisburg
Das Schauspiel Duisburg präsentierte mit dem sehenswert dargebotenem Stück „Arendt – Denken in finsteren Zeiten“ von Rhea Leman ein Gastspiel des Thalia Theaters aus Hamburg. Die Hauptrolle der Hannah Arendt (1906 – 1975) übernahm großartig Corinna Harfouch.

Alles dreht sich thematisch um eine Person, Hannah Arendt. Sie war ein politisch sehr interessierter Mensch, hatte ein bewegtes Leben. Bei Hannover aufgewachsen, zog sie nach Berlin. Sie flüchtete 1933 aus Deutschland nach Paris. Hier landete sie in einem Internierungslager. Als die Deutschen Frankreich besetzten, nutzte sie das Chaos, um in die USA, nach New York zu flüchten. Sie und ihr Mann Heinrich Blücher (André Szymanski) waren nach einer gewissen Anlaufzeit auch dort erfolgreich. 1975 erhielt sie, kurz vor ihren Tode, in Kopenhagen als erste Frau und US-Amerikanerin den renommierten Sonning-Preis überreicht.

In Kopenhagen setzt dieses klasse inszenierte Stück an. Sie sitzt in einem Hotel und grübelt über ihrer Dankesrede. Dabei führt sie einen Dialog mit ihrem fünf Jahre zuvor verstorbenen Mann Heinrich, wie ein Selbstgespräch mit Echo. Sie werden sich nie einig, wer der oder die klügere von beiden ist, er der Philosoph, oder sie, die politische Theoretikerin.

Der Abend arbeitet die wichtigen Stationen ihres Lebens ab. Das Verhör bei den Nazis wirkt inszeniert wie ein 30er-Jahre-Film. Sie führt die beiden Herren mit ihrer Eloquenz regelrecht vor. Im Anschluss sieht man ihre Flucht aus Berlin, mitten durch den dunklen Wald, bedroht von einem Waldarbeiter. Sie hatte alles verloren, der Zusammenbruch ihrer bisherigen Lebenswelt. In Paris soll sie sich den deutschen Besatzern stellen. Wieder führt sie ein langer Fußmarsch zum Schiff, das sie in die USA bringt. Dort trifft sie wieder auf ihren Lebensgefährten Heinrich Blücher. Beide lernen schnell Englisch.

Schwierig wurde es für sie 1961 in Jerusalem. Als jüdische Verfolgte in Berlin wollte sie unbedingt dem Prozess gegen NS-Mann Adolf Eichmann beiwohnen und drüber berichten. Sie verfasste einen Bericht mit dem Titel „Banalität des Bösen“, womit sie den Chefankläger und viele Juden wenig begeisterte. Man warf ihr als Jüdin Antisemitismus vor. In der Szene mit dem israelischen Staatsanwalt und mit Eichmann gerät sie mächtig zwischen die Fronten, wird fast zur Angeklagten. Dabei ist es sie, die leidenschaftlich gegen gegen Totalitarismus ankämpft, hat aber auch immer Angst, sich selbst zu verlieren.

Schauspielerisch ist das ganz groß vom Thalia Theater auf die Bühne gebracht. Während Corinna Harfouch sich auf die Rolle der Hannah Arendt konzentrieren kann, müssen ihre beiden männlichen Kollegen mehrere Rollen spielen, was ebenfalls absolut sehenswert ist. Adolf Eichmann spielen zu müssen ist eine echte Herausforderung.

Ein Hingucker ist die Szenografie der nach oben gekrümmten Bühne von Jo Schramm. Sie lässt sich je nach Szene durch verschiedene Grafiken und Stimmungen sehr gelungen verändern, wirkt dabei auch etwas surreal, wie der Stoff selbst. Regisseur Tom Kühnel hatte ein großes Händchen für dieses Thema, hat es hervorragend umsetzt.

Datum: 14. Mai 2026

www.theater-duisburg.de

Schauspiel 'Arendt – Denken in finsteren Zeiten' als Gastspiel des Thalia Theater im Schauspiel Duisburg, Foto: Katrin Ribbe

Schauspiel 'Arendt – Denken in finsteren Zeiten' als Gastspiel des Thalia Theater im Schauspiel Duisburg

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