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Musical 'Zeppelin' im Festspielhaus Neuschweanstein in Füssen
Die Weltpremiere des herausragenden Musicals „Zeppelin“ wurde pandemisch bedingt zweimal verschoben. Nun erstrahlt es in voller Gänze im Festspielhaus Neuschwanstein in Füssen. Das Werk von Ralph Siegel überzeugt durch amerikanische Musical-Einflüsse, verbunden mit europäischer Romanik, Wiener Schmäh und geschichtlichen Ereignissen, ein sehr sehenswerter historischer Rückblick von 1848 bis 1937, wobei die letzte Fahrt der Hindenburg nur die thematische Kulisse und nicht die Hauptgeschichte ist. Ein Bericht von der sehr guten Generalprobe.

Schon Besetzung ist ein Schaulaufen der Stars. Uwe Kröger, Patrick Stanke, Sandy Möllings, Sigmar Solbach, Jörg-Tim Wilhelm, Josefien Kleverlaaan, Kristin Backes, Stefanie Kock, Claus Kupreit, Chris Murray, oder z.B. Alexander Kerbst stehen neben Stefanie Göhring, verantwortlich für Choreografie und die künstlerische Produktionsleitung, auf der Bühne. Nicht zu vergessen sind die Kinder, die bravurös ihre Rollen spielen. Die Auswahl der Darsteller ist ein großes Zückerchen. Regie führte Benjamin Sahler. Selbstverständlich wird die Musik an jedem Abend live von einem Orchester dargeboten.

An der Geschichte haben Ralph Siegel und Hans Dieter Schreeb gemeinsam gearbeitet. Die Gewichtung zwischen Sprech- und Gesangsdarbietungen ist sehr ausgewogen. 35 Songs gibt es in zwei Akten, wobei „Die Hindenburg“ ein richtiger Ohrwurm ist. Bei allen hatte der Meister persönlich seine Finger im Spiel, teilweise unterstützt durch Bernd Meinunger. Die musikalische Heranführung an das Drama ist absolut gelungen, weil die Mischung passt. Im Berliner Cabaret vergnügen sich die Künstler und Besucher in den 30er Jahren, ehe die Nationalsozialisten ihnen das Licht ausknipsen. Dieses Musicalthema ist nicht neu, aber immer wieder gut und ein stets wiederkehrender Aspekt in diesem Musical. Egal ob die schwungvollen Tänzerinnen in Berlin oder Wiener Klänge auf der Hindenburg, ein Nazi verdirbt mit seinem Dummschädel immer wieder die Stimmung. Zwischendurch gibt es große Gefühle, tragische Momente, politische Flucht, das pralle Leben, Phantasien und Rückschläge, technische Träumereien, einen dementem König Karl, Ehekrisen, Ängste, Kriegszustände sowie eine ungewisse Zukunft voller Hoffnung.

Das Drama nimmt ungehindert seinen Lauf. Alle beginnt mit dem 10. Geburtstag von Graf Zeppelin. Er bekommt bei einem Besuch in einer Seidenfärberei die sehr schlechten Arbeitsbedingungen mit. Eine Revolution deutet sich an. Der Musical-Blockbuster nimmt Fahrt auf. Es folgen immer wieder Zeitsprünge zurück in den amerikanischen Bürgerkrieg oder an erste Träumereien, mit einem Ballon abzuheben. Erste Versuche und ein Absturz sind unvermeidlich. Zweifel kommen bei Graf Zeppelin auf, ob sein Projekt jemals erfolgreich sein wird. Er bekommt Unterstützung, ehe er als Bettler, Held und König der Luftfahrt am 8. März 1917 stirbt. Das Feuerinferno von Lake Hurst bekam er nicht mehr mit.

Hervorragend gelungen sind die Kostüme und das Bühnenbild. Die große Drehbühne ist ideal für dieses Musical mit riesigen Bühnenelementen, wie z.B. dem Bug der „Hindenburg“. Er ist das prägende Bild der Inszenierung. Die kleine „Hindenburg“ schwebt sogar über den Köpfen des Publikums. Zwischendurch geht Graf Zeppelin als Gesandter des König Karl auf Weltreise. Auch das wird eindrucksvoll dargestellt, wie auch der unvermeidliche Untergang, dessen Gründe bis heute nicht aufgeklärt sind.

Diese Inszenierung vereint alle Elemente, die ein ganz besonderes Musical haben sollte. Ralph Siegel und seine Crew strahlten und zeigten sich sehr zufrieden mit dem letzten Durchlauf vor der Premiere. Dieses Musical ist für ihn eine große Herzensangelegenheit, was man in jedem Detail merkte. Freunde und Verwandte der Mitwirkenden durften einen ersten Blick erhaschen und waren begeistert. Die knapp vier Stunden wirkten extrem kurzweilig und unterhaltsam. Dieses phantastische Musical hat locker das Zeug für viele eventuell weitere Stationen in Deutschland, in Europa oder sogar am Broadway.

Übrigens, schöner kann man ein einen Ort für ein Theater wahrscheinlich nicht wählen. Schreitet man nach draußen, so betritt man eine erhöhte Terrasse sowie einen Barockgarten mit Springbrunnen. Davor erstreckt sich der Forggensee mit seinem Alpenpanorama und den verschneiten Bergspitzen. Gegenüber erhebt sich Ludwigs Märchenschloss auf einem Hügel. Als Pausenschmankerl spiegelt sich Schloss Neuschwanstein illuminiert im nächtlich-dunklen See, darüber der Mond. Zu einem besonderen Musical gehören manchmal auch solche Momente.

(Text: Jan Becker)

Datum: 15. Oktober 2021

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