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Schauspiel 'Woyzeck' im Theater Oberhausen
Mit „Woyzeck“ von Georg Büchner hat das Theater Oberhausen ein sehr stimmiges Stück auf die Bühne gebracht, das szenisch überzeugt und dabei noch immer aktuelle Tendenzen in der Gesellschaft aufgreift. Regie führte Pia Richter.

Der Stoff ist häufig und gut bekannt. Es geht um Woyzeck (Daniel Rothaug) seine Geliebte Marie (Simin Soraya). Der Stoff beruht aus wahren Gegebenheiten aus dem Jahre 1821. Der wahre Woyzeck wird nach seiner tat später hingerichtet, das Schicksal der Bühnenfigur bleibt offen. Wie immer stellt sich die Frage, ob er Opfer einer empathielosen Gesellschaft wurde oder als Täter oder gar als Mörder einzustufen ist. Auch in Oberhausen wird dieses Frage nicht wirklich beantwortet.

Die Szenerie ist von Anfang an klar und eindeutig. Das Bühnenbild zeigt eine Hausruine mit einer sandigen Grube, ein treffendes Abbild der Gesellschaft damals wie heute. Man stünde nicht oben, wenn es nicht auch Tagelöhner geben würde, die man entsprechend mies zu behandeln hat. Daniel Rothaug als Woyzeck wird schnell entsprechend eingestuft, unten in der Grube und anfangs teils im Adamskostüm. Ob eine Lulu oder ein Woyzeck, die gesellschaftliche Stellung ist eindeutig.

Es geht jedoch nicht nur um Woyzeck, auch um Marie und die Rolle der Frau. Der Femizid ist ein oft wenig beachtetes Problem unserer Gesellschaft. Marie ist in dieser Inszenierung immer auf der Bühne anwesend. Wie entwickelt sich ein ein Mord an einer Geliebten? Stück für Stück wird es so erfahrbar und deutlich. Unterdrückung, ein besser gestellter Liebhaber, Eifersucht, der Erwerb eines Messers und die Tat sind eine logische Entwicklung. Wurde Woyzeck von seinem Vorgesetzten, der Ärztin (Regina Leeders) oder den Leuten zur Tat getrieben? Hatte er gar keine andere Wahl? Die Abwärtsspirale wird Schritt für Schritt sehr gut und bodenständig inszeniert. Überdreht oder schrill wirkt die Handlung nie. Die Personen bleiben die, die Büchner wohl auch so abgebildet hat, niemals überzeichnet.

Das Bühnenbild ermöglicht durch seine Ebenen ganz hervorragend die Darstellung der gesellschaftlichen Stellung. Oben stehen die Leute, darunter auch die Ärztin, die Woyzeck immer wieder nachdrücklich an seine Erbsenkost erinnert. Der Hauptmann (Klaus Zwick) weiß, wie er seinen Soldaten klein hält. Schließlich wirbt der Tambourmajor (Elias Baumann) von oben um Marie und versucht ihr den Kopf zu verdrehen. Andres (Franziska Roth) komplettiert den Chor der Leute sehr gut. Woyzeck muss wahnsinnig werden. Er hat kaum eine Wahl. Besser hatte man die Szenerie für einen „Woyzeck“ kaum gestalten können.

Schauspielerisch zeigt das Ensemble wieder mal, wie gut es sich unter der neuen Intendanz entwickelt hat. Klaus Zwick wird viel mehr wertgeschätzt und hat nun auch die passenden Rollen, die der als guter Schauspieler verdient. Regina Leeders überzeugt sehr als Ärztin. Simin Soraya und Daniel Rothaug haben durch ihre ständige Präsenz keine einfachen Rollen, lösen das aber sehr gut. Bleiben noch zwei „Leute“, also eigentlich eher Nebenrollen. Elias Baumann weiß aber sehr passend einen Verführer zu mimen und Franziska Roth brilliert regelrecht in ihrer Rolle. Selbst teilweise ohne eine Sprechrolle schafft sie es durch eine ausgezeichnete Körpersprache und Mimik eine überragende Ausstrahlung auf die Bühne zu bringen. Dass sie außerdem extrem musikalisch ist, weiß man mittlerweile. Auch Nebenrollen können manchmal fast zu Hauptrollen werden, wenn man das außergewöhnliche Talent dazu hat. Mit ihr hat das Theater Oberhausen eine noch junge, aber große und spannende Persönlichkeit für sich gewinnen können.

Datum: 4. Dezember 2022

theater-oberhausen.de