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Vortrag von Professor Ernst Ulrich von Weizsäcker um Thema 'Wie können wir guten Klimaschutz mit hohem Wohlstand kombinieren?' im Gasometer Oberhausen
Die Reihe der aktuellen Umweltthemen im Gasometer Oberhausen setzte der deutsche Umweltwissenschaftler Professor Ernst Ulrich von Weizsäcker fort. „Wie können wir guten Klimaschutz mit hohem Wohlstand kombinieren?“, lautete das Thema.

Professor Ernst Ulrich von Weizsäcker (geb. 1939) saß in der Ära Schröder für die SPD im Bundestag und ist Ehrenmitglied im Club of Rome. Er dozierte u. a. in Kalifornien, aktuell in Freiburg. Noch immer ist er international gut vernetzt. Lassen sich nun Klimaschutz und Wohlstand kombinieren? Seine erste Antwort war „Nein“. In der Folge versuchte er diese Frage trotzdem noch mit „Ja“ zu beantworten und präsentierte seine eigene These.

Der Umweltwissenschaftler Ernst Ulrich von Weizsäcker ist gegen billige Energie, denn diese verleitet zu vermehrtem Energieverbrauch, wie auch die Energierabatte der Ampel in Berlin, die er mächtig kritisierte. Stattdessen möchte er die Recoursen- und Energieeffizienz um den Faktor fünf optimieren. Wir gehen zu fahrlässig damit um, so seine These. Er selbst wohnt in einem Passivhaus mit einer zehnfach besseren Energieeffizienz gegenüber einem anderen Bautyp. Er hob hervor, dass Photovoltaik in den letzten 30 Jahren etwa 300fach billiger geworden ist. Mit grünem Strom könnte man grünen Wasserstoff erzeugen, der wiederum mit schädlichem Kohlendioxid zu Methanol reagiert. Damit lassen sich Verbrennungsmotoren betrieben. Für Schwellen- oder Entwicklungsländer wäre das eine geeignete Antriebsart für Kraftfahrzeuge. Ob die Mehrheit der Menschen in Deutschland sich aber ein E-Auto leisten kann, wie er behauptet, das darf bezweifelt werden, bei den viel zu hohen Anschaffungspreisen. 1,2 Mrd. Verbrenner-Fahrzeuge weltweit auf Methanol-Antrieb umzustellen, dürfte ebenfalls einer Herkules-Aufgabe nahe kommen. Er erwähnte, dass in Schweden Stahlwerke mit grünem Wasserstoff betrieben werden. Da sitzt man auch direkt an der Quelle. Ob das auch am Stahlstandort Duisburg machbar ist, das steht in den Sternen.

Ein wichtiger Punkt für ihn ist die Kreislaufwirtschaft. Die Quote liegt weltweit bei unter 9%, bei seltenen Metallen sogar unter 1%. Er fordert, dass Produkte so hergestellt werden sollen, dass man sie später leicht in ihre chemischen Bestandteile zerlegen kann. Auch diese These lässt sich diskutieren. Billigökonomie und die allseits beliebte Wegwerf-Wirtschaft mag er gar nicht. Selbst die Nachhaltigkeitsagenda der UN hält er nur in drei Punkten für nachhaltig. Der Rest der Punkte ist auf Wachstum basierend, das wiederum vielfach die Umwelt belastet.

Wichtig ist für ihn jedoch, die Entwicklungsländer mit ins Boot zu holen, also mehr als 50% der Weltbevölkerung. Diese wollen natürlich einen ähnlichen Wohlstand erlangen wie wir und streben nach Wachstum. Man solle ihnen alternative Angebote machen und mit steuerlichen Regelungen arbeiten. Klingt alles etwas zu kompliziert und politisch kaum vermittelbar.

Um diese Veränderungen durchzusetzen müsste seiner Meinung eine neue Aufklärung her. Hierfür hat er 100 Beispiele für Balance-Verhältnisse in seinem seinem Buch ausgearbeitet. Im Vortrag wurde es in diesem Teil, anhand von ein paar Beispielen, recht philosophisch.

Insgesamt vermittelte Professor Ernst Ulrich von Weizsäcker im Gasometer Oberhausen einige Denkanregungen, die allerdings in ihrer realen Umsetzung nur schwerlich möglich zu sein scheinen. Teilweise waren es sehr komplexe Ideen, die der breiten Bevölkerung kaum zu vermitteln sind, wenn man an aktuell teure Energie, hohe Lebensmittelpreise und millionenfach zu geringe Löhne denkt. In der abschließenden Fragerunde wünschte er sich kritische Fragen, die auch prompt gestellt wurden. Es wurde klar, dass wir uns mit einem Thema auseinandersetzen müssen, wofür es keine klare Lösung gibt und zusätzlich die Zeit drängt. Selbst als erfahrener Professor mit einem großen Namen angelt man diesbezüglich in einem trüben Teich, ohne Garantie auf einen großen Fang.

Datum: 24. August 2022

www.gasometer.de