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Ausstellung 'Fotografie in der Weimarer Republik' im LVR-Industriemuseum Oberhausen / Peter-Behrens-Bau
Mit der sehr interessanten Ausstellung „Fotografie in der Weimarer Republik“ blickt der LVR im Peter-Behrens-Bau in Oberhausen zurück in eine Zeit, die für Aufbruch und Niedergang geprägt war. Die Fotos sind Ausdruck einer wilden Zeit zwischen zwei Weltkriegen.

Als 1918 das Kaiserreich endete und die Republik ausgerufen wurde waren schnell diverse Veränderungen spürbar. Die Matrosen verweigerten den Dienst. Es kam zu Konflikten mit den Kriegsgewinnern wegen der Reparationen, zu Unruhen und einer aufschäumenden Stimmung im Land. Frankreich besetzte das Ruhrgebiet. Barrikaden und Waffen sorgten für Straßenkämpfe. Politische Morde, z.B. an Rosa Luxemburg oder Karl Liebknecht, waren nicht selten. Wohnungen waren knapp, wie auch Lebensmittel. Die Inflation trieb wahre Blüten, was dazu führte, dass Bettler zum Stadtbild gehörten. Der Krieg war zu Ende, aber von Ruhe konnte man ganz sicher nicht sprechen.

Trotzdem war es eine Zeit des Aufbruchs. Das Tanzverbot wurde Silvester 1918 aufgehoben, was ordentlich ausgelebt wurde. Der Charleston wurde zum Modetanz. Es kamen schnell Stars der Tanzszene hervor. Frauen entdeckten ein selbstbestimmtes Lebensgefühl, präsentiert durch berufliche Tätigkeiten und Mode. Technische Entwicklungen wurden populär, wie der Zeppelin oder die Glühlampe. Die Technisierung ging aber auch einher mit der Ausbeutung der Arbeitskraft. Arbeiter entdeckten die Fotografie und dokumentierten ihre betriebliche Welt. Es gab Ausstellungen der Arbeiterfotografie.

Fotografisch entwickelte sich ein neues Sehen. Gegenstände des Alltags wurden in ein neues Licht gerückt. Schatten, Bäume, Werkzeuge oder Architektur bekam einen anderen Blickwinkel. So wurden aus Tänzern oder Schauspieler plötzlich Stars, die jeder kannte. Man nutzte das Medium zum Dokumentieren und Manipulieren und man entdeckte, dass durch Fotografie Meinungsbildung gefördert und sein eigenes Ich betont werden kann. Politiker oder Künstler, wie Otto Dix oder Josephine Baker, zeigten sich sehr aufgeschlossen. Die Portraits wandelten sich. Politisch schlugen besonders die aufkommenden Nationalsozialisten Kapital, insbesondere als die Inflation auf den Straßen optisch ihre Spuren hinterließ und Armut sichtbar wurde. Sportlich wurden durch die Fotografie Tennis, Polo, Bahnradfahren oder Eiskunstlaufen populär.

Es waren allerdings nicht nur die Abgebildeten, die Ruhm ernteten, sondern auch die Fotografen selbst. Leute wie Friedrich Seidensticker, Man Ray, August Sander, Yva, Anton Stankowski, Erich Salomon oder Albert Renger-Patzsch machten sich einen großen Namen, wurden zu Stars hinter der Kamera. In acht Kapiteln zeigt die Ausstellung sehr schön welche Einflüsse die Fotografie in der Weimarer Republik hatte. Im Hirmer Verlag ist das ebenfalls sehr lesenswerte Ausstellungsbuch erschienen, das vor Ort zu erwerben ist.

Laufzeit: 25. Januar bis 29. Mai 2022

www.ludwiggalerie.de