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Schauspiel 'We are 22 oder Tanz auf dem Vulkan' im Schauspiel Duisburg
Das Schauspiel Duisburg zeigt die sehr gute Eigenproduktion „We are 22 oder Tanz auf dem Vulkan“, engagiert und frisch gespielt von Spieltrieb, dem Jugendclub im Theater Duisburg.

Sie sind zwölf Jugendliche oder junge Erwachsene, alle zwischen 17 und 22 Jahren jung und von allen Seiten mit dem wahren Leben konfrontiert. Fragen über Fragen. Wer bin ich? Was will ich? Was läuft bei mit schief? Wo geht die Reise für mich hin und in was für einer Welt bin ich gezwungen zu existieren? Es ist eine Welt voller Probleme, hinterlassen von vorherigen Generationen. Sie reflektieren sich selbst und beobachten ihre Umwelt sehr kritisch, sind laut. Der erste Teil ist eine Selbstbeschreibung vor einem geistigen Spiegel. Warum reden sie nur so vulgär und verletzend miteinander? Sie empfinden sich als gefühlslos und hart, der wahren Liebe oft nicht fähig. Gegen eine Karriere haben sie nichts, aber bitte nicht zu viel arbeiten und bloß keinen Burn out, wie ihre Eltern. Trotzdem kämpfen sie immer häufiger mit Depressionen, was in einer familiären Gesprächsrunde als Thema gerne umgangen wird. Mit dem Handy und den sozialen Medien sind sie verwachsen, sehen darin aber auch Fluch und Segen. Soll man wirklich Instagram, Twitter oder Tinder als App löschen, um Hasskommentare, figürliche Bemerkungen, sexistische Beleidigungen oder digitalen Schönheitswahn abzuschalten? Ihren Eltern raten auf jeden Fall von dieser Art der Kommunikation Abstand zu nehmen, viel zu peinlich.

Szenisch werden diverse Probleme in Dialogen, gespielten Diskussionsrunden oder als Monolog ans Publikum aufgegriffen. Selbst einen typischen Catwalk stellen sie ironisch überzeichnet dar. Schönheit siegt in dieser Gesellschaft, zu viele Pfunde machen einen zum Loser, zum Opfer. Sie berichten von ihrer Unsicherheit und ihren Wünschen. Welche Form der Liebe stellen sie sich vor, vielleicht monogam oder nach allen Seiten offen? Werden sie überhaupt geliebt werden, eine Familie gründen können oder wollen? Dieses Alter wirft grundsätzlich schon 1.000 Fragen auf, die 1.000 Antworten bedürfen. So ist ihr Leben purer Stress.

Natürlich wird ein Thema nicht ausgeklammert. In den Nachrichten hört man ständig von jungen Klimaaktivisten, die laut aufschreien. Auch sie fragen sich, wie sie ihr Leben und das ihrer Kinder in der Zukunft meistern sollen. Dürren, Starkregen, ein steigender Meeresspiegel und der weiße, alte Mann als Synonym für die vielen Verursacher der Vergangenheit kommen zur Sprache. Als Unschuldige fühlen sie sich ohnmächtig, haben nichts zu sagen. Selbst Klimastreiks bleiben ohne Wirkung. Sollen sie überhaupt noch demonstrieren? Etwas sarkastisch nehmen sie die Last der Probleme auf ihre Schultern und reden davon, das doch alles gut werden wird.

Dieses Stück ist eine Revue, teilweise geschickt angelehnt an die 1920er Jahre, ein Psychogramm der Generation Z, die aktuell und in Zukunft mit vielen Problemen fertig werden muss. Sie mahnen, fragen, diskutieren, singen und tanzen. Langweilig ist diese Inszenierung von Katharina Böhrke nie. Die jungen Leute im Publikum reflektieren sich selbst, während die Ü30-Menschen einen Einblick in ihnen fremde Gedankenwelten erhalten.

Datum: 14. November 2022

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