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Schauspiel 'Die unendliche Geschichte' im Schauspielhaus Bochum
Mit dem Familienstück „Die unendliche Geschichte“ nach Michael Ende bringt das Schauspielhaus Bochum eine Inszenierung auf die Bühne, die rührt, die berührt und verzaubert. Es ist bunt, einfühlsam und voller Fantasie, einfach genial inszeniert. Es sind wundervolle Momente für Groß und Klein. Regie führte Liesbeth Coltof aus den Niederlanden.

Was für einen enormen Aufwand hat man in Bochum getrieben, um diesen bekannten und spannenden Stoff auf die Bühne zu bringen. Unübersehbar sind die wundervollen Kostüme, kreiert von der erfahrenen Niederländerin Charly Everaert. Mit einer unfassbaren Fantasie und viel Liebe zum Detail wurden all die vielen Figuren ausstaffiert. Die Garderobe dieses Stücks alleine wäre sicher eine eigene Ausstellung wert. Jedes Kostüm ist ein wahres Kunstwerk.

Die Kooperation mit den Kreativen aus dem Nachbarland setzt sich fort. Intendant Johan Simons scheint in seinem Heimatland ausgezeichnet vernetzt zu sein. Das brillante Bühnenbild stammt von Rieks Swarte. Wie viele einzelne Vorhänge mussten dafür vorbereitet werden. Das gilt ebenfalls für die grafischen Animationen. Vom finsteren Wald, über dunkle Wolken, bis hin zu einer farbigen Wüste ist alles klasse wiedergegeben, ohne zu bunt oder kitschig zu wirken. Schnelle Wechsel führen in die nächste Szene. Sie zeichnet auch verantwortlich für das in einer Szene auftretende Puppenspiel, was auch Erwachsene köstlich amüsiert.

Was wären Kostüme und Bühnenbilder ohne die SchauspielerInnen. Mit Marius Huth, Dominik Dos-Reis und Veronika Nickl stammen lediglich drei aus dem eigenen Ensemble, das an sich schon großartig besetzt ist und auch hier seine exzellenten Qualitäten beweist. Es mischt sich bei dieser Produktion mit vier hervorragenden KollegInnen aus den Niederlanden, die alle sehr gut Deutsch sprechen. Ihr ganz kleiner Akzent wirkt sympathisch charmant. Als Basma Blix Balthasar glänzt Carmen van Mulier. Sowohl als gepeinigtes Mädchen, wie auch als Möchtegern-Herrscherin macht sie eine ausgezeichnete Figur und als nebenbei aktive Musikerin liegt bei ihr guter Gesang nicht fern. Victor Ijdens ist nicht nur groß gewachsen, sondern verkörpert auch immer eine gewisse Portion Humor, ob als Artax oder Held Hynreck. Als Senior ist Leòn Ali Çifteci mit dabei. Man merkt ihm die jahrelange TV- und Bühnenerfahrung im Nachbarland deutlich an. Herrlich, wie er stets den Schalk im Nacken hat. Die Rolle des Atréju spielt wunderbar Rahel Johanna Jankowski, ausnahmsweise mal eine deutsche Gastschauspielerin. Eigentlich studiert sie noch Schauspiel an der Hochschule der Künste in Bern, darf im renommierten Schauspielhaus Bochum aber trotzdem eine tragende Rolle mimen. Selbst gesanglich kann sie überzeugen. Zur außerordentlichen Besetzung kommen noch die Musik und die Percussion. Ganz unauffällig am Rande der Bühne sorgt der niederländische Musiker Jimmi Hueting für die ausgezeichneten Live-Töne, die die jeweilige Stimmung auf der Bühne unterstützen.

Hier und da wird es für die Figuren brenzlich. Sie werden von bösen Gestalten bedroht, doch wirklich Angst muss hier kein Kind haben. Der riesige Wächter ist zwar groß, aber auch tollpatschig, keine echte Bedrohung. Die drohenden Situationen werden schnell wieder aufgelöst. Immer wieder erscheint ein Wesen aus der Welt der Fantasie, das den Akteuren mit Tipps zu Hilfe eilt. So hat auch Basma Blix Balthasar am Ende noch einen letzten Ausweg, um sich Liebe zu wünschen und durch das Wassertor zu ihrem Papa in die reale Welt zurückzukehren. Da fließt es dann, das Wasser des Lebens, in Form von Freudentränen. Schöner kann dieser Abend nicht enden.

Wenn Johan ruft, dann kommt die kreative Elite seines Heimatlandes gerne nach Bochum, um ein Masterpiece der Schauspielkunst auf die Bühne zu zaubern. Von der Redaktion gibt es natürlich die volle Punktzahl und noch einige Glitzersternchen extra obendrauf.

Datum: 20. November 2021

www.schauspielhausbochum.de