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Führung im Theater Duisburg zum 'Tag des offenen Denkmal' 2022


Zum „Tag des offenen Denkmal“ lud das Theater Duisburg zu einer Führung vor und tief hinter die Kulissen ein. Der glänzende Schein auf der Bühne ist im Hinterhaus harte Arbeit.

Stephan Brinkmann, ein leitender Mitarbeiter am Theater, nahm sich die Zeit, rund 20 interessierte Gäste durch das Theater Duisburg zu führen, darunter auch auch Familien. Die verborgenen Gänge im Keller oder unter dem Dach sowie die vielen fantasievollen Requisiten sprechen auch Kinder und Jugendliche an. Er selbst war hier tatsächlich mal Nachtwächter, ein anstrengender Marathonjob, der jeden Tag abends mindestens zwei Stunden dauert.

1912 wurde der Theaterbau im historisierenden Stil vom Architekten Martin Dülfer nach nur 18 Monaten Bauzeit fertiggestellt. Die wachsende Großstadt Duisburg brauchte eine kulturelle Mitte. Das Theater in Detmold sieht übrigens ganz ähnlich aus. An Weihnachten 1942 schlug eine Bombe mitten im Theatersaal ein. Das Portal mit dem Foyer blieb erhalten. Das Haus wurde im Stil der 50er Jahre wieder aufgebaut, 1970 und 1999 etwas modernisiert. Nachdem vor zwölf Jahren ein Brocken aus dem Dach auf die Bühne fiel, weiß man, dass eine Dachsanierung nötig sein wird. Man ist in der Planung, kennt die Kosten aber noch nicht. Erst 2019 musste man die Wasserschäden durch eine Fehlfunktion der Sprinkleranlage in kürzester Zeit sanieren. Das Wasser lief bis in die tiefsten Keller. Es ist ein altes Haus. Man ist Leid gewohnt. Auch die vielen einfach verglasten Fenster und die nicht vorhandene Barrierefreiheit sind weitere Probleme. Selbst die Türen zum Saal sind nicht schallisoliert. Dafür ist das Bühnenportal um 2 m größer als im Schwesterhaus in Düsseldorf. Darauf ist man stolz. Der eiserne Vorhang trennt innerhalb von 30 Sekunden das Vorder- vom Hinterhaus. Einen Brand auf der Bühne kann man so 30 Minuten im Zuschauersaal aushalten.

Der Weg führte ins Foyer, in den Saal und anschließend durch eine Geheimtür ins Hinterhaus, vom Keller bis unter das Dach. Der schöne Schein der 50er ist hier eher ganz nüchtern. Hier wird gearbeitet. Die Garderobe für die TänzerInnen und die Statisterie wirkt eher gedrungen. Im wuseligen Abendbetrieb wird es eng. Weiter zur Unterbühne, die mit Gittern gesichert ist. Hier herrscht die höchste Sicherheitsstufe. Der Lastenaufzug ist zwar schon groß bemessen, aber ein Auto als Bühnenrequisite muss man dort kippen. Nicht weit weg ist der schmale und spartanische Gang der Souffleuse zu ihrem Arbeitsplatz. Platzangst darf man hier nicht haben. Die nahe Garderobe des Damenchors ist ein Juwel der 50er Jahre. Hier hat sich seit etwa 70 Jahren kaum etwas verändert. Die Seifenspender an den Wachbecken sich echte Raritäten und Stilikonen ihrer Zeit. Der Blick in den Kostümfundes lässt die Arbeit der Gewandmeister erahnen. Nicht nur hier fehlt es an Personal. Der Sparzwang hat dazu geführt, dass man im Theater nicht mehr ausgebildet hat. Handwerker, Hutmacher usw. fehlen nun an allen Ecken und Enden.

Ganz oben unter dem Dach befindet sich der ehemalige Malersaal. 1912 hatte er sogar ein Glasdach, was in ganz Deutschland bewundert wurde. Man hatte Tageslicht. Nach dem Wiederaufbau verschwand das Glasdach. Heute dient der Raum als Zwischenlager und gelegentlich als Werkstatt für Schlosser und Schreiner. Der Abschluss der Führung fand im Bühnenbereich statt. Die Galerie umfasst über 1.000 Scheinwerfer, darunter auch ferngesteuerte. Die Züge im 30 m hohen Bühnenturm sind alle elektrisch. Der Vorhang ist auch manuell zu öffnen oder zu schließen, beim Zuruf „Porsche“ besonders zügig. Zwei Seitenbühnen sind Abstellort für benötigte Kulissen. Wichtig ist das Inspizientenpult, über das die Bühnenorganisation läuft, diverse Lichtzeichen inklusive. Ein Inspizient muss auch Noten lesen können, um zu wissen, was wann passieren muss. Er oder sie ist quasi der Pilot einer Aufführung.

Es war ein sehr spannender Rundgang durch ein alt-ehrwürdiges Theatergebäude, welches vor den Kulissen Glanz versprüht und dahinter Arbeit lebt. Dieses Haus könnte so viele erlebte Geschichten erzählen.

Datum: 11. September 2022

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