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Ballett Gala des Deutschen Tanzpreis 2021 im Aalto Theater Essen
Wie jedes Jahr fand auch 2021 die Ballett Gala zum Deutschen Tanzpreis im Aalto Theater statt. Zu Gast waren echte Legenden und mögliche Stars der Zukunft geladen. Sehr sympathisch führte die WDR-Moderatorin Siham El-Maimouni durch den Abend.

Der Deutsche Tanzpreis 2021 ging an Heide-Marie Härtel. Je eine Ehrung erhielten Ursula Borrmann, Claire Cunningham und Adil Laraki. Alle drei sind außergewöhnliche Persönlichkeiten der Tanzszene und absolut würdige PreisträgerInnen. Eine neunköpfige Jury traf diese besondere Auswahl.

Mit der 71 jährigen Heide-Marie Härtel wählte man eine ehemalige Tänzerin, die schon früh einen neuen Weg eingeschlagen hat. Sie beendete ihre Tanzkarriere, um sich der filmischen Archivierung zu widmen. Choreografien sind flüchtige Kunstwerke, teilweise von hohem, künstlerischen Rang. Sie hütet am Deutschen Tanzfilminstitut in Bremen einen echten Schatz. 40.000 Medieneinheiten liegen dort gut archiviert. Filme von Inszenierungen seit den 1960er Jahren, aus Deutschland und der Welt, sind ein wichtiger historischer Beitrag zur Tanzgeschichte. Sie und ihr Team haben sie gesammelt, selbst mitgeschnitten und alle Mitschnitte digitalisiert. Alleine die Gala zum Deutschen Tanzpreis hat sie bereits 22 Mal filmisch archiviert. Es ist ihr Lebenswerk, das sie nun gerne in jüngere Hände gibt. Die große Ehrung rührte sie während ihrer Ansprache sehr. Ihr zu Ehren betrat die große Susanne Linke (77) die Bühne für ein Prélude von Chopin. Selbst im hohen Alter kann man sehr beweglich sein.

Ursula Borrmann (geb. 1937) ist mit ihren gut 80 Jahren eine Legende der Tanzpädagogik. In jungen Jahren wurde von der DDR für ein Studienprojekt in St. Petersburg ausgewählt. Sie sollte die russische Tanzphilosophie erfahren und in der DDR praktisch anwenden. Die Liebe und die Flucht in den Westen führte sie jedoch nach Köln. Bundesweit widmet sie sich in privaten Ballettschulen dem Nachwuchs. Sie sollen in jungen Jahren nicht so sehr gequält werden, um als Folge früh die Lust zu verlieren. Spitzentanz gehört zur Ausbildung dazu, aber bitte nach ihrer eigenen Methode. Der Nachwuchs soll mit Spaß seinem Hobby nachgehen können, um später an staatlichen Tanzakademien die Profilaufbahn einzuschlagen. Auch sie gibt ihr Erbe nun in jüngere Hände.

Claire Cunningham (geb. 1977) ist gebürtige Schottin. Bereits früh in ihrem Leben musste sie auf Krücken laufen. Das jedoch stand ihrem starken Willen und ihrem künstlerischem Ausdruck nicht im Wege. Ihre Choreografien mit zwei Krücken haben ein Alleinstellungsmerkmal in der Szene. Mit vier Beinen tanzt es sich eben etwas anders. Für sie geht nicht um die Frage, was man als gehandicapte Person nicht kann, sondern was man kann. Die filmische Dokumentation ihrer Arbeiten war eindrucksvoll. Sie ist eine Mutmacherin für andere Menschen mit körperlichen Einschränkungen. Selbstbewusst definiert sie den Bühnentanz neu.

Der Marokkaner Adil Laraki (geb. 1963) war bis 1994 Tänzer im Ensemble des Aalto Theaters. Schon früh setzte er sich für bessere Arbeitsbedingen in der Szene ein. Oftmals ist z.B. die Entlohnung nicht ausreichend. Eine Tanzkarriere ist zeitlich begrenzt. Tritt man ab, sollte man ein finanzielles Polster haben. Es geht um neue Verträge, die ausgehandelt werden und all die Dinge drumherum. Er ist der Fachmann und Ratgeber für bundesweit aktive TänzerInnen. Gibt es Probleme, so ruft man ihn an.

Dieser Abend war wirklich sehr beachtenswert, auch was die Darbietungen betraf. Ksenia Ovsyanick, erste Solotänzerin am Staatsballett Berlin, tanzte eindrucksvoll das „Solo mit Sofa“, eine bedeutende Choreografie (1976) von Reinhild Hoffmann, die extra neu einstudiert wurde, mit dem originalen Sofa. Reinhild Hoffmann dankte ihr für die überzeugende Darbietung persönlich auf der Bühne. Miriam Kacerowa und Roman Novitzky vom Stuttgarter Staatsballett schwebten mit einem Ausschnitt von „Onegin“ von John Cranko wunderschön über die Bühne. Ebenso sehenswert zeigte ein 13köpfiges Ensemble des Aalto Ballett „Many a Moon“ von Armen Hakobyan. So richtig Feuer im Hintern hatten die 16 jungen TänzerInnen aus dem Folkwang Tanzstudio aus Essen. Lustvoll, dynamisch und gekonnt durften sie mit der Choero „Auftaucher“ von Henrietta Horn die große Aalto Bühne rocken, begleitet von volkstümlichen Balkanklängen. Was für ein prächtiges Finale eines eindrucksvollen Abends.

Datum: 23. Oktober 2021

www.deutschertanzpreis.de