abenteuer-ruhrpott.info Aktuelles abenteuer-ruhrpott.info
Freizeittipps
Veranstaltungen
Ausstellungen
Bücher / Musik
Kontakt
Impressum
Nederlands Dans Theater im Schauspielhaus Bochum
Einen hochklassigen Tanzabend erlebte das Schauspielhaus Bochum mit einem Gastspiel des Nederlands Dans Theater. Präsentiert wurden zwei sehr sehenswerte Choreografien von Marco Goecke und Johan Inger.

Was sonst ein stilvoller Tempel der hohen Schauspielkunst ist, eignet sich auch wunderbar als Bühne für zeitgenössischen Tanz. Das Nederlands Dans Theater aus Den Haag war mit zwei Kompanien vor Ort, den Nachwuchsstars (NDT2) und der ersten Garde (NDT1). Das Gezeigte war dem renommierten Haus sehr würdig.

An Anfang machten die jungen TänzerInnen, 18 an der Zahl. Was für eine Power steckt in diesen jungen, gut durchtrainierten Körpern. Ihre Kreation „Impasse“ von Johan Inger beschreibt die klaffende Lücke der Stagnation in unserer Gesellschaft. Die Welt, in der wir leben fühlt sich an wie etwas, das dadurch definiert ist, keinen Fortschritt zuzulassen. „Impasse“ beleuchtet dieses menschliche Grundgefühl als verursacht durch Gruppenzwang und den Verlust des Selbst, der durch die endlose Verführung der Ströme von „Neuheiten/Neu-sein“ entsteht. Das Stück problematisiert die Leichtigkeit, mit der jeder von uns dem folgt, was andere sagen, wodurch wir die Chance verlieren, in diesem Prozess zu wachsen und uns zu entwickeln. Können wir die Fähigkeit nähren, die Entwicklungen dieser Welt gemeinsam und im Ernst zu befragen, um die Fähigkeit zurück zu erlangen, sie uns anders vorzustellen? In schwarzen Unisex-Kostümen tauchen sie im fahlen Licht geschickt immer wieder auf und verschwinden wieder leise hinter dem dunklen Vorhang, ob als Solo, Duo, Trio oder Gruppe. Zwischendurch wird auch mal gerne laut gelacht oder hysterisch geschrien. Wie Maschinen im Gleichklang agieren sie unheimlich exakt und schnell. Es entwickeln sich tolle Gruppenbilder, während auch die einzelnen TänzerInnen voll überzeugen. Beeindruckend!

Die Latte für die erste Garde lag also hoch. In „The big crying“ von Marco Guecke kam, neben der spürbaren Energie, jede Menge Poesie ins Spiel. Es ist ein Stück über Abschied und über alles, was wir verbrennen müssen, spricht von Körpern, die wie kaputte Motoren sind und von Kostümen, die an die Vorhänge eines Leichenwagens erinnern. Bei aller Vergänglichkeit bieten der Tanz und die Choreographie die Möglichkeit, die Freude am Leben darzustellen. Es ist ein sehr persönliches Stück von Marco Guecke, der kurz nach dem Tod seines Vaters 2020 daran arbeitete. Dabei sind die Kostüme sehr unterschiedlich gestaltet. Tauerndes Schwarz trifft auf einen Clown, Zirkusleute, eine Modeikone der 1920er oder allgemeine Märchenfiguren. Ist man in Trauer, so wird man vom bunten Volk auf den gefühlten Marktplatz eingeladen und mühelos integriert. Das Leben kann so schön sein. Musikalisch werden bekannte Songs sehr geschickt umarrangiert, mittels Klavierversionen mit weiblichem Gesang, z.B. „Blood Roses“ von Tori Amos. Auch diese Kreation der 19 TänzerInnen beeindruckt sehr.

Datum: 25. September 2021

www.schauspielhausbochum.de