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Ausstellung '40 Jahre - Die Nacht von Sevilla' im Deutschen Fussballmuseum in Dortmund
Im Deutschen Fußballmuseum in Dortmund feierten zahlreiche Ex-Stars der WM 1982 den 40. Jahrestag der legendären „Nacht von Sevilla“, das unvergessene WM-Halbfinale gegen Frankreich, welches die DFB-Elf im Elfmeterschießen für sich entscheiden konnte. Schumacher, Breitner, Magath oder Littbarski ließen es sich nicht nehmen, zur Ausstellungseröffnung zu kommen.

Es war ein ganz besonderes Spiel der deutschen Fußballgeschichte. Auf der einen Seite stand da Michel Platini mit seinen hochbegabten Mitspieler, auf der anderen Seite eine DFB-Elf, die mit extrem charakterstarken Typen besetzt war. Sie waren alle Leitwölfe in ihren Bundesligateams, in einer Zeit, als Profis noch mehr Spaß am Spiel hatten, als bei der Betrachtung des Kontostands. Littbarski sagte es in Dortmund deutlich. Er wollte Spaß haben und spielen. Die Taktik spielte da keine so große Rolle. So war er einer der besten Akteure des Spiels. Seinen Elfmeter hat er einfach reingehauen, ohne sich große Gedanken zu machen. Für ihn war es das wichtigste Spiel seiner Karriere, wichtiger als der WM-Titel 1990. Heute wünscht er sich mehr Persönlichkeiten auf dem Rasen.

Es war ein sehr außergewöhnliches Zusammentreffen, wie es vermutlich so nie mehr zustande kommen wird, ein Stück deutscher Fußballhistorie. Aus der Stammelf des Halbfinals waren Manfred Kaltz, Pierre Littbarski, Uli Stielike, Klaus Fischer, Toni Schumacher, Felix Magath und Paul Breitner angereist. Ebenfalls damals im Kader waren Wilfried Hannes und Hansi Müller. Hannes stand in Schatten von Kaltz, spielte keine einzige WM-Minute, und Müller war verletzt, spielte nur in zwei Partien mit. Ebenfalls anwesend war Gernot Rohr, ein französischer Trainer mit deutschen Wurzeln, der in Frankreich und als Nationaltrainer in Afrika Erfolge feierte. Er spielte mit Tigana und Giresse zusammen in Bordeaux und berichtete, dass es deutsche Profis nach Schumachers Aktion in Frankreich eine Zeit lang sehr schwer hatten. Für die Franzosen ist es bis heute ein schweres Trauma.

Die Ausstellung macht es noch einmal deutlich, wie emotionsgeladen dieses Spiel war. Der Zusammenprall zwischen Schumacher und Patrick Battiston war natürlich auch in Dortmund ein Thema. Es gibt viele Meinungen und Perspektiven, diesen Moment einzuordnen. Schumacher erzählte von Morddrohungen. Sein damals autogenes Training ermöglichte es ihm, ruhig zu bleiben. Das war früher allerdings noch geheim, denn Profis auf der Couch gab es nicht. Die 360°-Perspektive der Ausstellung beleuchtet das Spiel in Ausschnitten von beiden Seiten, mit deutschem (Rolf Kramer) und französischem Kommentar. Dazu findet man ein paar Exponate, wie einen Schuh von Klaus Fischer oder das Trikot von Toni Schumacher. Zahlreiche Bildschirme vermitteln den Besuchern ein fast authentisches Stadionerlebnis. Man ist mitten drin und spürt die Unterschiede zu heute. Es waren eben echte Charakterköpfe und Persönlichkeiten, keine millionenschweren Fußballbubis, die für ein paar mehr Euro gleich wieder den Arbeitgeber wechseln möchten und maximal bis zur 80 Minute kämpfen. Ohne den absoluten Willen, den 1:3-Rückstand in der Verlängerung noch zu drehen, hätten sie heute vielleicht nicht diesen Heldenstatus und der DFB kein zweites Jahrhundertspiel in seinen Analen.

Einer der besonders charismatisch ist, war auch da, Paul Breitner. Er hat heute Abstand zum FC Bayern. Auf die Frage nach der Wertigkeit der aktuellen deutschen Bundesliga schwieg er aber lieber, auch eine Antwort. Für Felix Magath war es sicher nicht das beste Spiel seiner Karriere. „Es war nicht mein Tag.“ Auch er war froh, die alten Kollegen nach vielen Jahren mal wiederzusehen. Die Chance seines HSV 2023 aufzusteigen beurteilte er eher sachlich. Der Verein hätte eine erneute Möglichkeit , evtl. aufzusteigen. Optimismus klingt anders. Uli Stielike verschoss einen Elfmeter und war damals untröstlich. Sollten die vier Jahre Vorbereitung alle für die Katz gewesen sein, nur wegen ihm? Nichts anderes ging ihm da durch den Kopf. Heute wohnt er in Spanien und hat keinen Kontakt mehr nach Gladbach. Die Chancen des DFB in Katar schätzt er hoch ein, ordnet das Team unter den Top 5 ein. Immerhin hat er auch mal vier Jahre in Katar trainiert. Klaus Fischer erzielte zwar das erlösende 3:3, ein Jahrhunderttor per Fallrückzieher, war aber froh, dass er im Elfmeterschießen 1982 keinen schießen musste. Bei nur drei Elfern musste er in seiner Karriere antreten. Es war nicht sein Ding, wogegen er einen Fallrückzieher für die einfachste Sache der Welt hält. Aktiv am Ball ist übrigens keiner der Akteure mehr. Manni Kaltz gibt in Kürze als Letzter sein Abschiedsspiel in einer Traditionsmannschaft.

Grundlage dieser Ausstellung ist ein Buch, das Manuel Neukirchner, Leiter des Deutschen Fußballmuseum, aus vielen Quellen und persönlichen Gesprächen verfasst hat. Es ist eine schöne Kollage der Ereignisse dieses Spiels. Dabei beleuchtet er sowohl die deutsche, als auch die Französische Mannschaft. Schauspieler Peter Lohmeyer las bei der Eröffnung ein paar Passagen aus dem Buch. Zudem führte Katrin Müller-Hohenstein souverän durch diesen sehr denkwürdigen Abend in Dortmund.

Datum: 6. Juli 2022
Laufzeit der Ausstellung: ab 7. Juli 2022

www.fussballmuseum.de