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Führung durch das Schauspielhaus Düsseldorf
Das Düsseldorfer Schauspielhaus bietet regelmäßig sehr interessante Führungen durch das Haus an. Es geht tief in den Keller und hinauf auf die Bühne, mit vielen Wegen dazwischen, ein Labyrinth aus Gängen und Funktionsbereichen. Dieses Mal führte Julia aus dem Bereich Marketing und Öffentlichkeitsarbeit sehr erfrischend durch den Bau.

In den 1960ern musste ein neuer Theaterbau her, direkt neben dem Dreischeibenhaus. Der Düsseldorfer Architekten Bernhard Pfau gewann den Wettbewerb und errichtete bis 1970 einen künstlerisch-organisch gestalteten Bau, der sich von der kantigen Architektur des Dreischeibenhauses nebenan bis heute deutlich absetzt. Das Gebäude wirkt von außen wie eine Skulptur. Die Fenster in der Fassade waren erst nicht geplant, aber ein Zugeständnis an die notwendigen Räumlichkeiten mit Tageslicht.

Im Jahr 2020, zum 50. Geburtstag, hat man das Theater für gut 20 Mio. Euro durch ingenhoven architects saniert. Betritt man das Foyer, so bekommt man einen ersten Eindruck von der Geräumigkeit, die man auf den ersten Blick gar nicht so wahrnimmt. Zum Hofgarten hin, wo eigentlich der Eingang geplant war, lässt eine breite Glasfront den Blick ins Grüne schweifen. Die Scheiben sind nun nicht mehr bräunlich, sondern klar. Die außergewöhnliche, strahlenförmige Deckenkonstruktion aus Sichtbeton wurde in ihren ehemaligen Farbton überstrichen. Der Teppich hat auch wieder seinen ursprünglichen Orange-Ton. Die Bodenmosaike wurden überarbeitet und die Wandkunstobjekte in der Kantine teilweise versetzt, so dass mehr Licht hineinkommt. Den Fußboden aus portugiesischem Marmor hat man aufgearbeitet. Heute ist das Foyer von Mittwoch bis Samstag ein offener Raum für alle. Hier kann man entspannen, arbeiten oder sich mit Leuten treffen. Es gibt Sitzgelegenheiten und Internetzugang, umgeben von den kunstvollen Elementen des Künstler Günter Grote.

Der nächste Ort der Tour ist der große Saal, der über keinen Rang verfügt, aber 800 Plätze zu bieten hat. Es gibt ein sogenanntes Stellwerk ganz hinten, mit den Videospezialisten, einem riesigen Beamer und der Lichtabteilung. Die Verfolger-Strahler werden manuell von Positionen in der Decke aus gesteuert. Stilvoll erscheint der Holzton des Vogelaugenahorn im Saal. Sogar der Eiserne Vorhang wurde von Günter Grote gestaltet. Man hat sich Gedanken gemacht.

Anschließend geht es auf eine der beiden Seitenbühnen, wo jede Menge Kulissen lagern, die kurzfristig gebraucht werden. Beide sind jeweils so groß wie Hauptbühne und eine Hinterbühne ist ebenfalls vorhanden. Schließlich auf den Brettern der Welt angekommen, blickt man in den Publikumsbereich. Hier werden die großen Worte dargeboten. Je nach aktueller Produktion schlendert man durch die Kulissen. In diesem Fall war die Bühne der Premiere von „Robin Hood“. Technisch ist die besondere Drehbühnenkonstruktion, 1970 von der Firma Krupp eingebaut, noch original. Es gibt vier Podien und auch der Besuch auf der massiven und geräumigen Untermaschinerie lohnt einen Blick. Am Inspizientenpult wird alles koordiniert. Man hat vier Inspizienten am Haus.

Barrierefrei ist diese Führung natürlich nicht. Es geht tief in den Keller, wo Kulissen lagern, die wenig gebraucht oder in absehbarer Zeit nicht gebraucht werden. Ein hoher und langer, hydraulischer Lastenaufzug führt durch alle wichtigen Stockwerke. In der Maske sieht man handgeknüpfte Perücken, oft auch europäischem Echthaar. So eine Perücke braucht etwa drei Wochen Zeit und kann auch mal 3.000 Euro kosten. Hier modelliert man ebenfalls künstliche Schnurbärte, Nasen, Brüste der andere Körperteile. 25 bis 30 Leute sind damit beschäftigt. Theaterblut lagert übrigens im Kühlschrank, schmeckt nach Pfefferminz und kostet 50 bis 70 Euro pro Liter. Der Tod auf der Bühne ist gar nicht so günstig. Ab und zu streckt man das künstliche Blut mit Rhabarbersaft.

In der Gewandmeisterei findet man die Vorgesetzten der Damen- und Herrenschneider im Haus. Schnittmuster und Prototypen werden erstellt. Ungefähr 40 Leute kümmern sich und die Bühnenkostüme. Ein Großteil davon ist ebenfalls für die abendliche Ankleide zuständig.

Die Probenbühne hat mehrere Funktionen. Theaterstücke werden hier etwa fünf Wochen geprobt, ehe es die sechste Woche auf der richtigen Bühne weiter geht. Hier finden aber auch Vorsprechtermine von SchauspielerInnen mit dem Intendanten statt oder man bekommt Sprech- und Gesangsunterricht. Von hier führt die Tour dann wieder zurück ins Foyer, in die repräsentativen Räume des Hauses. Für eine solche Führung sollte man auf jeden Fall mindestens 90 Minuten einplanen und nicht gehbehindert sein, denn es wirklich quer durch das Haus. Wer übrigens Fragen an die SchauspielerInnen hat, der hat in der Vorweihnachtszeit die Möglichkeit, diese per Sprachnachricht zu senden. Sie werden von den jeweiligen AkteurInnen beantwortet.

Die spannenden Touren werden einmal im Monat im Schauspielhaus zum Preis von 5,- Euro angeboten.

Datum: 20. November 2022

www.dhaus.de