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Schauspiel „'Die Rundköpfe und die Spitzköpfe oder Reich und Reich gesellt sich gern' im Grillo Theater in Essen
Mit dem Schauspiel „Die Rundköpfe und die Spitzköpfe oder Reich und Reich gesellt sich gern“ von Bertolt Brecht zeigt das Grillo Theater Essen ein inhaltlich durchaus interessantes Stück, das szenisch allerdings nicht überzeugen kann.

Es geht um ein Thema, das bis heute aktuell ist. Das Streben nach Macht und eigenem Vorteil ist weit verbreitet. Wer viel hat, der möchte oft lieber auf keinen Cent verzichten. Das gilt heute für zahlreiche Vermieter, wie schon damals, als Verpächter ihre Pächter als quasi Leibeigene betrachteten, denen man alles zumuten kann. Kann sich der Bauer kein Pferd mehr leisten, muss er selbst den Karren ziehen, um Erlöse zu erwirtschaften, die dann größtenteils in den Pachtzins fließen. So hält man als Vermögender den Kleinen dauerhaft klein und vermehrt eiskalt seinen Reichtum.

Im Stück wird versucht, die festen Kasten der Gesellschaft aufzubrechen, indem man sie in Rundköpfe und Spitzköpfe unterteilt. Erstere sind wertvoller. Die anderen müssen sich unterordnen. Muss der rundköpfige Pächter an den zum Tode verurteilten, spitzköpfigen Verpächter noch Pacht bezahlen? Darf er ihm die Pferde stehen? Rassismus hat eben auch wirtschaftliche Interessen. Doch auf Dauer lässt sich dieses System nicht aufrechterhalten, wie damals im Dritten Reich. Es bricht zusammen und am Ende hat man wieder die alten Verhältnisse. Das Kapital setzt sich durch und hält zusammen. Inhaltlich kommt die Problematik gut rüber, nur leider gehört zu einem guten Stück mehr dazu.

Regisseur Hermann Schmidt-Rahmer ist häufiger als Gast am Grillo Theater eingeladen. Man kennt seine oftmals sehr schrägen und bewusst auffälligen Darstellungen. Auch dieses Mal arbeitet er mit skurrilen Kostümen und Szenenbildern. Die Kostüme sind wirklich ziemlich daneben, denn die SchauspielerInnen tragen Masken mit Augen- und Mundöffnungen. Sie können frei sprechen, aber die Mimik geht dabei völlig verloren. Bei so ausgezeichneten Akteuren wie Jan Pröhl, Stefan Diekmann, Silvia Weißkopf oder z.B. Sven Seeburg ist nicht nur jammerschade, sondern ein echtes NoGo. Hermann Schmidt-Rahmer hat mal wieder bewiesen, dass seine Inszenierungen zu Diskussionen anregen. Das Essener Publikum spendete einen sehr braven Applaus für die Bemühungen der SchauspielerInnen, das beste aus der Situation zu machen. Überzeugend klingt anders.

Datum: 29. September 2021

www.theater-essen.de