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Oper 'Curlew River' im Musiktheater im Revier in Gelsenkirchen
Einen sehr gelungenen Start in die Spielzeit hat das Musiktheater im Revier (MiR) hingelegt. Mit „Curlew River“, einer Oper von Benjamin Britten, präsentiert man in der Georgskirche einen schweren Stoff exzellent präsentiert. Regie führte Carsten Kirchmeier.

Nicht wie im sonst wunderbaren Theater, sondern fast nebenan in der Georgskirche erzählt man eine Geschichte, die fast keinen besseren Ort der Aufführung verdient hat. Es geht um eine Frau, die ihr Kind sucht und dabei völlig verzweifelt. Sie weiß nur die Himmelsrichtung, irgendwo Richtung Osten. Schließlich trifft sie einen Fährmann und möchte über den Fluss. Ihre Verwirrtheit erntet zunächst nur Spott der Anwesenden. Es ist jedoch der Jahrestag eines Begräbnisses am anderen Flussufer, von den sie hört. Vor einem Jahr wurde hier ein Junge beerdigt. Sie spürt sofort, dass es ihr Kind war. Am Grab angekommen kniet sie nieder und betet verzweifelt. Die anderen stimmen ein, als plötzlich die helle Stimme ihres Sohnes (Dongmin Lee) aus der Ferne Engeln ähnlich erklingt. Sie weiß, dass man sich irgendwo wieder treffen wird und findet zu sich selbst.

Nichts ist für eine Mutter schlimmer, als das eigene Kind zu verlieren. Oftmals benötigt man für diesen Schmerz Hilfe von außen, um ihn zu verarbeiten. In diesem Fall ist es der Glaube, der heilende Wirkung hat.

Thema, Ort und die Inszenierung passen hervorragend zusammen. Zu Beginn betritt der Herrenchor des MiR, als Mönche verkleidet, von hinten den Altarraum. Schatten der Bewegung zieren die Wände und lassen sofort eine besondere Atmosphäre aufkommen. Man hat vergangene Jahrhunderte vor Augen. Gregorianische Gesänge dringen sehr behutsam ins Ohr. Man lauscht andächtig den fast echt wirkenden Mönchen mit ihren grauen Kaputzenkutten. Nach und nach kommen der Fährmann (Petro Ostapenko), der Reisende (Urban Malmberg), ein Abt (Michael Heine) und die verwirrte Frau (Adam Temple-Smith) hinzu. Als Requisiten dienen drei Hocker und ein einfacher Holzstab als Ruder. Es ist die Kraft der Geschichte, des Ortes und der wundervoll gesungenen Worte, die diese tolle Inszenierung ausmachen. Viel Bewegung und Aktion braucht es nicht. Alles spielt sich auf der Altarebene ab. Hinzu kommt das sehr schöne Licht, das sogar den Mondschein atmosphärisch nachstellt. Das Leid wirkt authentisch wiedergegeben.

Begleitet wird die Aufführung von der Neuen Philharmonie Westfalen, die als kleines Ensemble, unter der Leitung von Peter Kattermann, wunderbare Töne produziert. Ein dunkler Kontrabass, eine helle Flöte und eine Harfe sorgen für die besondere Note. Sogar die Kirchenorgel findet sich hier und da leise ein. Man harmoniert hervorragend mit den Akteuren auf der Bühne.

„Curlew River“ ist eine sehr gut dargebotene Oper, die szenisch und musikalisch voll überzeugt und berührt. Auf diesem Niveau darf die Spielzeit 2021/22 gerne bleiben.

Datum: 27. August 2021

www.musiktheater-im-revier.de