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Schauspiel 'Antigone. Ein Requiem / Die Politiker' im Schauspielhaus Bochum
Mit dem sehr eindrucksvollen Stück „Antigone. Ein Requiem / Die Politiker“ zeigt das Schauspielhaus Bochum ein hochaktuelles Thema, das uns alle angeht und zum Nachdenken anregt. Regisseur Franz-Xaver Mayr hat dabei je einen Text von Wolfram Lotz und Thomas Köck zu einer Arbeit zusammengefügt.

Wolfram Lotz hat „Die Politiker“ bewusst verfasst, um diesen Text als Kombinationsmöglichkeit anzubieten. Wer sind sie die Politiker? Sie kümmern sich um wichtige Dinge. Alles muss im Staat seine Ordnung haben. Sie atmen, genau wie wir durch Nase und Mund. Es sind Menschen, die aus Verantwortung oder ihrer Gesinnung wegen handeln. Häufig stehen sie in der Kritik. Haben sie den Kontakt zu den Menschen verloren? Ihr Handeln, ihr Denken und ihr Auftreten wird kritisch hinterfragt, in Reimform und mit vielen Bildnissen. Es ist ein klasse Text, der die Zuhörer fesselt und der ebenso gut vom Ensemble dargeboten wird.

„Antigone. Ein Requiem“ wendet sich der aktuellen Problematik Europas zu. Unser Kontinent hat einen sehr langen Strand. Die Welt ist voller Probleme und Menschen in Not suchen ein sicheres Terrain. Wenn sie es schaffen, erreichen sie lebendig irgendeinen Strand. Viele jedoch werden nur noch als sterbliche Hülle angespült. Dabei geht es in diesem Stück. Während Kreon (Michael Lippold) eher neoliberal aufgestellt ist, die Bürger sich selbst überlässt und humanitär-soziale Mahnungen eiskalt an sich abprallen lässt, widerstrebt es Antigone (Anna Drexler), dieser kaltherzigen Politik Folge zu leisten. Sie schleppt die Leichen in ihren Säcken in die Stadt, um sie menschenwürdig zu beerdigen. Das ist ihr Todesurteil, dessen sie sich auch bewusst ist. Es entwickelt sich ein philosophisches Fragespiel um Werte, Liebe und Grenzen. Die Schwemme der Toten an Europas Grenzen nimmt nicht ab. Sie sind oft namenlos und befinden sich nun in einer Gewissen Leichtigkeit. Vielleicht beobachten sie unser unwürdiges Handeln von Irgendwo.

Schauspielerisch ist das Stück mit Konstantin Bühler, William Cooper und Jele Brückner hervorragend umgesetzt. Besonders die Rolle der Antigone ist Anna Drexler ganz klasse auf den Leib geschrieben. Jing Xiang sticht als Botin heraus.

Im sehr guten Programmheft befindet sich eine Seite, die sich mit unserem Grundgesetz befasst. “Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus“, steht da geschrieben. Parallel dazu zitiert man den betreffenden Passus diverser Staatsgesetzgebungen weltweiter Staaten. Gleicht man diese Zeilen mit den Eindrücken aus den Weltnachrichten ab, so spürt man schnell, dass Worte und Handlungen nicht nur in Europa weit auseinander liegen.

Datum: 4. Dezember 2021

www.schauspielhausbochum.de