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Vortrag von Sven Plöger um Thema 'Zieht euch warm an, es wird heiß' im Gasometer Oberhausen
Sven Plöger ist Diplom-Meteorologe und bekannt seine sympathischen Auftritte im deutschen Fernsehen. Mit den Thema „Zieht euch warm an, es wird heiß“ vermittelte er sein Wissen zum Thema Klima und Wetter in seiner sehr unterhaltsamen und zugleich ernsten Art rund 400 Gästen im ausverkauften Gasometer Oberhausen.

Wo wollen wir klimatechnisch hin? Ist für uns und unsere Enkel schon alles verloren? Was ist überhaupt „das Klima“? Es ist das gemittelte Wetter! Sven Plöger machte gleich klar, dass er kein Verfechter von dystopischen Apokalypsen ist. Wissenschaftler denken oft in Zeiträumen von 30 bis 40 Jahren. Damals hatte man schon vorhergesagt, dass unsere Gegenwart so ähnlich aussehen wird, wie sie ist. Politisch werden häufig Zeitspannen von 8 bis 15 Jahren genannt. Dann ist man sowieso nicht mehr im Amt. Plöger plädiert dafür, sofort die Dinge zu sehen und sie anzugehen. Das Klimaziel von +1,5°C ist vielleicht noch zu halten, nur müssen wir uns global und gemeinsam beeilen. Schönreden und die Schuld anderen in die Schuhe schieben sollten seiner Meinung der Vergangenheit angehören, denn ohne Klimaschutz haben wir im Jahr 2100 eine Erderwärmung von +4°C, also einen Lebensraum, der mit unserem heutigen nicht mehr zu vergleichen ist. Der Erde ist es egal, ob sie aus Wald, Steppe oder Wüste besteht. Sie kommt damit klar, nur die Menschheit nicht. Schon jetzt haben wir eine Erwärmung von +1,2°C. Sieht man sich die Landmasse Europas an, so sind es +2,2°C und in der Arktis sogar +3°C. Nur die Ozeane machen es uns noch einigermaßen erträglich. Würde der Meeresspiegel auch nur um einen Meter ansteigen, so müssten 180 Mio. Menschen ihre Heimat verlassen. Den Rheinpegel sieht er langfristig in Gefahr. 60% des Rheinwassers stammen aus den Alpen. Schmelzen die Gletscher, wird es schwierig. Wenn wir weiter 1,8 Erden jährlich verbrauchen ist die Transformation der Erde nicht mehr aufzuhalten, so seine Warnung. Die 92 Barrel Erdöl, die man unter der Arktis vermutet, sollte man vielleicht besser nicht anfassen.

Sven Plöger sprach von der Doppelrolle des Kohlendioxid. Für die Photosynthese ist es unablässlich, als Klimagas schädlich. Er erwähnte, dass Deutschland zwischen 2015 und 2020 für Energietransfers aus Russland 88 Mrd. Euro bezahlt habe, während nur ein Bruchteil für erneuerbare Energien ausgegeben wurde. Die Problematik mit den Windkraftanlagen überließ er aber jedem Gast selbst. Verschandeln sie die Landschaft oder sind sie nur eine andere Form der unschönen Strommasten, an die wir uns gewöhnt haben. Jeder darf da seine eigene Meinung haben, aber niemand möchte wohl ein Windrad als Nachbar. Die Diskussion ist im Gange, für ihn typisch deutsch. Wir reden viel, zerreden alles und erreichen dabei nicht viel, höchstens kleinste Kompromisse, wie man sie von Klimagipfeln kennt, wo 190 Länder eine gemeinsame Abschlusserklärung abgeben sollen. Der Quertreiber gewinnt dabei. Wichtig sind dabei die Kipppunkte des Klimas, die reversibel sind. Als wichtigstes Thema der nächsten Jahre bezeichnete er das Wasser, welches als Sturzbach, Starkregen oder Dürrefaktor das Zepter schwingt.

Was müssen wir ändern? Sven Plöger hat klare Ideen, nur müssen alle Länder an einem Strang ziehen. Von freiwilligen Regelungen hält er nichts. Er plädiert für feste Rahmenbedingungen. Inlandsflüge sollen 1,5 Euro pro Kilometer kosten. Wir sollen mit der Bahn fahren, auch wenn er den Fahrplan für undefinierbar hält, bei 58% Pünktlichkeit. Alle jungen Leute sollten sich in einem Freiwilligen-Sozialen-Jahr verpflichtend mit z.B. Umweltthemen beschäftigen. Ein Achtzigstel seines Lebens sollten wir ruhig mal für die Gesellschaft einbringen. Wir sollen uns keine 100%-Ziele stecken und dann 5% erreichen. Besser sich 70% vornehmen und 50% als Erfolg feiern. Auf jeden Fall muss der Ausstoß von Kohlendioxid reduziert werden. Wir verbrauchen in Deutschland jährlich 9,8 t pro Kopf (Platz 6 weltweit), die USA 16 t, obwohl wir nur 2 t pro Kopf und Jahr erzeugen dürfen, um die Erderwärmung auf +2°C zu begrenzen. Muss es den wirklich ein SUV sein? Er plädiert dafür, Hitzeinseln in unseren Städten mit neuen, urbanen Konzepte herunter zu kühlen, mehr Grün in die City zu bringen. Ratgeber zum Klimawandel gibt es reichlich, auch von Plöger selbst, doch sollte man sie lesen und handeln, statt sie nett ins Bücherregal zu stellen.

An diesem Abend stand Sven Plöger unter dem spannend animierten Erdball der Ausstellung „Das zerbrechliche Paradies“, fast schon sein Wohnzimmer, so gerne ist er dort. Hier sah man den Golfstrom, über den er u. a. sprach, wie auch das ewige Eis der Polkappen und der Gletscher. Mit seiner ernsten und zugleich humorvollen Art weckte er ein Bewusstsein bei seinen Gästen und stand auch gerne in der Pause und nachher für Fragen zur Verfügung. Man spürte, wie engagiert er in dieser Frage auftritt, ohne Vorschriften zu machen. Er möchte seine Zuhörer überzeugen. Es waren in erster Linie Fakten und Zusammenhänge, die einem durch die Medien und durch die Politik so nicht vermittelt werden. Klar und deutlich packte er das Problem Klimawandel verbal beim Schopf und hoffte dabei, etwas in den Köpfen der Zuhörer zu bewegen. Wie man auch immer persönlich mit dem Thema umgeht, an diesem Abend hat man jede Menge neue Zusammenhänge kennengelernt.

Am 24. August kommt Professor Ernst Ulrich von Weizsäcker als Gast mit dem Thema „Wie können wir guten Klimaschutz mit hohem Wohlstand kombinieren?“ in den Gasometer. Es gibt noch Restkarten.

Datum: 18. August 2022

www.gasometer.de