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'Pfingst-Spektakulum' 2022 auf Schloss Broich in Mülheim/Ruhr
Mit dem diesjährigen „Pfingst-Spektakulum“ auf Schloss Broich in Mülheim/Ruhr entführte das mittelalterliche Volk seine Besucher in längst vergangene Jahrhunderte. Die Stimmung war prächtig.

Wirklich gerne möchte eigentlich niemand im Mittelalter gelebt habe, dafür war es einfach zu düster. Die schwarze Pest, schlechte Hygiene, schwierige Ernährung und jede Menge Blut werden von den neuzeitlichen Verfechtern dieser Zeit jedoch ausgeklammert. Sie preisen ihre handwerklichen Fähigkeiten, das einfache Leben, ihre Kampfkünste und den heute kaum noch vorstellbaren Zusammenhalt innerhalb der Gesellschaft. Das herzliche Willkommen erlebte man bereits an der sehr netten Kasse. Die außerordentliche Freundlichkeit setzte sich auf dem Gelände fort. Überall fand man gewandete Freunde des Mittelalters, die sehr bereitwillig über das Leben damals erzählten.

Von einer Perlenweberin erfuhr man, dass es in Deutschland an Seen und Flüssen über Muscheln in rauen Mengen gab. Man entfernte die Perlen vorsichtig und verschloss die Schalen wieder. Dabei haben manche Perlen auch gesundheitliche Wirkungen, kommen sie mit der Haut in Berührung. Wolle wurde mit natürlichen Stoffen gefärbt, war komplett biologisch abbaubar. Man nahm Schildläuse, braune oder rote Zwiebelschalen als Färbemittel. Alles Natürliche wurde möglichst restlos verarbeitet. Bei der Ernährung war das nicht anders. Die Oberschicht jagte das Wild, griff selbst nach den besten Stücken und gab Innereien und andere Restbestandteile an das Gesindel ab, wie das gemeine Volk so bezeichnet wurde. Ohren oder Zunge waren seltene Fleischhappen, garniert mit Getreide, Wildkräutern oder evtl. mit Früchten. Man aß, was man gerade hatte, alles kreativ zusammengefügt und mit Met ging alles gut runter. Gemüsegärten waren dem Adel vorbehalten, wie auch die Kartoffel. Zunächst aß man das oberirdische der Kartoffel, ehe man feststellte, dass es ungenießbar war und man sich Knolle widmete. Tierfelle wurde gegerbt und für alle möglichen Zwecke benutzt. Aus Knochen wurden Nähnadeln gefertigt.

Das heute häufig überstrapazierte Wort der Nachhaltigkeit war im Mittelalter gelebter Alltag. Inflation gab es ebenfalls, wenn der Landesherr einfach mal wegen leerer Kassen die Steuern drastisch erhöhte, eine historische CO2-Abgabe. Plötzlich war das Geld nichts mehr wert. Musik gab es auch, gerne auf der Drehleier. Hatte ein Lied allerdings einen ungeliebten Text oder es klang einfach zu schräg, so war ein Musikant schnell man einen Kopf kürzer. Man lebte allgemein nicht ungefährlich und eher selten überschritt man die 40 Lebensjahre. Hygiene war übrigens deshalb kaum erwünscht, weil die Seifenmacherinnen im stetigen Verdacht standen, den Männern den Kopf zu verdrehen. Besser man ließ sie gar nicht ins Haus. Man hörte die tollsten Geschichten aus der Zeit des Mittelalters, das im Kernbereich mit der Entdeckung Amerikas durch Kolumbus 1492 endet, gefolgt von der Renaissance.

Es wurde natürlich gekämpft. Die Rittersleute reichten ihre Schwerter und Kampfäxte gerne den Besuchern. Viele von uns wären heute kampfunfähig, so schwer und unhandlich sind manche Waffen. Rittersleute mussten starke Handgelenke haben. Dabei kämpften auch die Frauen. Ihre Schwerter waren etwas leichter. In einer Open-Air-Arena zeigten die Profis mal, wie es im Kampfgetümmel zur Sache ging. Von Knochenbrüchen bis hin zum schnellen Tod war alles möglich. In der Abendshow „Magie der Pferde“ wurde die Beziehung zwischen Tier und Mensch im Wandel der Zeit dargestellt. Es ging teilweise feurig zu. Leider sorgte am Pfingstsonntag der Regen dafür, dass diese Show nur etwas verkürzt dargeboten werden konnte. Bezüglich der Waffen sollte man sich eine schlaue Aussage merken. „Schwerter und Rüstungen sind dafür da, um ungleichmäßige Besitzverhältnisse abzusichern.“ Heute hat sich lediglich Art der Waffen verändert. Willkommen im Jahre 2022, im Mittelalter. Die Menschheit hat nichts gelernt.

Zwei besondere Attraktionen gilt es noch hervorzuheben. Eine niederländische Falknerei präsentierte verschiedene, sehr schöne Greifvögel. Die Tiere wissen selbst um ihre optische Attraktivität, sind teilweise kleine Diven. Gegen eine kleine Gebühr konnte man sie für ein Foto auf den Arm nehmen. Hunde sollten sich ihnen allerdings nicht nähern. Gegen diese Schnäbel hat kein Hund eine Chance, wird eher zur Beute.

Etwas abseits fand man den Geschichtenerzähler Chnutz vom Hopfen. Unter seinem Zelt war es nicht nur schön trocken, sondern auch spannend. Seine Geschichten aus dem Morgenland, so zwischen 1050 und 1650 aufgeschrieben, präsentierte er sehr leidenschaftlich, mit viel Gestik und Mimik. Dabei überlistete der stets kleine Mann den höheren Stand, um selbst gesellschaftlich aufzusteigen. Teilweise kann man die Geschichten wahren, historischen Einträgen zuordnen, muss allerdings aufpassen. Manchmal hat man zwecks Heroisierung bekannter Herrscher der Geschichte Teile später eingefügt. Am Abend war eine weitere Ü18-Lesung geplant, mit frivolen Inhalten, die damals durchaus gängig waren.

Auch wenn das Wetter nicht immer ganz so mitspielte, es war ein sehr gelungenes „Pfingst-Spektakulum“ mit vielen netten Menschen und spannenden Geschichten.

Datum: 6. Juni 2022

www.muelheim-tourismus.de