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Oper 'Die Perlenfischer' im Musiktheater im Revier in Gelsenkirchen
Diese Inszenietung war ein großer Herzenswunsch des MiR-Publikums, noch einmal Georges Bizets „Die Perlenfischer“ auf der Bühne zu erleben. Im Dezember 2018 feierte man man eine bezaubernde Premiere. Die Wiederaufnahme steht dem in nichts nach. Ein absolutes Zuckerstückchen von Oper.

Es war ein Frühwerk von Georges Bizet, welches er im zarten Alter von 24 schrieb. Erst danach entstand sein Welthit „Carmen“. Diese Inszenierung von Manuel Schmitt stellt eine „Carmen“ aber locker den Schatten. Zurga (Paul Jadach) und Nadir (Khanyiso Gwenxane) treffen sich nach vielen Jahren bei den Perlenfischern wieder. Keiner von ihnen darf die Priesterin Leila (Dongmin Lee) anrühren, in die beide einmal verliebt waren. Auch Leila muss ein Keuschheitsgelübte einhalten. Natürlich führen die Hormone Regie und Nadir wird nachts mit ihr erwischt. Zurga, der zum Anführer der Perlenfischer bestimmt wurde, muss das Todesurteil für beide aussprechen und findet doch noch eine Wendung, nicht so grausam sein zu müssen, wobei seine eigene Zukunft vernebelt erscheint, ein Liebes-Happy-End mit Feuersbrunst und grauen Wolken.

Schon zu Beginn bekommt man Gänsehaut. Ein Taucher (Michael Bittinger) schwebt hinter einem transparenten Vorhang von oben nach unten. Man ist direkt im Thema. Der Job der Perlentaucher auf Sri Lanka ist ein harter. Manche ertrinken, anderen platzt das Trommelfell. Sie machen es aber trotzdem, um ihr Leben armselig zu verdienen und stehen symbolisch für zahlreiche ausbeuterische Jobs, besonders in Asien. Später überbrücken Projektionen zwei Umbaupausen. Hier wird man an brennende Fabrik in Pakistan 2012 erinnert, bei der 259 Kinderarbeiter ums Leben kamen. Das Stück hat auch eine aktuelle, soziale Komponente.

Die drei Akte sind szenisch, musikalisch und gesanglich von vorne bis hinten ein Gedicht. Mittels rotierenden Bühnenelementen wird das Geschehen sehr geschickt vermittelt. So bekommt die Bühne Ebenen. Das Spiel mit der Transparenz wird öfter verwendet, nicht nur beim Taucher, auch bei der Feuersbrunst mit Nebel und Licht. Faszinierend, wie man grundsätzlich mit dem Licht gestaltet, mit Spots oder einer großen Sonne. Es blitzt oder donnert. Das Ungemacht bricht so symbolisch über die Perlenfischer herein. Schön ist auch die die Gefangennahme von Leila und Nadir dargestellt. Da rasseln keine Ketten oder Handschellen, ein dünner, lockerer Leinenstrick um die Hände genügt. Klasse sind ebenso die Kostüme. Man unterscheidet die Figuren gut voneinander.

Musikalisch könnte man auch gut einfach die Augen schließen, so wunderbar präsentiert die Neue Philharmonie Westfalen, unter der Leitung von Giuliano Betta, die ausgezeichnete Partitur. Hier eine Harfe, da eine Flöte und laut werden kann es auch. Die Akte klingen sehr abwechslungsreich, von romantisch verliebt, über leicht orientalisch, bis emotional aufgewühlt. Hinzu kommen Opernchor und Extrachor, die häufig auf der Bühne oder im Hintergrund zu vernehmen sind, starke und stimmgewaltige Auftritte. Statisten und zwei Kinder (Mi-Na Springer, Catalea Akki) ergänzen die nicht selten volle Bühne.

Das Ende könnte nicht anders sein als wie dargestellt. Der Taucher schwebt hinter dem transparenten Vorhang wieder nach oben, während Zurga alleine seinem Schicksal überlassen ist. Ein Dank geht insbesondere an Paul Jadach vom Theater Pforzheim, der krankheitsbedingt die Rolle des Jurga kurzfristig übernommen hat und gesanglich sehr überzeugen konnte.

Datum: 9. April 2023 (Wiederaufnahme)

www.musiktheater-im-revier.de