abenteuer-ruhrpott.info Aktuelles abenteuer-ruhrpott.info
Freizeittipps
Veranstaltungen
Ausstellungen
Bücher / Musik
Kontakt
Impressum
Oper 'Orpheus in der Unterwelt' im Musiktheater im Revier in Gelsenkirchen
Mit der Silvestervorstellung von „Orpheus in der Unterwelt“ hatte das Musiktheater im Revier ein Thema auf dem Spielplan, das höchst vergnüglich und sehr passend daher kam.

Man hatte sich für eine konzertante Aufführung entschieden. Die Neue Philharmonie Westfalen, unter der musikalischen Leitung von Rasmus Baumann, sowie der MiR Opernchor waren eine vorzügliche Bühnenkulisse für die Solisten aus dem MiR Opernensemble und dem Opernstudio NRW.

Orpheus und Eurydike sind natürlich der Ausgangspunkt einer Geschichte, in der die Männer das Klischee der Lustmolche und Machterhabenen darstellen. Die Weiblichkeit ist der Lust ebenfalls nicht abgeneigt, allerdings setzt hier dann doch mal der Verstand ein, besonders bei Eurydike (Margot Genet). Die Scheinmoral des gehobenen Standes wird überdeutlich dargestellt. Von Aristeus/Pluto (Martin Homrich) in die Unterwelt entführt, fühlt sie sich vernachlässigt und ist unglücklich. Orpheus Frohlocken, endlich seine Frau los zu sein, wird jedoch schnell von der öffentlichen Meinung (Ileana Mateescu) widersprochen. So machen sich Götter und Nymphen auf, Eurydike befreien.

Der Abend überzeugt durch die sehr gelungene Interpretation der moralischen Zustände der Oberklasse. Humor, Ironie und Komik werden ganz groß geschrieben und besonders betont. Mimisch gegen die Solistinnen und Solisten alles, ganz hervorragend. Sie schmollen, tanzen, wieseln über die Bühne und sind um oberflächlichen Anstand bemüht. Joachim Gabriel Maaß setzt als Jupiter sogar den Dackelblick auf, um seine Unschuld in Sachen Verführungskunst zu dokumentieren. Es war besonders schön, ihn auf der Bühne noch einmal zu erleben, genießt er doch eigentlich schon sein Rentnerleben. Allzu oft wird man ihn nicht mehr auf der Bühne sehen.

Die Aufführung wirkt beschwingt und sehr unterhaltsam. Christopher Richard Hochstuhl gibt den Orpheus, ein typischer, gut gestylter Macho im Maßanzug, der seine sexuelle Freiheit liebt. Die Venus (Almuth Herbst) betont durch ihr rotes Kleid bereits, dass sie der Lust nicht abgeneigt ist. Richtig überzeugen können ebenfalls Diana (Bele Kumberger), Minerva (Wendy Krikken), Cupido (Dongmin Lee) sowie Mars (Philipp Kranjc) und Merkur (Tobias Glagau). Man merkt dem Ensemble die Spielfreude an. Der Stoff ist herrlich leicht. Oft genug ist man mit schweren Opernstoffen konfrontiert, stirbt dramatisch oder liebt unglücklich. Hier genügen Joachim Gabriel Maaß als summende Fliege und ein Saufgelage in der Unterwelt, um Eurydike zu befreien. Sie hat anschließend die Wahl, entscheidet sich gegen eine weitere Beziehung mit Orpheus und wählt die Freiheit.

Gesanglich ist die Aufführung sehr gut und nicht selten auch stimmgewaltig, wenn bis zu acht Solistinnen und Solisten gemeinsam intonieren. Mit dem Chor und dem Orchester im Hintergrund wirkt es beeindruckend und flott, was auch für die tollen Kostüme gilt, die sehr passend gewählt wurden. Das alte Jahr hatte zumindest einen sehr unterhaltsamen Abschluss im MiR.

Datum: 31. Dezember 2021

www.musiktheater-im-revier.de