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Tanzabend 'Odysseus' im Musiktheater im Revier in Gelsenkirchen
Mit dem zeitgenössischen Tanzabend „Odysseus“ präsentiert das Musiktheater im Revier (MiR) einen klassischen Stoff im neuen und modernen Gewand, welcher abstrakt, teilweise erzählerisch und gelungen daher kommt.

Giuseppe Spota, Direktor der MiR Dance Company, und Felix Landerer haben sich gemeinsam der Choreografie angenommen. Landerer war spätestens von der Wahl des griechischen Heldenstoffes überzeugt, als der Krieg in der Ukraine ausbrach. Ein sehr ausgeprägtes Machtdenken, Gewalt und das Streben nach Vernichtung wurden plötzlich sehr aktuell. So kam man zusammen, zunächst mit zwei unterschiedlichen Ansätzen. Landerer wollte den aufgewühlten Zustand unserer Gesellschaft in den Vordergrund schieben, während Spota eher das friedlich-positive Idealbild des Menschen zeigen wollte. Beides ist nun in die Choreografie eingeflossen, was auch die Komposition von Christof Littmann beeinflusst hat. Er hat anhand von Stichworten die Partitur für das 16-köpfige Live-Orchster geschrieben. Echte, instrumentierte Klänge wurden zum Teil in elektronische gewandelt, eine Mischung aus Kammerorchester und modernen, elektronischen Elementen, die verschmelzen.

Odysseus ist in ihrer Idee nicht der historische Held eines Epos, der sich seine Schneise erkämpft, ohne Rücksicht auf Verluste. Es gibt nicht einen Odysseus in ihrer Choreo, die erzählende Komponenten hat. Viele der TänzerInnen schlüpfen in diese Rolle. Sie stellen unsere Gesellschaft dar, in der es momentan ziemlich rau zugeht. Kann man hier als nicht-herrschsüchtiges Wesen überhaupt agieren, überleben? Gelingt es einem ein zivilisierter Mensch zu sein, trotz aller negativer Umstände? Acht Bilder hat Christof Littmann komponiert, darunter Themen wie Heimat, Wind, See, Chaos oder Stille. Es gibt aufwühlende und harmonische Momente. Der Soundtrack ist ausgezeichnet und klasse umgesetzt vom musikalischen Leiter Askan Geißler.

Das Bühnenbild von Spota ist eine echte, sportliche Herausforderung für die 17 TänzerInnen. Eine nicht gerade kleine Stahlskulptur mit unterschiedlich steilen Bahnen steht im Mittelpunkt. Auf ihnen klettern die Akteure auf und ab oder drunter her. Dabei möchte das Bühnenbild von Giuseppe Spota einen 360°-Horizont für Assoziationen offen lassen. Klar, man kann in der Skulptur die zerschmetterten Planken eines an der Küste gestrandeten Schiffes erahnen, darf aber auch gerne was völlig anderes assoziieren, wie eine Höhle oder ein Gebirge. Die Form ist absolut vieldeutig. Die Choreografie bricht den griechischen Heldenepos auf und stellt gesellschaftlich aktuell wichtige Fragen.

Der Gesamteindruck der Choreografie ist gut, auch die Kostüme, ebenfalls von Spota. Die Bühnenskulptur, die auch farblich verschieden illuminiert wird, erschlägt nicht das Tänzerische. Es ist eine Reise mit Fragen an die Menschheit. Alle Akteure bekommen ihre Momente auf der Bühne. Eine Hauptrolle gibt es nicht. Aggressionen, ein männliches Duell oder auch Zuneigung werden klar dargestellt oder vorsichtig angedeutet. Nicht immer ist deutlich, welches Thema oder welcher Satz gerade behandelt wird, eher die mehr oder weniger starken Emotionen, die der Soundtrack jeweils unterstreicht. Einmal wird die Bühne sogar zu einem dunklen Guckkastenloch, was von weiter hinten wahrscheinlich kaum wahrgenommen werden kann. Möchte man so die extrem dystopischen Momente zeigen? Es sind sogar Szenen ohne Musik enthalten. Im Vordergrund stehen auf jeden Fall die guten Gruppenszenen, die Dynamik versprühen und starke Emotionen verkörpern, wo die Töne nur so fliegen. Tänzerisch ist diese Gemeinschaftschoreografie wirklich anspruchsvoll und gut dargeboten.

Datum: 15. Januar 2023

www.musiktheater-im-revier.de