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Ausstellung 'Unser Land. 75 Jahre Nordrhein-Westfalen' im Haus der Geschichte in Düsseldorf
Das Haus der Geschichte in Düsseldorf zeigt mit der Ausstellung „Unser Land. 75 Jahre Nordrhein-Westfalen“ eine sehr sehenswerte und viele Themen umfassende Schau, die ein Vorgeschmack auf die 2028 zu eröffnende Dauerausstellung ist. Ort ist der Behrensbau am Mannesmannufer in Düsseldorf. Der Eintritt ist frei.

Nordrhein-Westfalen, dieses seltsam klingende Wortkonstrukt, erblickte am 23. August 1946 das Licht der Welt. Das Rheinland und Westfalen sollten zu einem Bundesland vereinigt werden. An 21. Januar 1947 kam noch Lippe hinzu. Bereits in den 1920er Jahren gab es diese Idee. Sie wurde damals jedoch nicht verwirklicht.

Heute haben wir uns an die drei Großbuchstaben NRW gewöhnt. Es ist das bevölkerungsreichste Bundesland in Deutschland, es grenzt an die Niederlande und Belgien und ist europäisch von Bedeutung. Auf derzeit 1.200 qm Ausstellungsfläche wird die Bedeutung vielfältig gewürdigt. Rund 300 Exponate haben die Macher ausgewählt. Man findet die Anfänge mit wichtigen Verträgen, diversen Problemen und die ersten Entwürfe des Landeswappen. Das Vertrauen mit den Nachbarn musste erst wieder geschaffen werden. Der Schmuggel blühte und kostete sogar Tote. Es gab sogar ein Zuzugsverbot nach Düsseldorf. Flüchtlinge gab es im Laufe der Zeit viele, aus der DDR, aus Osteuropa, Boat-People oder syrische Einwanderer. Gastarbeiter wurden angeworben, zuerst aus der Türkei, danach aus halb Europa. Sie machten NRW wirtschaftlich und gesellschaftlich zu dem, was es heute ist. Wie hat man versucht sie sprachlich zu integrieren? Es gab sogar einen muslimischen Schützenkönig. Das Thema Fremdenfeindlichkeit findet ebenso Erwähnung.

Soziale Aspekte schwingen mit. Die Heinze-Frauen, die sehr kreativ dafür gekämpft haben den gleichen Lohn wie die Männer im Betrieb zu bekommen, werden groß als Beispiel präsentiert. Der Amateursport bietet viele Möglichkeiten des sozialen Lebens. Nicht ausgeklammert wird die Obdachlosigkeit. Die frühe Parteienlandschaft spricht mit Plakaten. Bildung war schon früh ein wichtiger Aspekt. Die Einführung der Gesamtschule wird angesprochen, wie auch die Gründung diverser Universitäten. Kindern von Arbeitern wurden Bildungschancen eingeräumt. Die Arbeitswelt veränderte sich. Der erste Nixdorf-Computer stand bei RWE in Essen, während unter Tage noch die Bergleute schufteten. Die Textilindustrie ging völlig baden. Nischenbetriebe produzieren heute z.B. feuerfeste Stoffe für Rennoverolls in der Formel 1. Schon früh produzierte Bayer chemische Umweltgifte, die heute noch immer für ökologische Probleme sorgen. Schon ist die Ausstellung beim Thema Umwelt angekommen. Die strittige Atomkraft, das große Fischsterben im Rhein 1969, die Landschaft fressende Braunkohle oder der Smog-Alarm werden ausführlich thematisiert. Heute ist die Emscher renaturiert.

Die Sicherheit ist immer ein bedeutendes Thema. Die RAF oder die NSU, wie auch die verbotenen Rocker-Organisatoren tauchen auf. NRW ist das einzige Bundesland, wo Polizei, Zoll und Ordnungsämter eine offizielle Vereinbarung der Zusammenarbeit getroffen haben. Es kam auch immer wieder zu Katastrophen, erst kürzlich an der Ahr. Niemals vergessen wird die Loveparade in Duisburg mit vielen Toten und einem Versagen der Behörden und Organisatoren. Völliges Versagen der Sicherheitsbehörden dokumentiert eine TV-Kollage vom Geiseldrama in Gladbeck.

Wichtige Themen und persönliche Geschichten stehen im Mittelpunkt der Ausstellung. Zu jedem Thema sind Stationen ergänzt, die Zeitzeugen via Bildschirm zu Wort kommen lassen. Filme zu gewissen Themen unterstreichen die Fakten. Man kann auch selbst aktiv werden, seine Familienherkunft dokumentieren oder aktuelle Probleme des Landes aufzeigen. In einer Leseecke am Ende der Ausstellung lassen sich Themen entspannt vertiefen.

Alles kann man in diese Ausstellung leider nicht behandeln. Entweder fehlt der Platz oder die noch nötigen Exponate. Volksfeste, Musik, Bühnen oder die Messelandschaft spielen keine oder nur eine kleine Rolle. Ab 2028 wird sich der Ausstellungsraum mindestens verdoppeln und ganz andere Möglichkeiten bieten.

Nicht nur die sehr schöne Ausstellung ist mehr als einen Blick wert. Der Behrensbau stammt aus dem Jahre 1912. Neben dem Architekten Peter Behrens haben hier auch seine damals jungen Mitarbeiter Mies van der Rohe und Le Corbusier an dem Entwurf mitgewirkt. Schon alleine deshalb sollte man einen Blick ins Foyer und auf die Treppen werfen. Das Haus war Konzernsitz, Verwaltung der britischen Militärregierung und Parlamentssitz des Landes NRW. Es besteht aus einem Stahlträgerskelett, was den kommenden Umbau zu Museumsräumen sehr erleichtert. Großraumbüroetagen werden in den nächsten Jahren in moderne Ausstellungslandschaften verwandelt.

Noch können die BürgerInnen mithelfen. Die eigene Sammlung ist noch lange nicht ausreichend groß. Für interessante Objekte in der kommenden Dauerausstellung ist man sehr dankbar. Die Geschichten dahinter sind willkommen. Vorschläge kann man gerne per Mail und Foto an das Haus richten, falls man ein spannendes Objekt stiften möchte.

Laufzeit: 27. August 2021 bis 23. Mai 2022

unser-land.nrw