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Musical 'Songs for nobodies' im Theater im Rathaus Essen
Mit dem hervorragenden Musical „Songs for Nobodies“ von Joanna Murray-Smith startet das Theater im Rathaus in Essen in den Herbst. Endlich kann auch hier wieder gespielt werden.

Während der Pandemie erreichte das Theater eine Anfrage von Regisseur Stefan Huber und seiner Truppe, ob man die leere Bühne nicht für Proben nutzen könnte. Warum eigentlich nicht. So entstand nach vielen Monaten eine deutsche Erstaufführung, die herausragend dargeboten wird. Es geht um fünf Nobodies, die jeweils einem Promi auf ungewöhnliche Art und Weise begegnet sind. Die daraus resultieren Geschichten sind zwar fiktiv, aber historisch inspiriert. Dabei wird die Bedeutung der großen Stars für normale Leute herausgearbeitet und zeitgleich aufgezeigt, wie normal, teilweise schwach und zerbrechlich sich so ein Künstler abseits der Bühne fühlt. Nur das Talent und das Licht machen einen Menschen zur Star auf den großen Brettern.

Erwischt man den richtigen Moment, so kommt man den ganz Großen auf der Bühne auch mal sehr nahe. Die Toilettenfrau Beatrice Ethel Appleton flickt den Saum von Judy Garlands Kleid. Pearl Avalon kommt ihrem Idol Patsy Cline unerwartet sehr nahe und steht plötzlich mit ihr auf der Bühne. Edith Piaf rettet dem Vater von Edie Delamotte in einem französischen KZ das Leben. Als Billie Holiday endlich für ein Interview zu reden beginnt, startete die Karriere der jungen Redakteurin Too Junior Jones. Schlussendlich begegnet Orla Mc Donagh auf einem Kreuzfahrtschiff Promis wie Maria Callas oder Ari Onassis.

Erzählt werden die fünf Geschichten von der Schauspielerin und Sängerin Susanne Eisenkolb als anspruchsvoller Solopart in 90 Minuten. Als Betrachter fühlt es sich an wie Filmszenen ohne Bilder, Kopfkino pur. Dabei schlüpft sie sehr gekonnt in die einzelnen Rollen und lässt sogar Dialoge aufkommen. Man erlebt das Leiden in einem KZ, in dem Edith Piaf auftritt, wie auch das Techtelmechtel eines Großreeders im Salon eines Kreuzfahrschiffes. Das Treffen mit Patsy Cline war absolut tragisch. Billie Holiday ist schwer gezeichnet von Alkohol und Drogen. Die Schattenseiten der Berühmtheit treten durchaus hervor. Die Frage nach dem Glücks und der Träume wird in den Raum gestellt. Ob prominent oder nicht, für beide Seiten sind diese Fragen nur schwer zu beantworten. Glück ist oft nur ein keiner Moment.

Nicht nur die schauspielerische Leistung ist sehr überzeugend, sondern auch die musikalische. Zu jeder Geschichte gehören mindestens zwei musikalische Darbietungen. Von Jazz, über Chanson bis hin zu Klassik reicht die Palette. Man hört Hits wie „Come Rain or Come Shine“, „Non, je ne regrette rien“, „Lady Sings the Blues“ bis zu Toscas „Vissi d'arte“-Arie. Susanne Eisenkolb kann mit ihren Stimmbändern auch musikalisch überzeugen. Hervorzuheben ist natürlich die dreiköpfige Band um die musikalische Leitung Patricia Martin am Klavier, Geneviève Ö'Driscoll an Bass und Cello sowie Jonathan Schierhorn am Schlagzeug, eine ganz feine musikalische Umsetzung.

Die ist kein Musical im bekannten Stil. Durch seine besondere Art hängt man gebannt an den Lippen und Gesten von Susanne Eisenkolb. Mit Witz, Charme und nachdenklichem Ernst stellt sie Momente dar, die eine sehr besondere Note besitzen und wie eine Kurzgeschichte wirken. Stars und Nobodies kommen sich in ihrer wahren Bedeutung dabei durchaus näher.

Dank einer sehr leistungsfähigen Klimaanlage und UV-Filtern kann man die Vorstellungen ohne Maske am Platz genießen.

Laufzeit: 2. September bis 3. November 2021, Premiere, weitere Vorstellungen

theater-im-rathaus.de