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Schauspiel 'Die Frau vom Meer' im Theater an der Ruhr in Mülheim
Einen sehr atmosphärischen Abend erlebten die Besucher der Premiere „Die Frau vom Meer“ nach Hendrik Ibsen im Raffelbergpark am Theater an der Ruhr in Mülheim im Rahmen der „Weißen Nächte“. Ein echtes Erlebnis.

Das Meer besitzt eine solch große Anziehungskraft, dass man den Spielort erstmals auf einen Teich im Park verlegte, eine schwimmende Bühne mit Ruderbooten und einem sehr stilvollen Licht. Das Publikum saß natürlich auf dem Trocknen, während die Akteure ihre Beine im Wasser baumeln lassen konnten. Um das Erlebnis noch intensiver zu gestalten, bekam jeder Gast einen Kopfhörer, der das Stück zu einem spannenden Hörspiel mit Live-Schauspiel werden ließ. So wurde man, optisch wie ein blaues Glühwürmchen da sitzend, Zeuge einen ganz besonderen skandinavischen Sommerfestes mit einem geheimnisvollen Charme.

Der Inszenierung von Philipp Preuss ist der nordische Charakter deutlich anzusehen, nicht nur an den Kostümen, die traditionell bis phantasievoll gestaltet sind. Die Koralle, die als Erzähler fungiert, schillert in allen Farben. Dabei drehen sich die Figuren stets um sich selbst. Scheinen sie mal zueinander gefunden zu haben, so geht es wieder auseinander. Ehe ist ein absolutes Fremdwort. Viele scheinen mehr oder weniger verwirrt bis melancholisch, obwohl sie sich gegenseitig brauchen. Teilweise wird es emotional, wenn Verzweiflung ins Spiel kommt. Nicht schon wieder scheitert man an sich selbst. Dabei kommt immer wieder die geheimnisvolle Vergangenheit der einzelnen Personen ins Spiel. Es gab geheime Liebschaften oder auch Mordopfer, die im Geiste trotzdem noch anwesend sind. Die Geschichte zieht einen in den Stoff hinein.

Sehr treffend ist dazu der untermalende und nicht in den Vordergrund tretende Soundtrack komponiert. Die Geräuschkulisse auf den Ohren ist ein Genuss. Bekannte Töne wie „La Mer“, Walgesänge oder akustische Eindrücke aus der Tiefsee sind hervorragend arrangiert. Das gilt auch für die Auswahl der Akteure. Ein Live-Hörspiel per Kopfhörer benötigt in erster Linie sehr gute Stimmen, die zweifelsfrei gefunden wurden. Die Gefühlszustände werden so spannend transportiert.

Hier und da gibt es Ausführungen zu mythologischen Geschichten oder zur Menschwerdung, der Weg aus dem Wasser an Land. Dort hat der Mensch irgendwann den falschen Weg eingeschlagen und verfolgt ihn bis heute. Wäre er vielleicht doch besser als Einzeller im Meer geblieben?

Diese Inszenierung ist ein echtes Gesamtkunstwerk in einem sehr außergewöhnlichen Gewand. Man muss dabei nicht jede mythologische Anspielung verstehen, um das Stück trotzdem aufzusaugen.

Es spielen Petra von der Beek, Sarah Moeschler, Elzemarieke de Vos, Günther Harder, Klaus Herzog, Leonhard Hugger, Felix Römer und Rupert J. Seidl.

Ergänzt wird der Abend im Park durch sechs sehenswerte Videoinstallationen zum Thema der Weißen Nächte“: Mensch – Tier.

Bei den „Weißen Nächten“ gilt übrigens „Pay what you want“. Ab 8,50 Euro ist man dabei.

Datum: 25. August 2022, Premiere, weitere Vorstellungen

www.theater-an-der-ruhr.de