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Oper 'La finta giardiniera' von Mozart im Aalto Theater in Essen
Das Aalto Theater in Essen hat eine ganz wunderbare Inszenierung von Mozarts Oper „La finta giardiniera“, zu deutsch „Die Gärtnerin aus Liebe“, auf die Bühne gebracht, ein Werk, das der Meister mit nur 18 Jahren schrieb.

Regie führte der Tscheche Ondrej Havelka, der in seiner Heimat Regisseur, Schauspieler, Entertainer und Bandleader zugleich ist. Wie man in Essen erlebt hat, versteht er durchaus eine Menge von bester Unterhaltung. Die Mischung aus heiterer und ernster Oper ist ein Grat, den man erst einmal händeln muss. Die Oper war eine Auftragsarbeit für den Münchner Karneval. Am 13. Januar 1775 wurde sie in München uraufgeführt. Mozart selbst sah jedoch keine Vorstellung des originalen Stoffs. Später wurde sie umgeschrieben, als italienische Rezitataufführung. In dieser Form wird sie in Essen dargeboten, wobei die Gesangspartien nicht zu kurz kommen.

Die Handlung ist schwierig in kurze Worte zu fassen. Sieben Figuren geben sich den Wirrungen der Liebe hin, entgleiten in Verrücktheiten und versuchen doch, nicht die Kontrolle zu verlieren. Besonders die Frauen stehen dem Werben der männlichen Figuren oft distanziert gegenüber. So einfach kann man sie nicht erobern. Nicht selten nimmt das Werben um Nähe groteske Züge an. Im Mittelpunkt steht Sandrina, gespielt von Giulia Montanari, die 2019/2020 Mitglied des NRW Opernstudio war und nun dem Ensemble des Aalto Theaters angehört. Bezaubernd verkörpert sie die Sandrina, die eigentlich adeligen Standes ist, aber ihren Liebhaber sucht und sich als Gärtnerin beim Podesta von Lagonero (Richard Samek) undercover anstellen lässt. Natürlich verliebt dieser sich in sie und beißt auf Granit. Auch die anderen Mägde, Diener und sonstige Personen fallen in einen Liebesrausch, der völlig verwirrend ist, aber auch urkomisch. Am Ende wird alles gut, jedenfalls fast alles, denn für den Podesta bleibt keine Geliebte übrig. Er nimmt es gelassen und wartet auf eine neue Sandrina. Für ihn ist es kein Drama.

In vielen Opern hätte das moderne Strafgerichtsbuch viel zu richten. Diese Oper kennt ebenfalls Eifersucht, Täuschung und Neid, aber die Tragik zahlreicher Stoffe findet man hier nicht, was den besonderen Faktor der Unterhaltung ausmacht. Es wird niemand erdolcht oder lebendig begraben. Man fällt höchstens theatralisch in Ohnmacht, wird allerdings abwinkend liegengelassen. Wild geht es zu, aber alle vertragen sich am Ende. Möglich macht das der zugelassene Kontrollverlust, der am Schluss ein natürliches Miteinander ermöglicht. Es ist erstaunlich, wie der erst 18jährige Mozart, mit Hilfe dieses literarischen Stoffs, eine solch klasse Oper komponierte. Die Essener Philharmoniker, unter der Leitung von Tomas Netopil, präsentieren die Komposition wundervoll. Tomas Netopil gilt als ein großer Liebhaber von Mozart-Opern. Man merkt seiner sehr lebendigen Körpersprache an.

Ein Lob geht nicht nur an die sehr lustvoll agierenden Sängerinnen und Sänger, die alle überzeugten, sondern auch an das Bühnenbild (Frank Philipp Schlößmann) und die Kostüme (Jana Zborilova). Die Drehbühne mit ihren verschiedenen Szenenbildern sorgte für eine wohltuende Abwechslung, während die Kostüme die Figuren gut einordneten. Auch der Humor und die Ironie kamen hervorragend an. Man macht einen Liebesantrag in einer Schwanengondel inmitten eines romantischen Parks, herrliche Anspielungen an die Gepflogenheiten des damaligen Adels. Eine schlanke Zypresse hängt reichlich schief im Erdreich und richtet sich erst beim Schlussapplaus von Wunderhand wieder auf. Das Premierenpublikum zeigte sich begeistert. Künstler und Gäste waren glücklich, einen so wunderschönen Abend dargeboten oder erlebt zu haben.

Datum: 2. Oktober 2021 (Premiere)

www.theater-essen.de