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Schauspiel 'Der Menschenfeind' im Schauspiel Duisburg
Mit dem Stück „Der Menschenfeind“ von Molière hatte das Schauspiel Duisburg ein sehr gelungenes Gastspiel vom Deutschen Theater Berlin im Programm, in der Hauptrolle Ulrich Matthes. Regie führte Anne Lenk.

Der Stoff hatte 1666 seine Uraufführung in Frankreich. Molière diente unter Ludwig dem XIII. Am Königshof. Seine spektakulären Inszenierungen mit allerlei Bühneneffekten waren sehr beliebt. „Der Menschenfeind“ hingegen war schon damals extrem sprachbetont und in Reimform verfasst, kein großer Erfolg für das vergnügungssüchtige Publikum am Hofe. Gerade weil dieses Werk so anders war, hat es sich bis heute vielleicht sehr zeitlos auf den Theaterbühnen gehalten. Manchmal erschließt sich der Erfolg erst im Nachgang. Molière war der Zeit voraus. Die deutsche Fassung von Jürgen Gosch und Wolfgang Wiens überzeugte sehr, humoristische Szenen eingeschlossen.

In Duisburg hatte man den Eindruck, als wäre die Rolle des Alceste Ulrich Matthes auf den Leib geschrieben worden. Nicht dass er privat den Typus dieses Charakters widerspiegelt, er füllte diese Rolle hervorragend mit Leben. Dabei ist die auf den ersten Blick schon merkwürdige Liebe zu der deutlich jüngeren Célimène (Franziska Machens) ein guter Spannungsbogen für das Stück. Sie denken beide völlig anders und fühlen sich doch permanent angezogen, ohne sich zu berühren. Sie, die das moderne Frauenbild verkörpert, das frei entscheiden möchte und keine Konventionen duldet, steht im krassen Gegensatz zu einem reifen Herrn, der eher eigene Gesellschaftsregeln für sich beansprucht. Ehrlichkeit ist ihm wichtig. Ihm unsympathischen Menschen pfeffert er seine Meinung schonungslos ins Gesicht. Toleranz oder ein gepflegtes Miteinander sind ihm fremd. Entsprechend verständnislos wird er von seiner Umwelt betrachtet. Die agiert zwar offen und freundlich miteinander, aber hinter dem Rücken, da wird lästert und getratscht. In Briefen tauscht man sich ziemlich respektlos gegenüber anderen aus, so wie es der eigene Vorteil erforderlich macht. Die beiden konträren Seiten wurden sehr deutlich auf der Bühne dargestellt. Selbst das Schweigen und Beobachten von Alceste sprach Bände. Immer wieder richtete sich der Blick auf Célimène. Ulrich Matthes und Franziska Machens harmonierten als unerfülltes Liebespaar hervorragend. Wenn Blicke und Gesten sprechen könnten. Hier konnten sie es ausgezeichnet. Wie selbstbestimmt darf eine Frau sein?, eine Frage, die immer im Raum steht. Molières Dankansatz aus dem 17. Jahrhundert wird in diesem Stück ziemlich modern ausstaffiert.

Die preisgekrönte Inszenierung überzeugte auf ganzer Linie. Elias Arens, Manuel Harder, Judith Hofmann, Lisa Hrdina, Franziska Machens, Ulrich Matthes, Jeremy Mockridge und Timo Weissch füllten ihre Rollen klasse aus, inklusive toller Kostüme. Das Bühnenbild war schlicht und pfiffig zugleich. Durch gespannte, graue Gummibänder treten die die Figuren auf. Wie Narren hangelten sie an den Schnüren, tänzelten auf ihre Art durchs Leben. Kompromisse ging man keinesfalls ein. Im Gegensatz zu Alceste standen sie allerdings nicht alleine da. Eine gewisse Bereitschaft zum Lügen scheint das unverzichtbare Schmiermittel einer funktionierenden Gesellschaft zu sein. Man bezeichnet ein solches Verhalten auch als Diplomatie. Dafür haben Staaten Fachpersonal eingestellt. Wie hoch aktuell dieser historische Stoff immer noch ist!

Datum: 4. Januar 2021

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