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Schauspiel 'Der Kaukasische Kreidekreis' als Gastspiel des Berliner Ensemble im Schauspiel Duisburg
Im Herbst 2017 feierte „Der Kaukasische Kreidekreis“ Premiere am Berliner Ensemble. Nun ist es für zwei Vorstellungen auch im Schauspiel Duisburg zu erleben, ein packend und exzellent inszeniertes Gastspiel von Michael Thalheimer.

Gut 100 Minuten lang bekommen die BesucherInnen einen Stoff zu sehen, der noch heute brandaktuell ist. Es herrscht Krieg. Die Herrscherfamilie (Nina Bruns und Peter Luppa) muss fliehen und lässt in den Wirren ihr Baby zurück. Dieses wird von der Magd Grusche (Stefanie Reinsperger) gefunden und nach einer Nacht des Nachdenkens mitgenommen, obwohl sie selbst nicht wohl begütet ist. Aus finanzieller Not heiratet sie einen Bauernsohn, um ein Dach über dem Kopf zu haben und verliert so ihren Verlobten Simon Chachawa (Gabriel Schneider), als der aus dem Krieg zurückkehrt. Am Ende muss ein Richter (Thilo Nest) entscheiden, wem das Kind gehört, der leiblichen Mutter oder Grusche, die es mühevoll aufgezogen hat. Die Gerechtigkeit siegt auch in Duisburg.

Eigentlich umfasst dieser Stoff 150 Rollen und ca. vier Stunden Spielzeit, doch selbst dem Autor Bertolt Brecht, der im kommenden Februar 125 Jahre alt würde, war dies auf der Bühne zu lang. So steht Michael Thalheimer in einer guten Tradition. Er hat es mit zehn Akteuren in einer Stunde und 45 Minuten inszeniert. Das Vorspiel lässt er weg, aber der Sänger (Ingo Hülsmann) ist dabei. Er bildet die inhaltliche Brücke zwischen den sehr gut miteinander verbundenen Szenen als eine Art Erzähler. So werden Handlung und Thematik schlüssig wiedergegeben, obwohl das Bühnenbild eigentlich nicht vorhanden ist. Eine Sitzbank im dunklen Hintergrund, für alle die, die gerade nicht vorne agieren, genügt voll und ganz. Spots setzen die herausragend agierenden Akteure vorne ins Licht. Die wichtigste Requisite ist die Babypuppe, auf den Rest verzichtet man, also keine Waffen oder landwirtschaftlichen Gegenstände. Das Kopfkino springt auch deswegen automatisch an, weil die Kostüme und besonders die schauspielerischen Darbietungen exzellent sind. Stefanie Reinsperger legt so wahnsinnig viel Emotionen in ihre Rolle. „Es ist meins.“ Großartig sind auch die anderen, extrem ausdrucksstark. Wie am Ende Thilo Nest den anarchischen Richter darstellt, das ist großartig, allerhöchste Schauspielkunst.

Musikalisch untermalt wird der Abend von dem ausgezeichneten, finnischen Jazz-Gitarristen Kalle Kalima. Manchmal sollte man in ruhigen Momenten die Augen schließen, um seine Klänge konzentriert aufzusaugen. Öfter leise, selten laut, untermalt er die Story live mit seiner E-Gitarre, Hervorragend!

Die inhaltliche und optische Reduzierung des Stoffs und der Live-Soundtrack machen diese Inszenierung spannend und packend. Das Publikum saß so extrem gebannt im Saal, dass man eine Stecknadel hätte fallen hören können.

Datum: 24. Januar 2023

www.theater-duisburg.de
www.berliner-ensemble.de