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Führung durch die Kokerei Zollverein mit zwei neuen Infostationen
Die Kokerei Zollverein in Essen ist ist um eine wichtige Attraktion reicher. Seit zwei Jahren arbeitet man dort an der Weiterentwicklung des Denkmalpfades. Nun wurden zwei weitere multimediale Infostationen in Betrieb genommen, die bei den Führungen den BesucherInnen Erinnerungen der ehemaligen Mitarbeiter sowie Betriebsabläufe anschaulich vermitteln.

Eine Kokerei ist ein sehr komplexer technischer und chemischer Vorgang, der möglichst verständlich erklärt werden sollte. Manche sprechen sogar von einer Teufelsmaschine. Etwa 1.000 Grad ist es in den einzelnen Koksöfen heiß, ehe der Koks herausgedrückt und gelöscht wird. Etwa 3.000 Nebenprodukte werden für viele Branchen dringend benötigt.

Als die Kokerei Zollverein 1993 geschlossen wurde, war sie die größte ihrer Art in Europa, 600 Meter lang und mit einer Förderung von zwei Millionen Tonnen Koks pro Jahr. Während einer Gewerkschaftsversammlung in Recklinghausen erfuhr ein Mitarbeiter zufällig davon. So wurde die Entscheidung der RAG publik. Für die Mitarbeiter brach eine Welt zusammen. Sie machten ihre heiße Arbeit gerne, wenn nötig auch als Doppelschicht. Geld konnte man hier gutes verdienen und eine Ausbildung brauchte man nicht. Besonders beliebt unter der Belegschaft waren ausgebildete Automechaniker, Friseure und Köche. Letztere sollen Spiegeleier und Sagen umwogen sogar auf dem Gelände gefangene Hasen bzw. Muscheln auf der heißen Koksofendecke zubereitet haben. In der Arbeitspausen war das Menü dann gar. Bierchen waren zwar nicht erlaubt, aber gelegentlich doch. Es gab viele private Kontakte und auch Fußballturniere. Die ehemaligen Koker haben heute viele Geschichten zu erzählen, führen auch noch gerne durch ihren ehemaligen Arbeitsplatz.

Heute ist die Kokerei Zollverein die einzige ihrer Art in Europa, die einen begehbaren Weg der Arbeit anbietet. Um die Arbeitsabläufe und die Arbeitsbedingungen im kalten Zustand erlebbar zu machen hat man sich vor fünf Jahren überlegt, einen Denkmalpfad zu kreieren. Nach der Eingangsstation sind nun zwei weitere fertig. Sie erläutern auf überlebensgroßen Bildschirmen medial die Themen „Arbeit und Leben“ sowie das „Drücken“. Man hat Interviews geführt und diese aufgezeichnet. Auf großen Displays können Gästeführer während einer Führung darauf ausschnittsweise zurückgreifen. Die Altkoker erzählen von der Stilllegung, ihrer Karriere oder der Geburt ihrer Tochter während der Schicht. Wartungsarbeiten wurden bei 700°C durchgeführt, denn die Koksöfen durften im Betrieb nie erkalten. Sie wären spröde geworden. Eine sehr gut animierte, riesige Grafik erläutert die Hauptvorgänge der Kokerei: Mischen, Backen, Drücken und Löschen. Ein paar prägnante Exponate ergänzen die neuen Stationen. So möchte man die Kokerei auch im erkalteten Zustand ein wenig authentischer präsentieren. 40% der 600 Meter Gesamtlänge werden erschlossen. Der Rest wird später einer anderen Nutzung zugeführt, aber natürlich nicht abgerissen.

Die nun erweiterte Tour durch die Kokerei hat viele Höhenmeter hinauf auf die Koksofendecke, durch Bandbrücken, hinauf in Türme und hinunter in die sogenannte Allee des Feuers zu bieten. Die Eindrücke sind wirklich sehr spannend. Drei weitere Stationen werden bis 2024 oder 2025 noch entstehen. Das Sonnenrad wird entfernt. Die Sanierung würde Millionen kosten. Dieser in der Entwicklung befindliche neue Denkmalpfad ist eine Ergänzung zum Weg der Kohle auf der Zeche Zollverein, der mit 150.000 BesucherInnen pro Jahr von der Kapazität her an seine Grenzen stößt.

Ganz günstig ist die mediale Erschließung nicht. Drei Millionen Euro werden benötigt, mit einer eventuellen Ergänzung weiterer Stationen wohl eher vier Millionen Euro. 1,5 Mio. Euro kommen von der RAG-Stiftung, sowie weitere 750.000 Euro von der NRW-Stiftung, die erkannt hat, dass die Industriegeschichte im nördlichen Ruhrgebiet auch Heimatgeschichte ist. Das alles sind im Vergleich zu den 60 bis 80 Mio. Euro, die man in den nächsten Jahren für den Erhalt und die weitere Erschließung des Welterbes Zollverein benötigt, noch eher kleine Summen.

Die Führungen über den Denkmalpfad der Kokerei Zollverein dauern etwa zwei Stunden und kosten im Schnitt 10 Euro pro Person, die sich sehr lohnen. Eine ähnliche Attraktion ist in Europa nicht zu finden.

Datum: 25. März 2022

www.zollverein.de