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30. Sonntalk #halbzwölf auf dem Welterbe Zollverein mit Peter Großmann und Herbert Knebel
Der 30. Sonntalk #halbzwölf auf dem Welterbe Zollverein erlebte ganz wunderbar und außergewöhnlich zwei Gäste in einer Person. Peter Großmann hatte Uwe Lyko und Herbert Knebel in sich verwandelnden Rollen zu Gast. Es entwickelte sich sich ein sehr unterhaltsames Gespräch, in dem auch Einblicke hinter die Kunstfigur Knebel gewährt wurden.

Im wahren Leben ist Uwe Lyko bereits im Rentenalter, hat sich seiner künstlerischen Lebensaufgabe des Herbert Knebel altersmäßig angepasst. In Duisburg geboren und in Essen-Werden wohnhaft, ist er im Ruhrgebiet zuhause. Auf der Bühne war er wie immer ganz in seinem Element. Es sind Geschichten aus dem Leben, die natürlich überzeichnet dargestellt werden. Mal ging es zur Wassergymnastik mit Damen, um Verhütung im Alter, um eine Alten-WG sowie um typische Verspätungen und Zugausfälle bei der Bahn. Gesanglich dargeboten kam zum Ende ein Bonbon. Knebel philosophierte darüber, mit 94 noch immer auf der Bühne zu stehen und leicht altersmäßig in ein Publikum zu blicken, welches ebenfalls mit diversen Beschwerden zu kämpfen hat. An der Gitarre hatte er nämlich musikalische Unterstützung durch seinen Affentheater-Kumpel Ozzy Ostermann. Der wiederum glänzte auch solo an den Saiten, ein feiner Musiker, der seinem Instrument tolle, atmosphärische Stimmungen entlocken kann. Da springt das Kopfkino an.

Mit dem Affentheater ist Lyko nun seit 34 Jahren unterwegs. Man kennt sich untereinander privat kaum, was vielleicht die lange Zusammenarbeit erklärt. Auf der Bühne gab es am Anfang mehrere Kunstfiguren, nur der Knebel setzte sich durch. Entstanden ist die Figur ein im gemeinsamen Proberaum mit Helge Schneider. Einfach mal einem spontanen Gedanken gefolgt und eine dort liegende Kappe aufgesetzt, fertig war der Knebel. So war die erste Knebel-Kappe eigentlich von Helge Schneider. Er hatte sie ihm geschenkt. Als sie durchgeschwitzt war, fand Uwe Lyko in Südfrankreich gleich zehn ähnliche, die er dankbar mitnahm. Davon ist heute nur noch die letzte übrig. Der kauzige Ruhrpott-Rentner Knebel mit seiner imaginären Frau Guste ist ohne Kappe gar nicht denkbar. Klar. Im Laufe der Zeit hat sich der Humor etwas verändert. Früher genügten drei Gags in fünf Minuten. Die Gagdichte muss heute auf der Bühne viel höher sein, sonst kommt man nicht an. Geschrieben werden die Nummern im Team. Mit dabei ist auch Sigi Domke, bekannt als Autor der Komödien im Mondpalast. Die Geschichten entspringen teilweise eigenen Erfahrungen, sind aber auch frei erfunden. Sie müssen witzig und nicht sexistisch sein, dürfen keine Kalauer enthalten und sollen die Unzulänglichkeiten in den Fokus stellen. Das gelingt perfekt. Selbst weit außerhalb des Ruhrgebiets lacht man über ihn, wo man zu Beginn noch die Nase gerümpft hat. Die hiesige Sprachfärbung hat eben von Haus aus jede Menge Witz, ist sogar in Berlin hipp.

Auf das Ruhrgebiet angesprochen ist sich Uwe Lyko sicher, dass die Region kein sinkendes Schiff ist. Er liebt das viele Grün. Düsseldorf ist nicht weit. Zwar ist nicht alles schön, aber „Woanders is auch ...“, würde dazu ein anderer genialer Humorist aus Bochum sagen. Nur mit dem Fußball kann Uwe Lyko nicht mehr viel anfangen. Mit 12 Jahren wurde er BVB-Fan, war auch lange leidenschaftlich im Westfalenstadion zu Gast. Die rein kommerziellen und nicht mehr nachvollziehbaren Entwicklungen führen seit einigen Jahren dazu, sich von dieser pseudosportlichen Kommerzbühne mit einem Hauch von Fußball abzuwenden. Mit der Meinung war er nicht alleine, wie der spontane Applaus im Saal bewies.

Das neue Knebel-Programm „Fahr zur Hölle, Baby“ ist übrigens in Arbeit. Am 22. September 2022 hat es in der Stadthalle Mülheim seine Premiere.

Datum: 30. Mai 2022

www.zollverein.de
affentheater.de