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Schauspiel 'Der Kissenmann' im Schauspielhaus Bochum
Mit dem sehr guten Stück „Der Kissenmann“ von Martin McDonagh widmet sich das Schauspielhaus Bochum einem kriminalistischen Thema, das auch durchaus humoristische Momente besitzt.

Die Rollen sind klar verteilt. Tupolski (Anna Drexler) und Ariel (Romy Vreden) stehen auf der Seite der Kripo, während Katurian (Karin Moog) und Michal (Anne Rietmeijer) sich erklären müssen. Es hat drei Fälle von verschwundenen Kindern gegeben. Im Verdacht steht ein Autor und sein leicht behinderter Bruder. Er beschäftigt sich literarisch mit blutrünstigen Geschichten und Phantasien, wie man sie sich nicht vorstellen möchte. Dessen ist er sich bewusst. Ihr Bruder hingegen ist geistig naiv und wäre stets der Unschuldige. Verhört werden sie gemeinsam, in zwei nebeneinander liegenden Räumen. Während er einfach alles zugibt, was man ihm in den Mund legt, nur um der Folter auszuweichen, muss sie taktieren. Katurian wirkt zunehmend verstört, ist doch die Taktik der Ermittler ungewöhnlich. Eine gemeinsame Linie ist nicht erkennbar. Beide lassen durchblicken, auch eine schwere Kindheit gehabt zu haben. Doch was ist wahr? Ist es Taktik? Sagt Katurian die Wahrheit? Das psychologische Spiel nimmt Fahrt auf. Es müssen Ergebnisse her. Die Drohung mit Elektroden zieht immer, während Schreie hinter der Wand zu hören sind. Es ist ein Spiel mit der Angst. Welche Verbindung besteht zu den drei verschwundenen Kindern? In Diktaturen ist man nicht zimperlich. Ein mehr oder weniger erpresstes, halbes Geständnis genügt, um Fakten mit der Dienstpistole zu schaffen. Etwaige Zweifel der Richter sind nicht nötig.

Die psychologischen Aspekte stehen im Vordergrund, während das Verbrechen der Aufhänger ist. Wie schaffe ich es, dass der Verhörte endlich redet? Ist die harte oder scheinbar weiche Methode effektiver? Wie viele Beweise sind nötig, um eine Verurteilung auszusprechen? Die ungewohnten Verhörmethoden und schlechten Absprachen sorgen für regelmäßige Schmunzler. Trotzdem ist der Stoff nicht humoristisch, sondern kriminalistisch einzustufen. Schauspielerisch werden die so unterschiedlichen Rollen hervorragend dargeboten.

Das nicht einfache Stück hat mehrere Zwischen- und Unterebenen, die jeder für sich hervorhebt oder unterdrückt. So wird die Sichtweise auf dieses Stück auch variieren. Jeder findet seinen eigenen inhaltlichen Schwerpunkt.

Datum: 16. Oktober 2021

www.schauspielhausbochum.de