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Stadtführung in Kevelaer
Kevelaer ist ein 29.000-Einwohner Ort am Niederrhein, der vielen als Wallfahrtsstadt bekannt ist. Nicht nur Pilger finden hier Ruhe und Entspannung, denn es gibt jede Menge zu entdecken. „Gesundheit für Leib und Seele“ lautet das passende Motto.

Man muss sich Kevelaer einfach nur mal umsehen. Ein geführter Stadtrundgang ist da besonders hilfreich. Er wird von den Touristikern der Stadt angeboten. Was wird alles geboten? Im Konzert- und Bühnenhaus sowie open air finden zahlreiche Kulturveranstaltungen statt, für Erwachsene und Kinder. Ein Puppentheater 18+ gibt es. Im Umkreis findet man ein Labyrinth für Familien sowie zahlreiche Radwege, die mit nummerierten Knotenpunkten eine sehr gute Orientierung bieten, bis rüber in die Niederlande. Nicht vergessen darf man das Niederrheinische Museum im Kevelaer. Auf 2.500 qm präsentiert es Kunst, wie auch die regionale Geschichte mit historischen Objekten. Wer Brunnen für ihre Frische schätzt, in Kevelaer gibt es 17 davon in der Stadt.

Man sollte auf keinen Fall einen Bogen um das Gradierwerk im Solegarten St. Jakob machen. Der gesunde Körper steht hier im Mittelpunkt. 1994 entdeckte man in 553 m Tiefe solehaltiges Wasser. Nach Jahren des Stillstands baute man von 2018 bis 2020, mit 1,8 Mio. Euro EU-Fördermitteln, aus Lärchenholz und polnischem Schwarzdorn das muschelförmige Gradierwerk mit einem nutzbaren Außenbereich sowie einem Innenhof, der ca. 7°C kühler ist. Die fünf Ausbuchtungen erinnern an Santiago de Compostela, das auf fünf Hügeln erbaut wurde. 65 Kubikmeter Solewasser befinden sich in der Betonschale darunter. Es wird 12 m hoch gepumpt und und über den Schwarzdorn gerieselt, insgesamt 548 qm Fläche. Die Aerosole verdunsten. Sie sollen bei Atemwegserkrankungen und Erkältungen helfen. Man kann auch einfach mal die Beine baumeln lassen, tief einatmen und die Welt Welt sein lassen. Tut gut! Direkt nebenan findet man einen Barfußpfad sowie einen begehbaren Bibelgarten mit symbolischen Deutungen. Wer noch nicht genug hat, der kann via QR-Code die Übungen auf dem Atemweg ausprobieren. Je ein Kneippbecken für Arme und Füße ist ebenfalls nicht verkehrt. Es gibt eine beliebte Boulebahn und einen Spielplatz für Kinder.

Geprägt ist Kevelaer seit 1642 von der Wallfahrt. Ohne diesen wichtigen Aspekt hätte sich der Ort lange nicht so gut wirtschaftlich entwickelt. Silber- und Goldschmiede, Orgelbauer, Glaskünstler oder Steinmetze sind hier seit Generationen tätig. Das Kunsthandwerk hat in Kevelaer goldenen Boden und ist international gefragt. Einer der bekanntesten Künstler, der seine Spuren hinterlassen hat ist Bert Gerresheim. Von ihm kann man in der Stadt über 50 Arbeiten entdecken. Der geschundene Mensch ist häufig sein Thema. Gerresheim verwendet gerne Textbotschaften, tierische Symbole sowie Erinnerungen an bedeutsame Personen der Vergangenheit oder an die Terrorherrschaft der Nazis. Eines der NS-Opfer war Karl Leisner, der sich 1944 im KZ Dachau illegal zum Priester weihen ließ und kurz nach Befreiung 1945 starb. Mit offenen Augen findet man außerdem die bekannten Köpfe von Anne Frank oder Sophie Scholl.

Man sollte auf jeden Fall einen Blick in die Kirchen und Kapellen werfen, die sehr gehegt und gepflegt werden. Den Ursprung der Wallfahrt durch Hendrik Busmann und seine Frau kann man überall nachlesen. Das Marienbildnis, welches sie von einem Soldaten 1642 erstanden hat, ist in der Gnadenkapelle zu sehen. Die kleine Kapelle, die ihr Mann erbauen ließ, ist mittlerweile dort überbaut. Innen strahlt es prächtig verziert, mit einer goldenen Kuppel. Nebenan befindet sich die Kerzenkapelle, ebenfalls stilvoll ausgestattet und mit vielen Erinnerungen am Wallfahrten verziert. Der Kreuzweg mit seinen 15. Stationen ist mit zahlreichen, historischen Kapellen ein möglicher Ausflugstipp. Zahlreiche Spenden der Pilger ermöglichen die sehr gute Instandhaltung der oft alten Pilgerstätten. Zu den Pilgerstätten zählten einst auch Privathäuser, die oftmals mit Heiligenstatuen versehen sind. Nicht selten waren dies Pilgergasthäuser, die man an ihren Statuen erkannte, da viele Menschen nicht lesen und schreiben konnten.

Die beiden größten Kirchen gehören zum Pflichtprogramm von Kevelaer. Die St. Antonius Kirche stammt in ihrem heutigen Zustand aus dem Jahr 1987. Ein großer Brand hat seine Spuren hinterlassen. Der Turm wurde um 1910 errichtet. Trotz ihres neuen Zustands ist sie einen genauen Blick wert. Die innen integrierte Kapelle stammt aus dem Jahr 1470. Ganz besonders ins Auge sticht die Eingangstür mit ihren 1.200 Glasprismen aus einer Päpstlichen Hofglasmalerei in Kevelaer. Innen ist alles Ton in Ton gehalten, während das Dach ein auf dem Kopf stehender hölzerner Schiffskörper wirkt. Das Altarkreuz von Bert Gerresheim ist eines der seltenen Gabelkreuze, die man auch als Lebensbaum deutet. Es beeindruckt durch seine vielen außergewöhnlichen Details. Sehr liebevoll wird jedes Jahr die Krippe gestaltet.

Prunkstück der Stadt ist die Basilika St. Marien mit ihrem 93 m hohen Turm aus dem Jahr 1884. Erbaut wurde sie 1864, nach nur sechs Jahren. 1923 wurde sie von Papst Puis XI. zur Basilika erhoben, eine besondere Ehre. In schlechten Zeiten war der Kirchenbau auch mal ein Soldatenlager oder eine Notunterkunft. Heute strahlt sie in allen Farben. Friedrich Stummel und seine Schüler Heinrich Holtmann und Karl Wenzel haben für diese außergewöhnliche Innengestaltung gesorgt. Im Altar sollen sich die Reliquien von Thomas von Aquin und der heiligen Ursula befinden. Seitlich findet man sogar Anspielungen an die jüdische Religion und an Indien. Die Beleuchtung über den Altar ist eine überdimensionierte, achteckige Dornenkrone Jesu. Es ist ein spannender Kirchenbau, der an jeder Ecke Besonderheiten verbirgt. Ein echter Star ist die Orgel. Mit 10.000 Pfeifen, einer Höhe von 14 m, einer Breite von 9 m und einer Tiefe von 10 m ist sie die größte Kirchenorgel Deutschlands. Selbst der Kölner Dom kommt da nicht mit. In den täglich mehrfach stattfindenden Messen erklingt sie regelmäßig.

Kevelaer hat noch viel mehr zu bieten, darunter über 200 denkmalgeschützte Bauten oder ein noch aktives Kloster. Einfach mal eine Führung buchen. Man erfährt so viel Spannendes über das eigentlich räumlich überschaubare Städtchen am Niederrhein.

Ein großer Dank geht an die Touristiker von Kevelaer sowie an die Stadtführerin Mechtild Jansen, die jeden Winkel ihrer Heimatstadt kennt und mit viel Engagement Historie und Geschichten wunderbar vermittelt.

Datum: 15. September 2021

kevelaer-tourismus.de