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Führung im Schacht Hugo 2 in Gelsenkirchen zum 'Tag des offenen Denkmal' 2022


Der „Tag des offenen Denkmal“ 2022 führte über 3.000 Besucher zum spannenden Schacht Hugo 2 in Gelsenkirchen. Die Anlage wird von Trägerverein Hugo Schacht 2 e.V. erhalten und gepflegt. Hier kommt man nicht immer hinein.

Erst am 30. April 2000 wurde das Bergwerk Hugo für die Kohleförderung geschlossen. Heute ist ein kaum bekanntes Museum, welches an bestimmten Tagen oder per Anmeldung zu besuchen ist. Die sehr engagieren Mitglieder des Vereins treffen sich jeden Samstag vor Ort, um das Notwendige an Arbeit zu leisten. Wer möchte, der kann gerne tatkräftig mit anpacken. Jeder der passt ist willkommen. Melden kann man sich für Besuche oder sonstige Fragen unter hugoschacht2@aol.com. Mit nur 20,- Euro im Jahr ist man sogar ein förderndes Mitglied.

Was kann man hier erleben? Bergbau zum Anfassen! Ehemals wurde hier hart gearbeitet, sieben Tage die Woche und am Wochenende Doppelschichten. Vier Wochen hatte man im Jahr Urlaub. „Glück auf!“ heißt es hier, was übersetzt so viel bedeutet wie, dass die Erde möglichst viel von ihrem schwarzen Gold preisgibt. Rund 1.100 m ging es hier nach unten. Heute ist der Schacht mit Beton und Kies verfüllt. Schon zu Betriebszeiten wurden hier anfallende Steine in alte Wegstrecken zurück transportiert, anstatt sie auf Halden zu deponieren. Auf der Plombe steht man und blickt hinauf ins Fördergerüst mit seiner 1972 erweiterten Skip-Förderung. Hoch oben hat man die Loren ausgekippt. Das Fördergut fiel auf eine Bandbrücke und wurde in Richtung Kohlenwäsche abtransportiert. Das ist eine der Besonderheiten dieses Standortes.

Dreckig war es hier und das ist es auch noch heute. Der Kohlenstaub ist dabei aber harmlos. Der Steinstaub hat bei Bergleuten für oftmalige Lungenerkrankungen gesorgt. In der Hängebank riecht es noch ordentlich nach Bergbau. Kohlenstaub rieselt sogar, wenn man nur kurz den Kran bewegen würde. Diverse Anlagen sind noch betriebsbereit. Hier und da fehlen Schienen, um eine Lok zu bewegen. Grubenlampen und sogenannte Lebensretter findet man noch wohl sortiert. Ein von den Ehrenamtlern gebauter Strebweg kann besichtigt werden. Zu sehen gibt es die Kabine einer Dieselkatze, den Stempelausbau, elektrische Anlagen ohne Funkenflug, Karren von 1860, Herzblattschüppen, Abbauhammer oder Kretzer. Damals war in solchen Bereichen unter Tage oftmals sehr warm oder bitterkalt.

Man erfuhr so manche Hintergrundgeschichte. Da früher viele Seeleute in die Gruben wechselten, entwickelte sich eine für Seeleute typische Pfeifsprache. Die Farbe der Helme war wichtig, Grün für Azubis, Rot für Sicherheitsleute, Gelb für Bergleute und Weiß für alle, die etwas zu sagen hatten, bis hin zum Direktor. Zur typisch weißen Farbe der Arbeitsklamotten kam es, weil man Weiß unter Tage am besten sieht. Millionen von Mäusen waren zwar dort unten blind, jedoch mit einer feinen Nase ausgestattet. Kein Butterbrot durfte offen liegen bleiben. Später kamen noch die Ratten. Der Job war kein einfacher.

Die Gegenwart des Bergbaus ist hier immer ein Thema. Momentan pumpt man das Grundwasser auf 540 m Tiefe ab, mit bis zu 47 Kubikmetern pro Minute. Ansonsten würde der Essener Hauptbahnhof zwölf Meter unter Wasser stehen. Man möchte jedoch die Tiefe reduzieren, was dazu führt, dass die Energiegewinnung aus Methangas zum Erliegen kommen würde. Ehemalige Bergleute sind echte Energieexperten. Robert Harbeck sollte sie mal in seinen Expertenstab holen, dann wäre seine Energiepolitik nicht so unkoordiniert, unehrlich und wenig durchdacht. Man erfuhr, dass die heute importierte Kohle aus Venezuela auch Kinderarbeit beinhaltet, dass häufig weltweit kaum Sicherheitsvorkehrungen beim Abbau eingehalten werden und Menschen nichts zählen. Neue, saubere Energie gibt es nicht und wird es auch so schnell nicht geben. Grüner Wasserstoff aus Kanada? Das Schiff transportiert ihn mit umweltschädlichen Treibstoff im Tank nach Europa. Flüsiggas wird häufig durch Fracking gewonnen. Windkraftanlagen sind nach Ablauf der Betriebszeit glatte Umweltsünden und Sondermüll. Man importiert seltene Erden, die unter schlimmen Umweltbedingungen gewonnen werden. Die Argumentation und Wortwahl eines Robert Harbeck lässt ganz bewusst einige negative Aspekte aus. Man sollte ihm nicht alles einfach so glauben, sondern kritisch hinterfragen oder die handfesten Ex-Kumpel aus Gelsenkirchen ran lassen, anstatt zu philosphieren.

Sauber war an diesem Tag zumindest die Kleidung der Ehrenamtler, die tolle Führungen anboten. Am Ende durften die Kinder sogar mal ihre Hände in pechschwarzen Kohlenstaub stecken, um Bergbau mal hautnah zu erfahren. Nicht jede Mutter war davon begeistert.

Datum: 11. September 2022