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Ausstellung 'Rudolf Holtappel und Walter Kurowski' in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen
Die sehr sehenswerte Ausstellung „Rudolf Holtappel und Walter Kurowski“ zeigt in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen das Lebenswerk des wichtigsten Oberhausener Fotografen des 20. Jahrhunderts sowie das Denken und Schaffen eines kritischen Kopfes, der Oberhausen mit geprägt hat.

Die Werkschau Holtappels (1923-2013) von 1950 bis 2013 präsentiert die Motivvielfalt des über 60 Jahre in Oberhausen lebenden Fotografen, der als Ruhrgebietschronist, Theaterdokumentarist und Warenhausfotograf in Erscheinung trat. Er suchte er immer den besonderen Moment des Alltags, in dem sich Menschen unbeobachtet fühlen und so meistens unfreiwillig einen humorvollen Moment beisteuern. Zahlreiche Fotografien versieht Holtappel mit Titeln, die zum Schmunzeln anregen. Manchmal sind es einfach gute Beobachtungen, wie die Abbruchhäuser 1959 in der Duisburger Altstadt. Die vergessene Wäsche hängt noch in der ersten Etage. Ganz sicher ist allerdings, dass Holtappel niemals Interesse an Landschaftsfotografie hatte, eher das große Bühnenbild der Industriekulisse, mit z.B. spielenden Kindern davor.

Über Jahre hinweg arbeitete Holtappel für Karstadt und Henkel und prägte durch seine Fotografien die Darstellung der Unternehmen entscheidend mit. Für Karstadt entstanden von 1964-1995 Aufnahmen, die Erinnerungen an vergangene Zeiten wecken, etwa Bilder von Kunden und Kindern, Mitarbeitern und Menschenmengen beim Schlussverkauf. Für die Firma Henkel fotografierte er von 1974-2002 Werkshallen, Produkte, Produktionsabläufe in Fabriken, die Henkel-Werksküchen und Menschen an ihren Arbeitsplätzen, die in der Zeitschrift Henkel-Blick abgedruckt wurden. In der Ausstellung widmet man sich teilweise dem Thema Persil als globales Erfolgsprodukt und Plagiat.

Sowohl von 1961-1970, als auch von 1992-2003 war Holtappel als Bühnenfotograf in der Ära Büch und Weise am Theater Oberhausen tätig. Seine Wahl besonderer Blickwinkel und sein Gespür für den richtigen Augenblick wurden bei Inszenierungen von Günther Büch, der Peter Handkes Stücke ans Theater brachte, genauso deutlich, wie bei Aufführungen von Klaus Weise in den 1990er Jahren.

Der Nachlass, der etwa 360.000 Negative in schwarz-weiß und Farbe, rund tausend Fotoabzüge und Diapositive umfasst, wurde 2017 von der Stadt Oberhausen angekauft und konnte mit Unterstützung des LVR wissenschaftlich und konservatorisch aufgearbeitet werden.

Rudolf Holtappel und Walter Kurowski (1956-2015) kannten sich persönlich und tauschten sich auch aus. Beide widmeten sich dem Lebens- und Arbeitsalltag der Menschen. Kurowski lernte Typografie und Grafik an der Folkwang Schule in Essen und hat danach immer frei gearbeitet. Er wirkte als einer der wichtigsten Karikaturisten der 1970er und 1980er in Deutschland, bis zum Mauerfall. Da verlor er die Lust an der politischen Karikatur. Mit Faserstift auf Papier kreierte er Figuren mit Wiedererkennungswert. Heute immer noch zeitlose Themen wie hohe Benzinpreise, Jugendarbeitslosigkeit, die knechtende Lehrlingsausbeutung, schlechte Arbeitsbedingungen oder die Entlassung mit 50+ setzte er bissig um. Plakate waren seine Leidenschaft. Sie hingen in ganz Oberhausen und prangerten gesellschaftskritische Themen, wie oben erwähnt, an. Nur zweimal wurde er verklagt, von einem Lehrlinge quälenden Oberhausener Innungsmeister und von der Deutsche Bank. Ersterer zahlte zweidrittel der Gerichtskosten, weil die Vorwürfe der Wahrheit entsprachen. Wichtige Themen der Plakate waren ebenfalls Musikveranstaltungen des Jazz-Karussell, bei dem er selbst als Musiker mitwirkte, sowie diverse Kulturveranstaltungen. Walter Kurowski war ein unheimlich kreativer Mensch mit einem besonderen Händchen und jeder Menge Engagement für sein Schaffen. Sein Nachlass wird in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen archiviert und digital aufgearbeitet.

Laufzeit: 23. Januar bis 8. Mai 2022

www.ludwiggalerie.de