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Talk #halbzwölf mit Peter Großmann, Fritz Eckenga und Purple Schulz auf dem Welterbe Zollverein in Essen
Der Talk #halbzwölf auf Zollverein, mit Peter Großmann als Gastgeber, verbindet gute Gespräche mit Musik oder diverser Bühnenkunst. Dieses Mal waren Fritz Eckenga und Purple Schulz zu Gast.

Der letzte Talk in diesem Jahr war eine gute Mischung aus wohl geschliffenen Worten und Tönen. Sowohl Fritz Eckenga als auch Purple Schulz sind gute Beobachter und vertreten kritische Thesen. Beide sind Mitte 60 und gestandene Persönlichkeiten, die wissen was sie wollen und was sie können. Trotzdem fordert sie die pandemische Zeit genauso wie die jüngere Generation. Der Lockdown und die noch anhaltende Zeit zwingt sie zu neuen Wegen ihres kreativen Schaffens. Termine werden verschoben und wieder verschoben. So war man froh, bei diesem vergnüglichen Talk auf Zollverein dabei sein zu dürfen. Wer weiß, wann man demnächst wieder auftreten darf.

Zwei neue Bücher hat Kabarettist Fritz Eckenga zuletzt geschrieben. Teilweise sind es auch Auftragsarbeiten zu Themen, zu denen er sich noch nie Gedanken gemacht hat. Das fordert ihn immer wieder. Warum produziert man eigentlich Kunst? Es ist auch das Geld, aber in erster Linie um sich Probleme scheinbar gedanklich vom Hals zu schaffen, indem man sich mit ihnen beschäftigt und theoretische Lösungen findet, quasi aus Notwehr. Trifft Text dann auf die Wertschätzung der Zuhörer, die obendrein positiv gestimmt nach Hause gehen, hat er alles richtig gemacht. Fritz Eckenga berichtete von seiner ersten Stammkneipe. Nach dem Gottesdienst mit der Oma sollte er als 5jähriger seinen Vater aus der Kneipe „Zur alten Post“ abholen und nach Hause kommen. Vater spendierte ihm ein Malzbier mit Erdnüssen und spielte weiter Schafskopf. Mutters Plan funktionierte nicht. Das Leben in der Kneipe waren für ihn spannende Erlebnisse und lehrreicher als der Gottesdienst. Natürlich ließ er sich auch literarisch aus. Böse formulierte Zeilen fanden aber immer ein humorvolles oder harmonisches Ende. Das ist ihm wichtig.

Purple Schulz wurde von seinem Erfolg in den 1980er Jahren förmlich überrannt. Es waren wilde Zeiten. In der Straßenbahn wurde er ständig angequatscht, worauf er einen Mofa- und anschließend einen Autoführerschein machte, mit 33 Jahren. 1973 war sein Bühnendebüt, 1983 begann die Karriere. Zwischendurch reifte er zu einem Vollblutmusiker mit Leib und Seele. Schuld daran hatte seine Oma Gertrud, die ihm 1965 zu Kommunion ein Klavier schenkte, inkl. Unterricht bei der alten Frau Bauer. Er liebte Bach, begeisterte sich aber ebenso für moderne Hits. Von Bach schwärmt er noch heute. Jetzt kann der Kölsche Jung sowieso machen was er möchte. Keine Plattenfirma redet ihm rein. Zwischendurch wird mal was fürs Fernsehen komponiert. Ein neues Instrument hat sich im Lockdown sogar zugelegt und angeeignet, ein Harpejji mit 16 Saiten. Die Anleitung dazu gibt man sich selbst. Purple Schulz ist sowieso immer ein Musiker gewesen, der seine Hits stilistisch immer weiterentwickelt hat. Man konnte sich davon überzeugen. „Kleine Seen“, „Wir sind alle eine Welt“, „Nur mit dir“, „Du bist da“ oder „Bis ans Ende meiner Lieder“ von Udo Jürgens standen auf der Setlist. Die Welt ist für Purple Schulz ein Irrenhaus. So findet ein Tourauftakt auch immer in der Kölner Psychiatrie statt, ein guter Gradmesser für neue Songs. Gut ist für ihn ein Song, der weint, lacht oder wie ein Film abläuft. In ihm steckt auch ein trauriger und Hoffnung spendender Clown. Purple Schulz sprüht noch immer vor Energie und lebt, als wäre jeder Tag der letzte. Den Tod begrüßt er, denn ohne ihn wäre das Leben eine Katastrophe. Es war sehr spannend, den Menschen kennenzulernen, der heute hinter so bekannten Hits steht. Er hätte noch jede Menge zu berichten gehabt.

Peter Großmann führte gewohnt unterhaltsam durch das Programm. Für 2022 sind vier Termine der Reihe #halbzwölf angekündigt. Man darf gespannt sein, welche spannenden Persönlichkeiten dann auf der Bühne sitzen.

Datum: 12. Dezember 2021

www.zollverein.de