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Talk #halbzwölf mit Peter Großmann, Marco Lombardo, Fee Brembeck und Peter Neururer auf dem Welterbe Zollverein in Essen
Auf Zollverein präsentierte ARD-Moderator Peter Großmann zum 28. Mal in fünf Jahren #halbzwölf mit interessanten Gästen. Der Talk auf dem Welterbe Zollverein ist ein Mix aus aus Sport, Kunst und Kultur. Stargast war Fußballtrainer Peter Neururer, der aus seinem Leben plauderte.

Auf der schönsten Zeche der Welt“, so die treffende Begrüßung, galt 3G, plus 2G, geliebt und gemocht. Man hat sich schon ein regelmäßiges Stammpublikum erarbeitet.

Musikalische Begleitung des Abends war Großmanns ARD-Fernsehkollege Marco Lombardo, der nicht nur vor der Kamera moderieren kann, sondern sich auch das Gitarrenspielen per Youtube selbst beigebracht hat. Der Italo-Hesse war sogar mal richtig schüchtern, hat viele Chancen verstreichen lassen. Heute schreibt er eigene Songs, die sehr beachtenswert sind. Seine Texte sind tiefgründig. „Der Grund“, „Fragwürdig“, oder„Ich lad dich ein“, ein Song über seine Schüchternheit, der teilweise auf Italienisch dargeboten wurde, sind wahre Kleinode eines Singer-Songwriters. Man hörte gerne zu.

Fee Brembeck ist Kabarettistin, Slam Poetin, Autorin und klassische Sopranistin. Mehr geht kaum. Eigentlich stammt sie aus Bayern, dort hat sie sich nie zugehörig gefühlt. Sie isst kein Fleisch, trinkt kaum Alkohol, hat nichts gegen Ausländer und bezeichnet sich als Feministin. „Make intelligence sexy again“ lautet das Motto der ausgebildeten Opernsängerin. Schlau ist das neue Schön. Mindestens erst der zweite Blick zählt und gebildete Spielerfrauen sind doch nur dazu da, um den IQ ihres Mannes zu heben. Sie hat ihr neues Buch ganz frisch auf dem Markt. „Jetzt halt doch mal die Klappe, Mann!“, heißt es. Dabei hat sie sich dem Thema Mansplaining gewidmet. Warum müssen manche Männer den Frauen selbst die einfachsten Dinge genau erklären, die eh jeder weiß.

Der Gast mit dem höchsten Bekanntheitsgrad war natürlich Peter Neururer, gelebte 140, gefühlte 40 und reale 66 Jahre alt, laut eigener Aussage. Der Ex-Lehrer wechselte für seinen Traumjob über Nacht als Co-Trainer-zu RWE. Ohne den damaligen Cheftrainer Horst Hrubesch wäre er heute Oberstudienrat im Ruhestand. Fortan war er im Profifußball unterwegs, mit einem 8 bis 23 Uhr-Job. Neururer war der erste Laptop-Trainer. Er führte eine Spielerdatenbank mit 3.800 Spielern auf Disketten. Heute bezeichnet er sich als ein Handy-Dummie. In seinen Vereinen war er jedenfalls sehr oft für alles offen, egal ob Reha, Videoanalyse, Torwarttraining oder Scouting. Es gab damals nur einen Chef- und maximal zwei Co-Trainer. Bei seiner Entlassung verzichtete Hrubesch sogar auf eine Abfindung, um Neururer zum Chef zu machen. Es war der Start einer großen Karriere und der VfL Bochum war sein Höhepunkt. Gerne denkt aber auch an Schalke und Köln zurück, an Hertha weniger. Heute ist er Sportvorstand beim Wuppertaler SV. Diktatorisch die Demokratie bestimmen, so beschrieb er seine Arbeitsweise. Auf die Entwicklung der letzten Jahre im Profifußball angesprochen, verteidigte er die hohen Gehälter der wenigen absoluten Topstars. Das große Mittelmaß verdient seiner Meinung nach viel zu viel. Er hält die astronomischen Ablösesummen für „pervers und krank“ sowie das Wirtschaften von Real Madrid und dem FC Barcelona mit über einer Milliarde Euro an Schulden für wahnsinnig. Die unübersichtliche Vergabe der TV-Rechte und zu viele Wettbewerbe verwirren die Fans. „Der Fußball wird hingerichtet“, lautet sein Fazit.

Man lernte Neururer auch abseits des Fußball etwas kennen. Seine Frau rettete ihn, als er ganz am Boden lag. Für die gelernte Sozialpädogogin war er ihr letzter Fall. Sie heiratete ihn. Zuhause ist er bis heute nur der Co-Trainer. Peter Neururer ist durchaus sportlich begabt. Er ist ein guter Tennisspieler, hatte sogar eine eigene Tennisschule und spielte, dank guter Beziehungen, mal auf dem heiligen Rasen in Wimbledon. Auf Skiern schaffte er es die Streif in Kitzbühel herunter. Dem Golf fröhnte er auf den Top-Plätzen in St. Andrews und Pebble Beach. Die ersten Adressen mussten es zumindest einmal gewesen sein. Auf dem Golfplatz hätte aber beinahe seine letzte Stunde geschlagen. Ein Herzinfarkt an Loch 17 gab ihm 1% Überlebenschance. Zum Glück war ein ausgebildeter Rettungssanitäter mit ihm auf der Runde, ein Rettungswagen direkt am Loch 17 und ein wichtiger Herzspezialist im zufällig besten Krankenhaus. Glück muss man haben. „Ey Doc, watt soll die Scheiße denn hier?“, sagte er zu seinem Arzt, als er im Krankenhaus wieder erwachte. Der wusste sofort, dass das wieder wird. Heute ist er Nichtraucher und genießt Wein in Maßen, alles sehr sympathisch, handfest und bodenständig.

Was kaum einer weiß ist, dass Peter Neururer gerne so ein richtiger Guitarrero geworden wäre. Die Mädels wären dahin geflossen. Spontan entschloss man sich am Ende zu einer Session mit allen Beteiligten und Peter Neururer als Frontmann. „Father and son“, ein Superhit von Cat Stevens, stand auf dem Programm. Als Rockstar reicht es noch nicht ganz auf die Bühne der Royal Albert Hall, aber unterhaltsam war es trotzdem.

Am 12. Dezember startet die nächste Ausgabe von #halbzwölf. Zu Gast ist dann u. a. Purple Schulz.

24. Oktober 2021

www.zollverein.de