abenteuer-ruhrpott.info Aktuelles abenteuer-ruhrpott.info
Freizeittipps
Veranstaltungen
Ausstellungen
Bücher / Musik
Kontakt
Impressum
Vortrag von ESA-Astronaut Alexander Gerst im Gasometer Oberhausen
In Rahmen der Ausstellung „Das zerbrechliche Paradies“ besuchte ESA-Astronaut Alexander Gerst den Gasometer Oberhausen. Er berichtete von seinen Erlebnissen auf der Raumstation ISS und stellte die Frage, warum der Mensch überhaupt ins All fliegt. Es war ein sehr unterhaltsamer und informativer Abend, der den Horizont jedes Einzelnen spürbar erweiterte.

Zunächst jedoch informierte Nils Sparwasser vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) die ausverkaufte Manege unter der animierten Erde im Gasometer über die unbemannte Raumfahrt. Der Blick von oben wird durch 7.000 Satelliten ermöglicht, die um die Erde kreisen. Von hier oben kann man fast alles sehen und die Auswirkungen der menschlichen Überbevölkerung sehr gut studieren. Man erkennt nicht nur das Abschmelzen der Gletscher oder Brandrodungen im Regenwald, auch kann man in Öltanks blicken, um Angaben zu Ölreserven zu überprüfen, kann Öl verklappende Schiffe auf dem Ozean verfolgen oder sogar das Gras wachsen sehen, um Ernten zu überwachen. Mit Hilfe von 230 Farbkanälen lassen sich diese Aufnahmen aus dem All anschaulich darstellen und für Wissenschaft und Wirtschaft zugänglich machen.

Mit Alexander Gerst betrat der Superstar der deutschen Raumfahrt sehr sympathisch die Bühne. Schon im All, als erster deutscher Kommandeur der ISS, nutzte er seine große Gabe der Vermittlung gerne sehr öffentlich. Besonders junge Leute haben es ihm angetan. Der Gasometer hatte extra zwei Schulklassen eingeladen. 197 Tage verbrachte er 400 km über der Erde in einer sehr speziellen und konzentrierten Umgebung. Wissenschaftliche und kommerzielle Versuche von Forschenden aus der ganzen Welt wurden abgearbeitet, zusammen 371 Experimente. Manches lässt sich in der Schwerelosigkeit einfach besser erforschen, als auf der Erde. Insgesamt 3.061 Erdumrundungen und 130.000.000 km legte er zurück. Alles begann mit einem harten Astronautentraining, ehe es über eine Gangway in die Transportrakete ging. Über diese historische Gangway stieg sogar schon Juri Gagarin, als er als erster Mensch der Welt im All die Erde umrundete. Die 4G Beschleunigung pressen einen dann in den Sitz. In acht Minuten war er im Weltraum, in drei Stunden auf der ISS. 15 Nationen arbeiten hier abwechselnd, bei 28.000 km/h Geschwindigkeit. Es ist die komplexeste Maschine der Menschheit.

Oben angekommen ging es im Columbus-Labor um medizinische Forschung, physikalische und biologische Experimente oder die Synergie zwischen Mensch und Maschine. Lenkt man den Blick hinunter auf die Erde, erkennt man die Spuren menschlichen Lebens, ohne einzelne Individuen zu sehen. Ganz fein taucht die chinesische Mauer auf. Die Braunkohle-Tagebaue in Deutschland und weltweit sind nicht zu übersehen, wie große Wunden in der Erde. Der fast ausgetrocknete Aralsee oder Smog in China machen den Menschen sichtbar. In der Nacht strahlen die Metropolen dieser Erde sehr hell. Als die ablösende Besatzung die ISS wegen ihrer expoldierten Rakete nicht erreichen konnte, verlängerte sich seine Zeit auf der Raumstation. Man war gedanklich sehr intensiv bei den Kollegen hoffte nur das Beste. Zu Glück haben alle das Unglück überlebt und sind wenige Monate später auf der ISS angekommen. Solche Schreckensmomente rauben einem Astronauten oben einfach die Sprache, besonders wenn man die Explosion aus dem Fenster zufällig beobachtet. Auch Alexander Gerst hat es wieder hinunter geschafft, auf wenn der Aufprall hart war. Da muss man dann zum Abschluss durch.

Warum fliegen wir nun in eine unendliche Welt, die mehr Sterne hat, als es Sandkörner auf der Erde gibt? Seit 100.000 Generationen schauen wir hinauf zum Himmel. Erst seit zwei Generationen fliegen wir ins Weltall und blicken hinunter. Was alles da draußen ist, wird noch lange erforscht werden müssen. Sieben Monate würde eine Reise zum Mars dauern, drei Tage bis zum Mond, unserem „achten Kontinent“. Aktuell ist die neue Raumstation „Gateway“ in Planung, die um den Mond kreisen wird, aber nicht ständig bemannt sein wird. Wir müssen unsere kosmischen Nachbarn verstehen lernen. Wer weiß schon, ob nicht tatsächlich mal eine menschliche Kolonie im Weltall immens wichtig für das Überleben der Menschheit sein wird. Wie könnte man dort leben?

Zu Schluss durfte das Publikum richtig schlaue Fragen stellen. Gibt es Ufos? Was passiert, wenn jemand auf der ISS stirbt? Kommt man mit der ISS in die Nähe von schwarzen Löchern? Keine Angst, sie sind weit weg. Ist man froh wieder auf der Erde zu sein? Ja, Alexander Gerst freute sich u. a. wieder auf den Geruch von Gras und auf seinen Heimatplaneten. Es war ein sehr beeindruckender Vortrag mit nachdenklichen Momenten, die alle Anwesenden sicher sensibilisiert haben.

Wer übrigens mal live aus der ISS blicken möchte, der kann das tun. Eine Live-Webcam zeigt rund die Uhr die Flugbahn und die faszinierende Sicht auf die Erde mit all ihren Wüsten, Eislandschaften oder Gebirgen, aber Vorsicht, es macht süchtig.

Datum: 2. Juni 2022

www.gasometer.de
nasa.gov (ISS-Live-Webcam)