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Ausstellung 'Operation Edelstein' von Johannes Gehrke in Haan
Eine künstlerische Entdeckung ist aktuell in Haan zu erleben. Jahrzehnte waren die in Staunen versetzende Arbeiten von Johannes Gehrke eingelagert, ehe Galerist Kai Brückner sie ans Tageslicht holte. Zu sehen ist das faszinierende Universum an Werken in der Industriehalle „Tor 1" auf GlückHaania, eine obendrein spannende, alte Location.

„Operation Edelstein“ nennt sich die erste Ausstellung von Johannes Gehrke, die so zusammenhängend noch nie gezeigt wurde. Hier kommen eine über 35 Jahre entwickelte Geschichte, Skulpturen, Zeichnungen, Malerei und die persönliche Performance des Künstlers zusammen.

Was ist das Thema? Ein Glückskäfer soll den Menschen bei ihren Problemen helfen, mutiert genetisch und entweicht aus einem Labor. Draußen entfernt er die Farben von Gegenständen und vermehrt sich wie eine Pandemie, die P.I.M.S, so werden die Käfer genannt, erobern die Welt. Menschen flüchten auf eine Insel, um zu einem neuen Planeten zu fliegen oder sich unter der Erde zu verkriechen. Es ist sein Lebenswerk aus 35 Jahren künstlerischem Schaffen. Eine verrückte Geschichte, die noch viel umfangreicher ist.

Sein komplexes Universum ist angelehnt an die 80er Jahre. Umweltprobleme, politische Verwerfungen oder Tschernobyl, Gehrke war damals ein kritischer Zeitgeist und seiner Zeit voraus. Pandemie oder andere globale Fragen waren nur eine Frage der Zeit. Das Streben nach der Weltregierung verarbeitet er in einem Rednerpult. Das Hirarchiedenken in der Gesellschaft prangert er an. Was kann Technik? Was darf Technik? Das ewige Fortschrittsdenken wird hinterfragt. So träumt er von Raum-Zeit-Flügen oder philosophiert via Skulpturen über das Werden und Gehen. Man findet eine Insel der Emigration, eine Flucht vor der selbst erschaffenen Invasion der Käfer. Transportraketen und Flugkörper, wie sie vielleicht sogar Leonardo Da Vinci erdacht haben könnte, sind wichtige Bausteine seiner surrealen Gedankenwelt. Dabei betont er, dass er mit Comics oder Sciencefiction-Filmen gar nichts am Hut hat, nie ins Kino geht. Seine Raumstationen heißen New York und Düsseldorf. Wasserplaneten und ein historisch wirkender Ballon, mit der Sicht über sein Universum, hängen über den Köpfen. Sein Parolomat ist als eine Art frühes Faxgerät anzusehen. Als Hauptwerk betrachtet er seine Gerümpelplastik. Bis zu 15 Monate hat er an einem Objekt gearbeitet, vorwiegend abends und nachts, wenn die Arbeiten durch ihre Lichtanimation so richtig ihre Wirkung entfalten. Unzählige kleine Details mit gewisser Bedeutung, inklusive Rotation, Sound, Bewegung sowie Vibration lassen staunen. Zeitschaltuhren sorgen für diverse Effekte. Es gibt einen dampfenden Rekordapparat und eine Miss Liberty mit Andeutungen von Justizia und Marylin Monroe.

Gehrkes Lieblingsfächer in der Schule waren Mathe, Biologie, Kunst und Geschichte. Alles das spiegelt sich thematisch durchaus wieder, denn die Arbeiten sind voller Anspielungen mit großem technischer Aufwand hergestellt. Stark autobiografische Anklänge werden sichtbar, wie auch die optischen Anspielungen auf seine Stadt Düsseldorf. Gehrke studierte von 1979 bis 1987 „Freie Kunst“ an der Kunstakademie Düsseldorf bei den Professoren Kimme, Cragg, Klapheck, Konerding und Rissa. Er ist Meisterschüler von Rissa, der Witwe von K.O. Götz. Kunsthistorisch findet man zahlreiche Bezüge zu Tinguely, Martin Kippenberger, Kurt Schwitters oder Marcel Duchamps. Dem Kunstmarkt steht er sehr kritisch gegenüber. Alle ausgestellten Arbeiten befinden sich in seinem Besitz.

Für Schüler, Jugendliche und Erwachsene ist die Ausstellung sehr gut geeignet. Auch ohne die komplette Geschichte zu kennen, kann jeder sich seine eigene deuten und in ein künstlerisches Faszinosum eintauchen. Ganz nebenbei zieren 150 Jahre alte Stadtlaternen aus Düsseldorf den Raum. Es sind auf dem Gelände reichlich kostenlose Parkplätze vorhanden, bei freiem Eintritt. Größere Gruppen sollten sich aber anmelden (Kai Brückner, Handy 0177-4576602).

Am 28. August (19 Uhr) wird Johannes Gehrke in seiner Uniform zu einer Performance einladen. Für den 9. September (18 Uhr) ist die Finisage geplant.

Aktuell sucht Johannes Gehrke einen festen Standort für seine Arbeiten in einem Kunstmuseum, das seine Arbeiten zeigen möchte. Mögliche Interessenten sind vor Ort herzlich willkommen.

Ort der Ausstellung: GlückHaania, Tor 1, Düsseldorfer Strasse 102, Haan
Öffnungszeiten: Mi bis Sa 16 bis 21 Uhr, So 12 bis 18 Uhr, freier Eintritt

Laufzeit: 12. August bis 9. September 2021

www.einsvonelf.de