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Schauspiel 'Der große Gatsby' im Schauspielhaus Bochum
„Der große Gatsby“, nach dem Roman von F. Scott Fitzgerald, feierte eine sehenswerte Premiere in den Kammerspielen im Schauspielhaus Bochum.

Entstanden ist die Inszenierung ungewöhnlich als eine kollektive Arbeit unter der Leitung von Zita Gustav Wende. Es ist ein spannender Stoff, er in Bochum eher fragmentiert wird, um dabei in weißen Satin gehüllt zu werden. Die Bühne ist ein Hingucker, alles in Weiß mit einem hellgrauen Flokati, einem 1920er Springbrunnen und einer modernen Ledercouch. Auch die Kostüme sind gut gewählt. Das alles trifft das Thema optisch sehr gut.

Es geht darum geliebt zu werden, nie genug zu bekommen, Anerkennung zu genießen und sich durch Alkoholkonsum ein schönes Leben zu erträumen. Der Kriegsveteran Gatsby schmeißt dicke Partys, nur um seine Jugendliebe zu überzeugen, sich von ihrem Mann zu trennen. Gatsby vermeidet dabei zu beleuchten, wer er tatsächlich ist und wie er zu Geld gekommen ist. Er ist sogar Besitzer eines Wasserflugzeugs, mit dem er versucht anderen zu imponieren. Dabei wirkt er sehr kauzig und in der Konversation mit Daisy, der Jugendliebe, eher hölzern, schüchtern und ungeschickt, formuliert seine klaren Wünsche aber sehr deutlich. Oft wird der Stoff dabei verbal entzerrt und durch Körpersprache ersetzt. Die Dialoge hat man auf das Nötigste heruntergebrochen, so dass die Handlung trotzdem noch nachvollziehbar ist, Kopfkino inklusive. Letzteres benötigt man auf jeden Fall in dem Moment, wo es zum Unfall mit Todesfolge kommt. Dann verdunkelt sich die Bühne und die Stimmen und Geräusche kommen aus dem Off. Mit Humor hat man die Folgen des alkoholischen Konsums eingeflochten, ohne in Klamauk zu verfallen. Wenn Daisy etwas beschwipst ist, merkt man das auch. Nicht selten agieren die Akteure vor der Bühne oder aus dem Publikum heraus. Man ist als Gast Teil von Gatsbys Partygesellschaft und dürfte zur modernen Clubmucke tanzen.

Das Stück ist in sich stimmig inszeniert. Rund 80 Minuten sind recht kurz konzipiert. Der Stoff hätte wahrscheinlich viel mehr Input hergegeben. Das Ergebnis ist ein etwas avantgardistischer, leicht in eine künstlerische Darstellung gleitender Abend. Jele Brückner, Konstantin Bühler, Guy Clemens, Anna Drexler und Alexander Wertmann können schauspielerisch überzeugen.

Datum: 29. Mai 2022

www.schauspielhausbochum.de