abenteuer-ruhrpott.info Aktuelles abenteuer-ruhrpott.info
Freizeittipps
Veranstaltungen
Ausstellungen
Bücher / Musik
Kontakt
Impressum
Konzert 'Starkregen live' von Rainhard Fendrich in der Lichtburg in Essen
Einen richtig stilvollen Abend erlebten die Besucher in der Lichtburg in Essen. Zu Gast war kein mit einem Oscar dekorierter Kinostar, sondern der österreichische Entertainer, Songpoet und Liedermacher Rainhard Fendrich mit seiner „Starkregen live“-Tour. Was für ein klasse Konzert!

Eigentlich hätte das Konzert 2020 im Colosseum in Essen stattfinden sollen, doch die Pandemie hatte etwas dagegen. Da das Colosseum mittlerweile kein Theater mehr ist, war die Lichtburg ein mehr als würdiger Ort für die Verschiebung der Verschiebung. Dieses 1950er Jahre Kino ist ein wunderbarer Konzertsaal mit herrlicher Atmosphäre und guter Sicht auf allen Plätzen.

Bei Fendrich ist es wie mit gutem Wein, gut gereift klingt er immer besser. So ganz neu ist das Album „Starkregen“ auch nicht mehr. Es erschien 2019. In der Musikbranche ist vieles durcheinander geraten. Umso klarer sind dagegen die Gedanken, die Fendrich in seinen Songs transportiert. Man findet stets einen gesellschaftskritischen Aspekt, den er mit seinem Wiener Charme vertont. Da ist z.B. die „Bussi, Bussi“-Gesellschaft in Wien, wo man auch die Menschen zum Gruß abknutscht, die man gar nicht mag. Da kommen ihm die aktuellen Abstandregeln sehr gelegen. Als Belle Epoque des letzten Jahrhunderts bezeichnet er die 80er Jahre. Was ist nur aus der „Schickeria“ geworden? Der „Tango Korrupti“ ist so zeitlos wie kaum ein anderes Lied. Mit dem Song „Rock'n'Roll Band“ blickte er zurück an seine musikalischen Anfänge. Seine Heimatstadt Wien ist bei Fendrich immer wieder ein Thema. Songs wie „Für immer a Wiener“ oder „Haben sie Wien schon bei Nacht gesehen“ kennt und mag man auch in Essen. Der erste Teil war geprägt von Anekdoten aus seinem Leben und den dazu passenden Songs, bzw. auch mahnenden Tönen in Richtung eines Psychopathen im Moskau oder an die braune Brühe vor der Haustür. „Schwarzoderweiß“ ist fester Bestandteil eines jeden Konzerts. Selbst der Tod oder der Teufel wurden von Fendrich humorvoll in Klänge umgesetzt. Sein geistiger Tellerrand ist bei 40 Jahren Bühnenerfahrung weit gezogen.

Nach der Pause ging es fast Schlag auf Schlag. „Du bist mein Leben“ oder „Kein schöner Land in dieser Zeit“ waren bekannte Töne. Social Media und Smartphones bekamen ihr Fett mit „Social Media Zombie“ und „Stell dir vor es gäb kein Internet“ weg. Die Welt würde würde sich weiter drehen und wäre entspannter. Alles hat sein Für und Wider. Sein Teenie-Schwarm „Frieda“ war mit an Bord. Sind blonde Frauen wirklich erfolgreicher bei Männern? Bei „Blond“ wurde die weibliche Seele gekitzelt, gefolgt von „Oben ohne“, der Wunschgedanke vieler Männer. „Wie Gott im Werbespot“ hatte durchaus etwas Religionskritisches. Die extrem gut zusammengestellte Setlist war nicht nur der konfliktreichen Weltlage angepasst, sondern erfüllte auch die Erwartungen der Fans, denn Musik hilft seiner Meinung nach Angst zu überwinden. Es folgten nacheinander große Klassiker wie „Es lebe der Sport“, „Macho, Macho“, „Midlifecrises“, „Strada del Sole“ mit einem wunderschönen Banjo und die heimliche österreichische Nationalhymne „I am from Austria“. Dabei wurden in Essen sogar zwei rot-weiß-rote Schals geschwenkt. Das Stück ist wirklich besonders.

Langsam klangen die gut zweieinhalb Stunden Konzert aus. Nach dem „Bergwerk“ konnte wirklich nur noch ein Song folgen, aus aktuellem Anlass. Die Lichtburg wurde bis unter die Decke in Blau und Gelb getaucht und Fendrich stand mit Gitarre alleine im Spot auf der Bühne. „Frieden“ war der absolut geniale und bewegende Schlusspunkt eines sehr atmosphärischen Konzerts, ehe er mit „Gott schütze die Ukraine“ als letztem Satz einen leisen und nachdenklichen Abgang wählte. Die Botschaft war in diesem Fall wichtiger als er selbst.

Zu erwähnen ist natürlich die vierköpfige Band, die ebenfalls ein Genuss war. Mal stand die E-Gitarre im Vordergrund, während in anderen Fällen der Kontrabass oder Keys oder die Orgel im Mittelpunkt stehen durften. Der Rhythmus wechselte gerne mal. Das Zusammenspiel war sehr fein abgestimmt.

Zu empfehlen ist übrigens seine sehr gut sortierte Webseite mit allen Texten und Songs.

Datum: 2. März 2022

www.fendrich.at
www.semmel.de