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Ausstellung 'Die Emscher. Bildgeschichte eines Flusses' im Ruhr Museum
Das Ruhr Museum auf Zollverein präsentiert auf seiner 12 m-Ebene die sehr schöne Sonderausstellung „Die Emscher. Bildgeschichte eines Flusses“, eine Zeitreise von der vorindustriellen Idylle, über die dreckige Kloake, bis hin zum renaturierten Fluss.

Die Emscher hat eine sehr wechselvolle Geschichte hinter sich. Einst fand man am idyllischen Ufer die meisten Schlösser Deutschlands. Die Hälfte davon gibt es heute noch. Es gab Wassermühlen. Im Emscherbruch grasten Wildpferde. Die Gegend war dünn besiedelt. Der Fluss veränderte auch mal seinen Lauf. Fotografien gibt es von dieser Zeit so gut wie keine. Gemälde zeigen eine Idylle mit Adelssitzen.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wuchs die Bevölkerung des heutigen Ruhrgebiets auf 4 Mio. Menschen an. Die Industriebetriebe brauchen Arbeitskräfte sowie Möglichkeiten, ihre Abwässer zu entsorgen. Die Emscher floss in der Nähe. Industriell kontaminierte Hochwasser überschwemmten die Ufer, sorgten für Epidemien und wurden um Problem. Allein eine Thyphus-Epidemie hatte in Gelsenkirchen 1904 rund 700 Tote zur Folge.

Es mussten Lösungen her. Man opferte die Emscher der Industrie, kanalisierte ihr Bett und über viele Jahrzehnte war sie eine stinkende Kloake, die jedem in die Nase stieg, der sich in ihrer Nähe befand. Beton wurde zum Landschaft gestaltenden Element. Fotografen wurden von der Emschergenossenschaft eingestellt, um die Planungen zu unterstützen. Heute haben wir deshalb Vorher-Nachher-Vergleiche, die zeigen, wie sehr man durch die Baumaßnahmen Landschaften und Orte auf Links gedreht hat. Die Industriegeschichte hatte auch eine Siedlungsgeschichte zur Folge. Es entstanden Pumpwerke. Die einstige Idylle war nun ein stinkendes Flussbett mit diversen Abwässern, aber so hatte man die die Epidemien im Griff. Proteste der Bevölkerung gegen die enorm aufwendigen Baumaßnahmen gab es nicht. Aus dieser Zeit, bis in die 1960er Jahre hinein hatten die angestellten Fotografen etwa 40.000 Glasplatten belichtet. Die sich heute alle im Archiv des Ruhr Museum zu finden. 150 davon zeigt man erstmalig in dieser Ausstellung. Man sieht wunderbar die Veränderungen, die harte Arbeit, die teilweise Zwangsarbeiter und die enormen Erdbewegungen, die nötig waren. Es war ein Mammutprojekt zur Rettung des Ruhrgebiets.

Vor etwa 30 Jahren setzen neue Denkprozesse ein. Es regte sich der Wunsch nach lebenswerteren Zuständen entlang der Emscher. Man hatte die Idee, die oberirdische Emscher zu renaturieren und die Abwässer unter der Erde in riesigen Kanalrohren verschwinden zu lassen. Auch hier entstanden wieder 200.000 Gebrauchsfotografien, die im Ruhr Museum zu einem Bruchteil zu erleben sind. Man sieht wieder riesige Baustellen mit tiefe Erdlöchern, dies später teilweise nur noch einen Decken darauf bekommen. Hinzu kommen die Impressionen des Fotografen Hennig Maier-Jantzen, der den Fluss aus 25 m Höhe, von einer Hebebühne aus, abgelichtet hat. Seit den 2000er Jahren haben sich ebenfalls Filmemacher den Transformationsprozess zum Thema gemacht. Sie sprachen mit Anwohnern, Arbeitern oder dokumentierten die Baustellen. Bei älteren Bürgern wurden interessante Erinnerungen an früher wach. 66 filmische „Emscherskizzen“ sind bis heute entstanden. Eine Auswahl davon füllt einen Seitenraum der Ausstellung.

Die Ausstellung zeigt sehr anschaulich, wie extrem sich dieser Fluss seit Mitte des 19. Jahrhunderts bis heute verändert hat. Von der einstigen Idylle ist nichts mehr übrig, aber eine neue Naturlandschaft macht die Emscher nun wieder lebenswert. Man sieht dabei, dass der Mensch die Natur nicht nur ausbeuten kann, sondern auch in der Lage ist, sie auch wieder zu reparieren. Es bedarf dazu allerdings großer Anstrengungen, guten Ideen und viel Geld. Kaum einem Fluss in Europa oder weltweit ist das widerfahren. Die Emscher ist dafür ein seltenes Musterbeispiel.

Laufzeit: 12. September 2022 bis 14. April 2023

ruhrmuseum.de