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Ausstellung 'Electro. Von Kraftwerk bis Techno' im Kunstpalast in Düsseldorf
Im Kunstpalast Düsseldorf ist die sehr außergewöhnliche Ausstellung „Electro. Von Kraftwerk bis Techno“ zu erleben. Der Tempel der Künste verwandelt sich in einen Ort mit Club-Atmosphäre. Nach Paris und London ist die Landeshauptstadt die dritte Station dieser nicht leise daher kommenden Schau, denn es wummert an jeder Ecke im Raum.

Wer heutzutage als Ausstellungsmacher auffallen möchte, der muss sich etwas einfallen lassen, neue Wege gehen. Im Kunstpalast verfolgt man einen ganz eigenen Weg, mit Themen, die anderswo so eher nicht zu sehen sind. Anstatt große Meisterwerke der Malerei zu präsentieren, hat man sich nun für elektronische Beats entschieden. Es nicht so ganz einfach immatrielle Töne optisch darzustellen. Zum Glück wurde die Szene durch zahlreiche Fotos und Videos über die Jahrzehnte gründlich dokumentiert. Projizierte Fotostrecken und Filme vermitteln das Club-Feeling, welches aktuell so fehlt. Man findet diverse Masken bekannter Künstler, ihre Markenzeichen. Darüber hinaus spielt das Design dieser Szene eine große Rolle. Es erinnert an eine Subkultur mit ganz eigenen Darstellungsformen. Es geht bunt und schrill zu. Die Typografie fällt aus dem Rahmen.

Über 500 Exponate hat man weltweit zusammengetragen, sogar aus den USA. Detroit gilt als die Wiege des Techno. Die dort verlassenen Fabrikhallen dienten den jungen Leuten in den 80er Jahren als Partyorte für musikalische Maschinensounds. Mit dem Mauerfall wandelte sich Berlin in eine Hochburg des Techno. In England entwickelte sich in den späten 80ern ein zweiter Sommer der Liebe. Drogen wurden jetzt in Pillenform angeboten. Das heute sehr bekannte Smiley-Symbol wurde zum Signet dieses zweifelhaften Konsums.

Diese Schau ist keine historische Ausstellung. Sie ist ein Überblick der letzten hundert Jahre. Wie hat sich die Elektroszene entwickelt? Einige für uns seltsame Instrumente sind ausgestellt. Jean-Michel Jarre zeigt einige der Lieblingsobjekte aus seiner Sammlung. Beim WDR wurde schon früh mit wundersamen Soundmaschinen experimentiert. Auch davon ist ein Teil ausgestellt. Es waren oft Pioniere, die gerne mit elektronisch erzeugten Tönen experimentierten.

Ein Highlight ist der Themenbereich der Düsseldorfer Band Kraftwerk. Wie Götter schweben sie als animierte Skulpturen über den Köpfen der Besucher. In einem Extra-Raum wird ihre grafisch höchst spannend gestaltete Arbeit „Der Katalog 12345678“ filmisch und mit einem Surround Sound System präsentiert. Töne werden hier hervorragend in animierte Kunst verpackt. Man sollte genau hinsehen und genießen. Die dazu nötige 3D-Brille bekommt man vor Ort. Kraftwerk Mitbegründer Ralf Hütter war maßgeblich an der Gestaltung der regionalen Aspekte dieser Ausstellung beteiligt.

Einen wichtigen Raum bespielt der Düsseldorfer Fotokünstler Andreas Gursky mit seinen Fotografien aus der Techno-Szene. Ihn findet man in dieser Subkultur durchaus auch privat. So entstanden einige Fotoarbeiten, die klein- oder extrem großformatig gehängt sind, erstmals sogar auf einer dunkelgrauen Wand, anstatt auf Weiß. Die Wirkung ist wirklich besonders.

Am Ende wirft die Schau einen Blick in die Zukunft. Wird man mit Hilfe der KI Algorithmen finden, die Superhits am Fließband komponieren? Werden in absehbarer Zeit Maschinen die erfolgreicheren Komponisten sein? Man wird es abwarten müssen.

Die ständig und überall beschallte Atmosphäre umfasst elektronische Kompositionen, für die man durch aus vier bis fünf Stunden benötigt, um alles zu hören. Es darf auch getanzt werden. Hier kann man Stunden verbringen, ohne dass es ansatzweise langweilig wird. Mitkurator Alain Bieber formulierte es goldrichtig: „Diese Ausstellung bringt Schwung in die Kiste“.

Ein ausführliches Rahmenprogramm ist konzipiert. Der Katalog zur Ausstellung ist im Museum erhältlich.

Laufzeit: 9. Dezember 2021 bis 15. Mai 2022

www.kunstpalast.de/electro