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ComedyArts Festival 2022 in Moers - Tag 1
Unter dem Motto „Drei Pfund Wahnsinn to go – Herr Ehring, der Butzko und die Hartmann“ präsentierte das 46. ComedyArts Festival in Moers drei Kabarettisten der Extraklasse auf einer Bühne. Das hat es in dieser Formation so noch nicht gegeben.

Das aufgefrischte Konzept des neuen, künstlerischen Leiters, Carsten Weiß, scheint zu stechen. Kabarett, auch eine Form der komischen Unterhaltung, wurde sehr außergewöhnlich dargeboten. Zu Dritt gemeinsam auf einer Bühne zu spielen ist auch für diese erfahrenen Köpfe nicht alltäglich. Für alle war es ein Experiment, quasi ein Tischgespräch vor Publikum, das die durchaus verschiedenen Ansichten spannend zu Tage treten ließ. Auch das Kabarett verändert sich durch gesellschaftlichen und weltweiten Geschehnisse. Man ist nicht immer einer Meinung, aber diskutiert es fachmännisch aus, um Längen besser als jeder Polit-Talk im TV.

Um das inhaltliche Konzept nicht wahrlos werden zu lassen, wurden drei Leitthemen vorgegeben: Krieg, Corona und Klima. Christian Ehring zog das Los Corona. Die Regeln für den Herbst stellen schließlich die auf, die daran verdienen möchten, ob Maskenhersteller oder die Regierung beratende Virologen. Politiker und Bürger lassen sich gerne von der Angst leiten. Mit der Angst kann man große Geschäfte machen. Er blickte aber auch über den gesetzten Tellerrand. Die Queen und das britische Königshaus sollte man abschaffen. Er bezeichnete das Königshaus als Folklore oder absurdes Theater. Die Queen war auch Teil der unrühmlichen Panama Papers. Vergesslichkeit ist übrigens keine Frage des Alters. Olaf Scholz hat bezüglich eines Finanzskandal in Hamburg erstaunliche Erinnerungslücken, so seine treffende Bemerkung. Der Medienkonsum verändert sich auch ständig. Während der Pandemie wurde häufig gestreamt. Die Serien-Kommissare auf diverse Plattformen waren sexsüchtig und koksend. Bei Derrick hätte es das nicht gegeben. Zum Glück lässt das Verlangen nach Streaming-Angeboten spürbar nach. Christian Ehring war ganz der, der im NDR-Fernsehen inhaltlich genaustens geprüft seine Zeilen verfasste.

HG. Butzko wuchs in Gelsenkirchen, gegenüber der Glückauf-Kampfbahn auf. Er sah sich da schon eher in der Rolle des Provokateurs, hat 25 Jahre Kabarett auf dem Buckel. Sein Thema war der Krieg. Es klang durchaus klug und scheinbar gut recherchiert. Man hörte zu, war von seinen Aussagen doch oft überrascht. Für ihn ist der Ukraine-Krieg eine Auseinandersetzung mit einer Vorgeschichte. Er stellte Putin an den Pranger, schonte aber auch die politische Führung der Ukraine nicht, warf ihr sogar indirekt Rassismus und Völkermord vor. Selenskyj soll Wahlversprechen gebrochen haben. Er merkte an, das die EU der Ukraine 150 Defizite vorwirft. Was ist Wahrheit und was Propaganda? Schwer zu überblicken und zu beurteilen. Es geht im Krieg jedenfalls immer um geopolitische Interessen. In dem Punkt war man sich einig. Andere Kriege werden kaum erwähnt. Zu erwähnen ist noch sein Standpunkt zum Boykott russischer Künstler. Er findet es unmöglich, dass diese sich erst öffentlich gegen Putin aussprechen müssen, um bei uns auftreten zu können.

Anni Hartmann war die Klimaexpertin auf der Bühne. Jedenfalls hält sie sich dafür. Nach einigen Minuten humorvollem Umgang mit dem Thema wurde es später ein Plädoyer für extrem linke Thesen, politisch angesiedelt zwischen der SED, Fidel Castro, den Linken und den Grünen. Das Atom ist böse, aber ein gutes Windrad kann doch höchstens eine Möwe erschlagen. Hier waren ihre Ausführungen nicht ausgewogen und energiepolitisch eher unrealistisch. Einen vernünftigen und bezahlbaren Energiemix erwähnte sich nicht. Krass erschien auch ihre Kritik am Kapitalismus. Man hatte den Eindruck, als möchte sie eine neue DDR erstehen lassen. Kapitalismus ist für sie Krieg. Zugegeben, der Konkurrenzkampf ist hart, das aber als Krieg zu bezeichnen ist schon mutig. Das von ihr soziale Miteinander ist dagegen lobenswert, aber ebenso unrealistisch, solange es hunderte Millionen von gierigen und eigensinnigen Menschen auf dieser Erde gibt. Sie entpuppte sich als eine sehr streitbare und keine einfache Person mit oft schwierigen Thesen. Zur großen Überraschung wurde ihr der Preis der Kulturstiftung der Sparkasse am Niederrhein überreicht.

Es war ein sehr spannender Abend, dem man gerne lauschte, denn es wurde von drei recht unterschiedlichen Vertretern des Kabaretts der Versuch unternommen, das beliebte Schwarz-Weiß-Denken um einen Graubereich zu ergänzen. Ob sie wieder jemals gemeinsam auf einer Bühne stehen werden, das wird die Zukunft zeigen.

Datum: 15. September 2022

Infos und Fotos zum Tag 2
comedyarts.de