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Oldtimer-Festival 'Classic Days' 2022 der Messe Düsseldorf
Die „Classic Days - Festival of Culture & Motoring Livestyle“ fanden 2022 erstmals in Düsseldorf statt. Es roch ordentlich nach Benzin. Präsentiert wurden zahlreiche schicke Old- und Youngtimer, die vor Ort auch in Bewegung zu erleben waren. Es war die pure Reizüberflutung an schönem Blech und guten Sounds.

Zu sehen gab es rund 4.100 Autos, die sonst teilweise eher selten präsentiert werden. Ehemalige Le Mans-Teilnehmer, Tourenwagen, Busse, Formel-Rennwagen verschiedener Epochen, Klein- und Alltagsautos, Staatskarossen, Motorräder, Bullis, Campingfahrzeuge oder historische LKWs bildeten eine große Palette an Fahrzeugen. Zusätzlich zu den alten Boliden kamen legendäre Rennfahrerpersönlichkeiten wie Derek Bell (fünffacher 24 h von Le Mans-Sieger), Jochen Mass als deutsche Formel-1-Größe und Kurt Ahrens. Die alten Kurven sind dem heutigen Einheitsbrei an Autos optisch ganz sicher vorzuziehen.

Es musste laut knattern, schon aus der Entfernung. Besonders wenn die Rennboliden auf der Strecken waren, war das nicht überhören. Das Tempo war dann, außerhalb der Geraden, aber doch eher Standgas. Die Sicherheit hatte Vorrang, schließlich standen die BesucherInnen direkt hinter teilweise leichten Holzzäunen. Ein Verbremser hätte schwerste Verletzungen oder Schlimmeres zur Folge gehabt. Erst nach Ende, um 18 Uhr und ohne Zuschauer, gab es aus der Entfernung packende Zweikämpfe zu sehen. Im Fahrerlager konnte man die schicken Oldtimer in Ruhe bewundern und studieren. Echte Experten ließen sich gerne über Details aus. Betont gesprochene Stichworte wie „Mittelmotor“ oder „der wurde nur von 1961 bis 1964 gebaut“ hörte man hier und da. Viele dicke Brieftaschen und Expertenaugen liefen über den Platz. Die Besitzer gaben gerne Auskunft über ihre Schätzchen, die häufig auch im Alltag gefahren werden, keine in der Garage gelagerten Museumsobjekte sind. Schön war auch der historische Campingplatz mit Wohnwagen aus einer anderen Zeit, einer scheinbar bescheideneren, gemütlicheren und wahrscheinlich besseren.

Ganz wenige Neuwagen waren ebenfalls vertreten, ein Blick in die Zukunft. Die Autostadt hatte neben zahlreichen Oldtimer auf ein paar jüngere und aktuelle Modelle mit dabei. Auch Mercedes Benz war mit zwei E-Autos jenseits der 100.000 Euro und einem AMG SL 63 4M+ vertreten. 585 PS und 214.000 Euro sind eine deutliche Sprache. Man kam so auch ins Gespräch über Lieferprobleme. Die G-Klasse kann aktuell erst 2024 bis 2025 ausgeliefert werden. Gebrauchtfahrzeuge dieses Typs kosten 30% mehr als der Brutto-Listenpreis für ein Neufahrzeug, also um die 250.000 Euro. Auch die Preise für Oldtimer entwickeln sich exorbitant, ein Trend aus den USA. Dort stellt man nicht nur seltene Corvettes C1 wie Skulpturen aus. Man fährt sie kaum noch, aus Angst vor Wertverlust. Der Markt für historische Fahrzeuge befindet sich in einer sehr ungünstigen Entwicklung, trotzdem ist man froh, dass es sie noch gibt.

Vom Schloss Dyck in Jüchen müsste man dieses Jahr umziehen und ist auf einem Messeparkplatz gelandet. Dieser ist zwar mit 1.500 Bäumen angenehm bewaldet, aber das elegante Ambiente eines Schlossparks kann so ein Parkplatz natürlich nicht ersetzen. Es fehlte die historische Kulisse, leider auch für Fotoworkshops. Dafür hatte man jede Menge Platz. Man konnte sich ausbreiten und die 2,2 km lange Rennstrecke machte ordentlich Lärm. Jeder Standort ist anders und hat seine Vor- und Nachteile. Der Besucherandrang war am Samstag gut bis zufriedenstellend. Es war nicht übervoll, insgesamt kamen aber 34.978 Besucher. Den Besuch von Veranstaltungen überlegt man sich bei der derzeitigen Weltlage gerne zweimal, zumal Parkplatztickets bei Messen erfahrungsgemäß ebenfalls nicht günstig sind. Die Fahrradtour mit der Familie ist manchmal eine günstigere Alternative.

Das Ganze ist ein Non-Profit-Event von Oldtimer-Enthusiasten, die 20.000 Stunden ehrenamtliche Arbeit investiert, teilweise ihren Jahresurlaub geopfert haben. Der Gewinn des Events ist wie immer als wohltätige Spende deklariert und geht an die Stiftung „giving back“ der Düsseldorfer Kinderträume e.V. sowie an die RTL-Stiftung „Wir helfen Kindern e.V.“. Ein großes Kompliment für so viel ehrenamtliches Engagement.

Kinderkrankheiten sind beim ersten Mal natürlich mit eingerechnet. Was passiert wann und wo? Man fand dazu kaum Informationen auf dem Gelände und ließ sich einfach mal treiben, immer dem Sound oder einem besonderen Oldtimer nach. Die Beschilderung zu den 14 einzelnen Teilbereichen war gut geregelt. Das Team der „Classic Days“ präsentierte sich sehr freundlich. Fragen waren immer willkommen. Wer fußläufig oder per Rad von der Stockumer Kirchstraße am Rhein entlang kam, der wurde allerdings allein gelassen. Man fand auf dem gesamten Weg keinen einzigen Hinweis auf die Veranstaltung. Also immer der Nase nach, in der Hoffnung sein Ziel zu erreichen. Obendrein versperrte ein Pfosten einer Anzeigetafel auf einem Fuß-Radweg ankommenden Besuchern mit Lastenrädern und darin sitzenden Kindern den Weg zum Gelände. Die neue Mobilität stieß an die Grenzen der vorhandenen Infrastruktur.

Datum: 6. August 2022

Laufzeit: 5. bis 7. August 2022

www.classic-days.de